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Wenn 3031 Zuschauer an einem frostigen Februarabend ins Stadion an der Wuhlheide pilgern, dann ahnt man: Hier wird’s wieder laut, wild - und ein bisschen verrückt. Dynamo Berlin besiegte am dritten Spieltag der Oberliga C den favorisierten Gast aus Lüdenscheid mit 3:1 (1:0). Und das in einer Partie, die alles hatte - außer Langeweile. Schon in der zwölften Minute schien der Ball ein Eigenleben zu entwickeln. Der 18-jährige Kay Engel, noch grün hinter den Ohren, aber blitzschnell auf den Beinen, nahm eine Flanke von Andreas Gebhardt so präzise mit, dass man kurz dachte, er hätte einen Laserpointer eingebaut. Zack, 1:0! "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Engel später verschmitzt, "aber wenn der Ball reinfliegt, sag ich natürlich nicht nein." Trainer Tim Ancelotti kommentierte trocken: "So viel jugendlicher Leichtsinn, das ist manchmal gar nicht so schlecht." Lüdenscheid, technisch reif und mit 57 Prozent Ballbesitz klar dominanter, suchte danach geduldig nach Lücken. Doch Dynamo verteidigte mit der charmanten Mischung aus Chaos und Leidenschaft, die man in Berlin Tradition nennt. Die Gäste verzweifelten an der Abwehr um Amaury Gutierre, der hinten nicht nur klärte, sondern auch in der 54. Minute als Passgeber glänzte: Sein weiter Ball fand den startenden Peter Ludwig - und der 21-Jährige verwandelte eiskalt zum 2:0. "Ein Innenverteidiger, der so punktgenau spielt - das ist fast schon unhöflich", flachste ein Fan auf der Tribüne, während der Stadionsprecher sich heiser jubelte. Aber Lüdenscheid gab sich nicht geschlagen. In der 60. Minute bewies Henry Warriner, dass auch 34 Jahre kein Hinderungsgrund für einen satten Linksschuss sind. Nach feiner Vorarbeit von Tomas Penicka knallte er den Ball zum 2:1 unter die Latte - und plötzlich war wieder Leben in der Bude. "Da dachten wir kurz, jetzt kippt’s", gab Dynamo-Kapitän Matthias Klose zu. "Aber dann kam Mike." Mike Köhler, 18 Jahre jung, zentraler Mittelfeldmann mit dem Selbstbewusstsein eines Routiniers, zog in der 67. Minute aus gut 20 Metern ab - 3:1! Wieder Klose als Vorbereiter, wieder Jubelstürme. "Ich hab einfach draufgehalten", erklärte Köhler später grinsend. "Matze meinte: ’Mach was Verrücktes’ - also hab ich gehorcht." Danach wurde es ruppiger. Lüdenscheids Henry Warriner (24.) und Olav Meissner (15.) kassierten früh Gelb, später erwischte es auch den Berliner Gutierre (90.). Und als ob das nicht genug wäre, humpelte Andreas Gebhardt nach 76 Minuten vom Feld. "Nur ein Pferdekuss", beruhigte Trainer Ancelotti, "aber der Junge wollte lieber gleich ein Selfie mit der Eispackung." Während Dynamo in der Schlussphase auf Konter lauerte - die Taktik wechselte auf "COUNTER" mit vollem Einsatz - drückte Lüdenscheid, ohne zwingend zu wirken. 15 Schüsse hatte Berlin, 9 die Gäste - die Statistik erzählte also nicht die ganze Wahrheit. Denn der Unterschied lag in der Entschlossenheit. "Wir hatten mehr Ball, aber weniger Herz", sagte Lüdenscheids erfahrener Mittelfeldmann Henry Edgecomb nachdenklich. Sein Trainer brummte daneben: "Wir spielen schön, die Berliner gewinnen schmutzig. Vielleicht sollten wir das mal üben." Und tatsächlich: Dynamo Berlin mag weniger Ballbesitz gehabt haben (nur 42,7 Prozent), aber dafür umso mehr Zielstrebigkeit. Das Publikum feierte das junge Team frenetisch, als wäre der Aufstieg schon sicher. Zum Abpfiff grinste Ancelotti in die Kameras: "Wir sind eine Mischung aus Schulband und Rockkonzert - manchmal schief, aber nie langweilig." Ein Satz, der den Abend perfekt beschreibt. Lüdenscheid fuhr mit gesenkten Köpfen zurück ins Sauerland, Dynamo dagegen genoss den Applaus. Drei Tore, drei Torschützen unter 22, eine Menge jugendlicher Übermut - und ein Trainer, der genau das liebt. Oder wie ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Die Jungs spielen vielleicht nicht wie Barca - aber sie spielen wenigstens mit Herz. Und Herz schlägt Ballbesitz, immer." So endete ein kalter Berliner Abend mit warmen Gefühlen: Dynamo Berlin 3, Lüdenscheid 1. Und irgendwo in der Kabine summte wohl jemand: "Spitzenreiter, Spitzenreiter…" - aber das blieb dann doch unter der Dusche. 22.06.643990 01:33 |
Sprücheklopfer
Da fasse ich mir doch an den Kopf. Die ticken doch alle nicht ganz richtig. Hertha spielt doch grausamen Fußball.
Mario Basler über Titelambitionen von Hertha BSC Berlin