Northern Ireland Football
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Eagles fliegen früh, Reds landen später - Cliftonville dreht das Spiel in Armagh

Es war ein frostiger Montagabend in Armagh, aber die 20.000 Zuschauer im Eagles-Stadion bekamen genug Feuer zu sehen, um sich die Hände warm zu reiben. Nach 90 intensiven Minuten stand es 1:3 aus Sicht der Armagh Eagles - ein Ergebnis, das den Spielverlauf auf den Kopf stellte, aber auch eine Lektion über Geduld, Effizienz und eine gewisse nordirische Sturheit erteilte.

Dabei fing alles so hoffnungsvoll an: Schon in der 7. Minute stürmte Rechtsverteidiger Wolfgang Urban nach vorn, als hätte er den Begriff "Defensivpflicht" aus seinem Vokabular gestrichen. Nach einem feinen Doppelpass mit dem quirlig-jugendlichen Ricardo Semedo zog Urban einfach ab - und siehe da, der Ball zappelte im Netz. 1:0. Ein Verteidiger als Torschütze? "Ich dachte, das Tor steht da nur zur Zierde", grinste Urban später.

Trainer Stefan Sommer der Eagles brüllte danach so laut "Ruhig jetzt!", dass selbst die Tauben auf der Flutlichtanlage kurz zusammenzuckten. Doch seine Mannschaft blieb - sagen wir höflich - zu ruhig. Zwar hatten sie 51 Prozent Ballbesitz und neun Torschüsse, aber die Präzision ließ zu wünschen übrig. Cliftonville dagegen lauerte, wie es sich für eine Mannschaft mit offensiver Grundhaltung gehört. Coach Hubert Wetzel erklärte später mit einem Augenzwinkern: "Wir spielen offensiv - wir wissen nur manchmal nicht, ab wann."

In der ersten Halbzeit blieb es beim 1:0, auch weil Marcos Vazques und Luke Whelan ihre Chancen für die Reds liegen ließen. Doch in der Kabine muss Wetzel die passenden Worte gefunden haben. "Ich habe ihnen gesagt, sie sollen so tun, als ginge es um das letzte Pint im Pub", verriet er lachend. Offenbar ein motivierender Vergleich.

Denn in der 67. Minute war es Luke Whelan, der nach Vorarbeit von Harvey O’Dea den Ausgleich erzielte. Ein Schuss aus zentraler Position, eiskalt, präzise, fast chirurgisch. Die Eagles-Bank erstarrte - der Rest des Stadions ebenfalls. Danach kam Bewegung ins Spiel, und zwar in die falsche Richtung für die Gastgeber.

Marcos Vazques, bis dahin eher unauffällig, nutzte in der 80. Minute eine Hereingabe von Reece Stack zum 1:2. "Der Ball kam so perfekt, ich hätte ihn mit der Stirnpolsterung treffen können", witzelte Vazques nach Schlusspfiff. Da half auch die lautstarke Unterstützung der Heimfans nichts mehr. Die Eagles wirkten müde, während Cliftonville immer frischer wurde - ein paradoxes Bild, das aber zum Spiel passte.

Und als ob das noch nicht genug gewesen wäre, setzte der eingewechselte Routinier Paul Wurst in der 86. Minute den Deckel drauf. Mit seinen 33 Jahren bewies er, dass Erfahrung manchmal eben doch die schnelleren Beine schlägt. 1:3 - und die Reds jubelten ausgelassen. "Ich wollte eigentlich nur Zeit schinden", gab Wurst schmunzelnd zu.

Die Schlussphase wurde ruppig. Wolfgang Urban, der Held der Anfangsminuten, sah erst Gelb (85.) und wenig später Gelb-Rot (90.). Sommer winkte nur erschöpft ab: "Wolfgang wollte wohl als Erster unter die Dusche." Auf der Gegenseite holte sich Luke Whelan ebenfalls Gelb ab - der Beweis, dass auch Sieger manchmal an der Emotion scheitern.

In der Nachspielzeit kam es noch bitterer für die Eagles: Harry McGee verletzte sich bei einem unglücklichen Sturz (93.), während seine Auswechslung schon vorbereitet war. Trainer Sommer fasste das Drama trocken zusammen: "Wenn’s läuft, dann läuft’s - leider meistens in die falsche Richtung."

Statistisch gesehen war es ein enges Duell - 51,5 Prozent Ballbesitz für Armagh, 48,4 für Cliftonville, 9:12 Torschüsse. Doch der Unterschied lag in der Konsequenz: Die Reds trafen dreimal bei zwölf Versuchen; die Eagles nur einmal bei neun.

Cliftonville zeigte in der Schlussphase, was taktische Anpassung bedeutet: vom ausgewogenen Passspiel zu kurzen, schnellen Kombinationen, gepaart mit aggressivem Pressing. Armagh dagegen blieb der eigenen Balance treu - vielleicht zu treu.

"Wir haben uns an unseren Plan gehalten", sagte Sommer, "aber der Plan hat sich nicht an uns gehalten." Und sein Gegenüber Wetzel konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen: "Ich sag immer: Wer das letzte Tor schießt, hat meistens gewonnen."

So endete ein Abend, der mit einem Traum begann und mit einem Albtraum aufhörte. Die Armagh Eagles fliegen zwar gern hoch, aber an diesem 5. Spieltag der 1. Liga Nordirland wurden sie von cleveren Reds auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Und irgendwo in der Kabine summte Wolfgang Urban leise vor sich hin: "Ein Tor, zwei Karten - das nennt man wohl ausgeglichene Bilanz."

17.03.643987 23:05
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