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Es war ein Abend, an dem der Himmel über Bochum-Hordel so grau war wie die Gesichter der Heimfans nach 90 Minuten Fußballarbeit. 25.253 Zuschauer drängten sich am 2. Januar 2026 zum Flutlichtspiel des 2. Spieltags der 2. Liga Deutschland im Stadion an der Gahlenschen Straße. Sie sahen eine TuS Hordel, die kämpfte, rackerte und grätschte - aber eben auch eine Kölner Mannschaft, die mit einem 2:0-Sieg die Punkte einfach professionell einsackte, als wäre es der letzte Einkauf vor Ladenschluss. Die erste Halbzeit verlief, sagen wir, strukturiert. TuS Hordel begann mutig, mit langen Bällen, die so hoch flogen, dass die Zuschauer auf der Haupttribüne kurz die Hälse recken mussten. Fjodor Koroljuk prüfte in der 4. und 13. Minute den jungen Kölner Keeper Bruno Jemez, der sich offenbar vorgenommen hatte, an diesem Abend keine Weihnachtsgeschenke mehr zu verteilen. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte Trainerin Ute Finkeldy nach dem Spiel, "aber der Junge hat das Ding tatsächlich noch rausgekratzt. Da muss man einfach applaudieren - oder fluchen, je nach Trikotfarbe." Köln, offensiv wie angekündigt, ließ den Ball zirkulieren, als hätten sie die Pausen zwischen den Feiertagen für ein paar Extra-Einheiten Ballbesitzfußball genutzt. 55,8 Prozent Ballbesitz und 13 Torschüsse sprechen eine klare Sprache: kontrollierte Dominanz. In der 27. Minute versuchte Arpad Csernai sein Glück, kurz darauf Innenverteidiger Ricardo Ibanez - was bereits alles über Hordels Defensivordnung sagt. Doch der Ball wollte einfach nicht ins Netz. Halbzeit: 0:0, und die Bratwurstverkäufer freuten sich über den Nachschub an enttäuschten, aber hungrigen Fans. Nach der Pause wechselte Finkeldy dreifach - frischer Wind, neue Hoffnung, aber keine neuen Ideen. Köln blieb geduldig, spielte weiter "SURE" - so nennt man das in der Taktik-Analyse, wenn man lieber sichere Chancen sucht, statt aus allen Lagen draufzuhalten. In der 59. Minute war es dann soweit: Frederik Laursen, der Däne im Sturmzentrum, verwandelte eine Vorlage von Connor Mills eiskalt. 1:0 für Köln, und auf der Hordeler Bank sank jemand in die Trainerjacke. "Da waren wir einen Schritt zu spät, vielleicht auch zwei", murmelte Kapitän Gunborg Brun später, "und Laursen trifft halt, wenn er darf." Hordel versuchte, zu reagieren - mit Betonung auf "versuchte". Ernst Kunkel hatte in der 67. Minute noch eine der wenigen klaren Chancen, doch Kölns Abwehr stand wie eine Domfassade: stabil, unerschütterlich, leicht einschüchternd. Köln wechselte in der 60. Minute doppelt: Der 18-jährige Duarte da Costa kam für Csernai, und Torwart Patrik Jacob ersetzte den fehlerfreien Jemez. Trainer Toni Tapolski erklärte die Maßnahme mit einem Grinsen: "Ich wollte, dass beide Keeper Spielpraxis kriegen. Wir sind schließlich in der 2. Liga, da darf man noch experimentieren." In der 79. Minute machte Köln dann alles klar. Der 19-jährige Meik Klaus, bis dahin eher unauffällig, vollendete nach feinem Zuspiel von Felipe Perales zum 2:0. Eiskalt, trocken, sachlich - fast so, als würde er beim Kaffeekochen den Knopf drücken. Danach war die Luft raus, Hordel mühte sich noch mit Mathias Stefan in der Nachspielzeit, aber der Schuss in Minute 93 landete dort, wo viele Hoffnungen des Abends endeten: in den Händen des Kölner Keepers. Statistisch gesehen war das Spiel kein Debakel - 7:13 Torschüsse, 44 Prozent Ballbesitz, 47 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Aber die Zahlen erzählen nur die halbe Wahrheit. Köln war cleverer, reifer, effizienter. Hordel kämpfte mit Herz, aber ohne Fortune. "Wir haben uns nicht versteckt", sagte Trainerin Finkeldy trotzig. "Wenn man gegen Köln verliert, ist das keine Schande. Aber wir müssen lernen, wann man lieber flach spielt - und wann man den Ball einfach mal festhält." Toni Tapolski hingegen zeigte sich zufrieden, aber nicht euphorisch: "Das war kein Feuerwerk, aber solide. Wir wollten sicher spielen, keine dummen Ballverluste - und Laursen hat geliefert. Mehr brauchst du manchmal gar nicht." So endete ein Abend, der für Köln drei Punkte und für Hordel immerhin Respekt brachte. Und während die Gästefans noch "Effzeh!" skandierten, stapften die Hordeler Spieler durch den Tunnel - müde, enttäuscht, aber mit dem Blick schon aufs nächste Spiel. Vielleicht, so hofft man in Bochum, regnet’s dann wenigstens Tore statt nur Niesel. Schlusswort? Vielleicht dieses: Fußball kann grausam sein - aber auch gerecht. Und an diesem Freitagabend war er beides, in genau der richtigen Mischung. 22.02.643987 00:06 |
Sprücheklopfer
Zu 50 Prozent stehen wir im Viertelfinale, aber die halbe Miete ist das noch lange nicht!
Rudi Völler