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Im kalten Flutlicht des Tynecastle Park erlebten am Freitagabend 16.000 Zuschauer ein Fußballspiel, das alles hatte: Tempo, Tore, gelbe Karten und eine Prise schottischen Wahnsinns. Am Ende jubelte Edinburgh United über ein 3:2 gegen Selkirk Athletic - ein Ergebnis, das sich nach purem Kampf anhört, und genau das war es auch. Selkirk kam mit breiter Brust angereist, offensiv eingestellt, aggressiv und mit jugendlichem Übermut. Trainer Jan Moese hatte seine Elf auf Attacke getrimmt - "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens spektakulär", sagte er vor dem Anpfiff halb im Scherz. Und spektakulär wurde es tatsächlich, nur anders, als erhofft. Schon in den ersten Minuten knisterte die Luft. Edinburghs Lucas MacInnes prüfte in der zweiten Minute Selkirks Keeper Velez, der den Ball gerade noch über die Latte lenkte. Auf der anderen Seite drosch der 17-jährige Gabriel Duncan die Kugel in Minute fünf wuchtig aufs Tor - doch Uniteds Torwart Morgan Skene fischte sie mit den Fingerspitzen heraus. Die Partie nahm Fahrt auf, als hätte jemand vergessen, die Bremse zu montieren. Nach einer halben Stunde sammelte Edinburghs Connor McLeod die erste Gelbe Karte ein - eine Art Ehrenabzeichen in einem Spiel, das sich rasch zu einem intensiven Schlagabtausch entwickelte. Drei Minuten später folgte die Belohnung: William Ramsay, der flinke Rechtsaußen, schloss nach feinem Zuspiel von Altmeister Rikard Samuelsson ab. 1:0, das Stadion tobte. Doch Selkirk antwortete wie ein beleidigter Terrier. In der 43. Minute verwertete Adam Morrison einen Pass von Ashton MacAlister, der so präzise kam, dass man meinen konnte, er habe ihn mit dem Zirkel gemalt. 1:1 zur Pause - und beide Teams hätten sich über mehr Tore nicht beschweren dürfen. "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen einfach weiter rennen, notfalls bis nach Glasgow", grinste Edinburghs Trainer (der seinen Namen lieber nicht nennen wollte) in der Halbzeitpause. Die Taktik: weiter ausgewogen, aber mit Mut zum Risiko. Selkirk begann die zweite Hälfte furios. Innenverteidiger Samuel MacArthur - eigentlich mehr fürs Abwehren zuständig - schlich sich bei einer Ecke nach vorne und köpfte in der 53. Minute zur 2:1-Führung ein. Der Jubel war laut, die Überraschung größer. "Ich hab einfach die Augen zugemacht", gab MacArthur später lachend zu. Doch wer glaubte, das Spiel kippe zugunsten der Gäste, kannte Edinburghs Abwehrspieler Daniel MacCallum nicht. Der 26-Jährige donnerte in der 68. Minute nach einer Ecke von Luke Malcolm den Ball wuchtig unter die Latte - 2:2, das Stadion bebt, die Fans singen, der Stadionsprecher überschlägt sich. Nur vier Minuten später machte es sein Kollege Davib MacAulay noch besser: Nach einem wunderbaren Doppelpass mit Ramsay zog der Rechtsverteidiger von der Strafraumkante ab und traf zum 3:2. Ein Treffer, der in jedem Saisonrückblick auftauchen dürfte. "Ich dachte erst, das sei ein Querschläger", witzelte MacAulay später. "Aber wenn der Ball mal reinfällt, beschwert sich keiner." Selkirk warf in der Schlussphase alles nach vorne. Der junge Duncan feuerte in der 91. Minute noch einmal aufs Tor, doch Skene blieb standhaft. "Ich hab den Ball regelrecht angeknurrt", meinte der Torwart, "das hilft manchmal." Die Statistik sprach trotz des Ergebnisses fast für die Gäste: 18 Torschüsse zu 11, etwas weniger Ballbesitz (47 zu 53 Prozent), aber mehr Biss in den Zweikämpfen. Edinburgh dagegen nutzte seine Chancen eiskalt - und das war am Ende der Unterschied. Trainer Jan Moese zeigte sich nach dem Spiel selbstironisch: "Wir haben offensiv gespielt, aggressiv, mutig - und Edinburgh hat einfach cleverer getroffen. Vielleicht sollte ich nächstes Mal den Innenverteidiger öfter nach vorne schicken." Für Edinburgh United war es ein Sieg des Willens, für Selkirk eine bittere Lehrstunde in Effizienz. Die Fans aber bekamen, was sie wollten: Dramatik, Tore, Emotionen und ein paar heisere Stimmen auf dem Heimweg. Am Ende einer langen, kalten Nacht in Edinburgh stand ein glücklicher Sieger - und selbst die Selkirk-Fans konnten sich ein Lächeln nicht verkneifen. "Wenn schon verlieren, dann wenigstens mit Stil", rief einer beim Verlassen des Stadions. Recht hat er. 21.04.643987 17:50 |
Sprücheklopfer
Ich werde nicht akzeptieren, dass gesagt wird: Die Mannschaft ist ein Scheißhaufen. So einfach ist es nicht. Logisch sind wir ein Scheißhaufen. Aber das ist nicht der einzige Punkt.
Christian Ziege nach der EURO 2000 über die deutsche Nationalmannschaft