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Atlanta - 46.666 Zuschauer kamen ins "Banana Dome", um ihre Gorillas zu sehen. Nach 90 Minuten blickten sie allerdings eher auf ein Trümmerfeld aus verpassten Chancen, flatternden Nerven und vier blitzsauberen Treffern der New York Eagles. 0:4 hieß es am Ende - und ehrlich gesagt: Es hätte schlimmer kommen können. Die Partie begann eigentlich hoffnungsvoll. Schon in der 11. Minute prüfte August Bjorklund den Eagles-Keeper Oscar Cunha mit einem satten Schuss aus 20 Metern. "Ich dachte, der ist drin", seufzte Bjorklund später. Cunha dachte das offenbar auch - doch er streckte sich wie ein Adler und fischte den Ball aus dem Winkel. Drei Minuten später fiel dann das, was man in Atlanta nur als "kalte Dusche" bezeichnen kann: Dylan Edgecomb nutzte einen Moment völliger Verwirrung in der Gorilla-Abwehr und traf zum 0:1. "Wir haben kurz vergessen, dass Fußball kein Spaziergang im Zoo ist", knurrte Gorillas-Trainerin Anja Meister nach dem Spiel. Ihre junge Truppe - im Schnitt kaum älter als 20 - wirkte tatsächlich überfordert mit der flinken Flügelzange der Eagles. Besonders der 19-jährige Rhys Lankford auf der rechten Außenbahn zeigte, warum ihn in New York schon manche "den Teenager mit Turbo" nennen. In der 37. Minute dann der nächste Stich: Leandro Cunha, gerade mal 20 Jahre alt, fackelte nicht lange und schlenzte den Ball zum 0:2 ins Netz. Die Gorillas reklamierten Abseits, die Fans pfiffen, aber der Schiedsrichter blieb eisern: Tor. Noch vor der Pause gab’s die erste Verwarnung für Callum Lancaster von den Eagles - eine Szene, die eher an einen Wrestling-Move erinnerte als an ein Tackling. Doch statt Unruhe brachte das nur eines: ein Schmunzeln auf die Gesichter der Gäste. "Das war eine taktische Gelbe", grinste Lancaster später. "Ich wollte nur zeigen, dass wir wach sind." Nach dem Seitenwechsel versuchte Atlanta, das Spiel an sich zu reißen. Trainerin Meister stellte auf aggressives Pressing um - und tatsächlich: Zehn Minuten lang waren die Gorillas obenauf. Daniel Kober (31.) und der 17-jährige Garritt Knickerbacker (54.) hatten gute Schüsse aufs Tor, doch entweder fehlte die Präzision, oder Oscar Cunha stand im Weg. Dann kam die 71. Minute - und mit ihr das Ende aller Hoffnungen. Ashton Patton, der schon den halben Abend über die linke Seite pflügte, traf nach Vorlage von Benjamin Lockhart zum 0:3. Nur vier Minuten später legte Reece Williamson nach, assistiert von seinem jüngeren Bruder George. Das 0:4 war genauso elegant wie schmerzhaft: ein Torschuss wie eine Unterschrift unter ein Meisterwerk. Die letzten 15 Minuten? Ein Spiel auf Sparflamme. Die Eagles spielten Ballbesitz (am Ende 51,8 Prozent), die Gorillas liefen hinterher. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft wir den Ball verloren haben", sagte Mittelfeldmann Dylan Hunt, der immerhin durch eine Gelbe Karte auffiel - seine erste, aber sicher nicht seine letzte in dieser Saison. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 13 Torschüsse der Eagles gegen 5 der Gorillas, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Gäste, 0 Tore für Atlanta. Selbst die drei Einwechslungen in der 64. Minute - allesamt Teenager - konnten den Trend nicht drehen. Gäste-Trainer Ho Si zeigte sich nach dem Spiel fast väterlich: "Atlanta hat viele junge Talente. Aber heute war’s ein Lehrabend. Wir haben ihnen gezeigt, wie Flügel funktionieren." Eine Anspielung auf seine "Eagles", die tatsächlich über die Außenbahnen alles dominiert hatten. Anja Meister hingegen wirkte gefasst. "Manchmal muss man verlieren, um zu lernen, wie man verliert", sagte sie trocken. Und fügte hinzu: "Aber vier Tore sind ein bisschen viel Unterricht." Als die Fans das Stadion verließen, hörte man hier und da Galgenhumor. Ein älterer Anhänger brummte: "Wenn das so weitergeht, müssen wir die Gorillas bald in den Streichelzoo verlegen." So bleibt den Gorillas nur, sich zu sammeln und auf den nächsten Spieltag zu schauen. Die Eagles hingegen fliegen mit breiter Brust weiter - vier Tore, vier Torschützen, vier Flügel, wenn man so will. Und wer sie spielen sah, weiß: Diese Vögel landen so schnell nicht. Ein Satz bleibt vom Abend hängen - von Dylan Edgecomb, dem Torschützen des ersten Tores: "Wir sind keine Showvögel. Wir sind Raubvögel." In Atlanta weiß man jetzt, wie sich das anfühlt. 21.04.643987 17:29 |
Sprücheklopfer
Wie war noch die zweite Frage? Das ist nicht so einfach, ich bin schließlich Fußballer.
Mehmet Scholl bei einer Pressekonferenz, nachdem ihm zwei Fragen auf einmal gestellt wurden