Sport-Blick
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Ein Innenverteidiger trifft, der Favorit schwitzt - Bellinzona und Ascona teilen die Punkte

Promotion League A | 5. Spieltag | 09.07.26 | FC Bellinzona - FC Ascona 1:1

Es war ein lauer Sommerabend in Bellinzona, 20:30 Uhr, 4.500 Zuschauer, die ihre Sonnenbrillen kaum absetzen mussten. Und was sie sahen, war ein Spiel, das alles hatte: frühe Tore, jugendliche Unbekümmertheit, gelbe Karten in Serie - und am Ende das gerechte, aber irgendwie unbefriedigende 1:1 zwischen dem FC Bellinzona und dem FC Ascona am 5. Spieltag der Promotion League A.

Schon nach vier Minuten musste Heimtorwart Richard Duchesne den ersten Ball aus dem Abendhimmel pflücken - ein Schuss des 17-jährigen Alexandre Auclair, der aussah, als wolle er eher Erfahrung sammeln als treffen. Doch Ascona blieb dran, und in der 14. Minute passierte das, was kaum einer erwartet hatte: Innenverteidiger Christophe DeBrosse, gerade einmal 21 und eigentlich für das Stoppen, nicht das Schießen zuständig, traf nach einem Freistoß von Lorenzo Casole Bruzio per Kopf zum 0:1. "Ich wusste gar nicht, dass ich so hoch springen kann", grinste DeBrosse später, noch immer halb ungläubig über seinen Treffer.

Bellinzona, von Trainer Mario Bernardi (der sich nach Abpfiff lautstark darüber beschwerte, dass sein Name in keinem Statistikbogen auftauchte), reagierte prompt. Sieben Minuten später, in der 21. Minute, setzte sich Leon Lehmann auf der linken Seite durch, flankte butterweich in den Strafraum - und Vitorino Baiao verwandelte eiskalt zum 1:1. Ein klassischer Stürmertreffer, obwohl Baiao eher der Typ ist, der sich über Rasenqualität und Ballpumpdruck beschwert. "Leon hat den Ball so serviert, ich musste nur noch höflich nicken", sagte Baiao trocken.

Danach wurde das Spiel zu einem Lehrstück über verpasste Chancen. Bellinzona hatte 60 Prozent Ballbesitz, kombinierte gefällig, aber ohne Durchschlagskraft. Nevio Ruy prüfte Asconas Keeper Marco Ackermann mehrfach (60., 71., 80. Minute), doch der 23-jährige Schlussmann war auf dem Posten. "Ich hatte so viel zu tun, ich überlege, ob ich Eintritt verlangen soll", lachte Ackermann.

Ascona dagegen zeigte, dass Offensive auch mit 39 Prozent Ballbesitz funktionieren kann. Insgesamt zwölf Schüsse aufs Tor, meist über den quirlig jungen Mike Kluge und Loris Degano, die die rechte Seite Bellinzonas zu einem Abenteuerpark umfunktionierten. In der 85. Minute hatte Ben Bachmann sogar den Siegtreffer auf dem Fuß, doch sein Schuss zischte knapp am Pfosten vorbei - begleitet von einem kollektiven Aufstöhnen der mitgereisten Ascona-Fans, die ohnehin schon mehr Sonne als Schatten hatten.

Gelbe Karten gab es auch: Phillipp Sanci und Nevio Ruy sahen früh Gelb (9. und 19. Minute), was Bellinzonas Spielfreude etwas bremste. Auf Asconas Seite erwischte es Bachmann in der 50. Minute - "Ich hab’ doch nur Hallo gesagt", verteidigte er sich nachher halb lachend.

Trainer Rainer Zufall von Ascona - nomen est omen - war nach dem Spiel zufrieden, aber nicht ganz glücklich: "Wir hätten das 2:1 machen müssen. Aber wenn der Innenverteidiger das einzige Tor schießt, ist das vielleicht ein Zeichen Gottes." Bellinzonas Coach Bernardi konterte mit einem sarkastischen Lächeln: "Ein Zeichen? Eher ein Weckruf für meine Stürmer."

Taktisch blieb Bellinzona über 90 Minuten bei seiner balancierten, kontrollierten Linie - viel Ballbesitz, wenig Risiko, kein Pressing. Ascona hingegen spielte, als hätte man ihnen Energydrinks statt Wasser gegeben: offensiv, kurzpass-orientiert, mit starkem Pressing und vollem Einsatz. Besonders in der zweiten Halbzeit drückte Ascona die Gastgeber tief in deren Hälfte, ohne aber die entscheidende Lücke zu finden.

Ein amüsanter Zwischenfall ereignete sich in der 67. Minute, als ein Balljunge kurzzeitig zum Publikumsliebling wurde: Er stoppte einen verirrten Schuss von Lehmann mit der Brust, hob den Ball hoch und klatschte in Richtung der Tribüne - Szenenapplaus inklusive. "Der Junge hat mehr Ballkontakte als unser Mittelfeld in der Phase", murmelte ein Zuschauer hinter mir trocken.

So blieb es beim 1:1 - ein Ergebnis, das Bellinzona auf dem Papier besser aussehen lässt, als es sich anfühlt, und Ascona ein Lächeln schenkt, das sie im Bus nach Hause wohl noch eine Weile tragen werden.

"Unentschieden sind wie lauwarme Bäder", sagte ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions. "Man friert nicht, aber man schwitzt auch nicht." Treffender kann man diesen Abend kaum beschreiben: Ein Spiel mit Tempo, Herz und jugendlicher Frechheit, aber ohne Sieger.

Und vielleicht ist es genau das, was die Promotion League A so sympathisch macht - man weiß nie, ob der Held des Abends ein Stürmer, ein Verteidiger oder der Balljunge ist.

09.07.2026 21:07
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