Anpfiff
+++ Sportzeitung für Deutschland +++

Ein Punkt, der nach Gras schmeckt

Weiler im Allgäu hat am Sonntagabend im Flutlichtspiel des 22. Spieltags der 3. Liga Deutschland (2. Div) gegen den FC Godesberg ein 1:1 erkämpft - und das im wahrsten Sinne des Wortes. 12 500 Zuschauer sahen ein Match, das so viel Schlamm, Schweiß und Theatralik bot, dass man sich zeitweise in einem Shakespeare-Stück wähnte.

Es begann alles, wie es für die Gastgeber nicht beginnen sollte: Noch keine sieben Minuten gespielt, da klingelte es schon hinter Keeper Costica Rotariu. Der Godesberger Jamie Winston hatte gerade die Geduld der Allgäuer Defensive getestet - und bestanden. Nach einem feinen Pass von Jakob Carlsen donnerte der rechte Mittelfeldmann den Ball trocken ins lange Eck. Trainer Mino Raiola trat wütend gegen eine Trinkflasche. "Ich hab gesagt, enger stehen!", brüllte er, während der vierte Offizielle versuchte, die Fontäne aus Isodrink zu ignorieren.

Godesberg, von Tennislegende Rafael Nadal an der Seitenlinie betreut, kontrollierte das Geschehen mit 61 Prozent Ballbesitz. Die Gäste spielten, wie man Nadal kennt: präzise, diszipliniert, mit Topspin auf jedem Pass. Weiler dagegen rannte, grätschte, pumpte - und traf vor allem selten das Tor. Elf Torschüsse am Ende, aber nur einer wollte wirklich rein.

Der kam früh in der zweiten Halbzeit. 47. Minute, Ecke von Claudiu Ungureanu, und Jannick Fritsch, der 21-jährige Mittelstürmer mit der Statur eines Handballers, stieg am höchsten. Kopfball, Tor, Stadionexplosion. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass keiner hinter mir steht", grinste Fritsch später.

Danach war Weiler plötzlich da. Linus Berger prüfte den Keeper in der 65. Minute, Michael Siebert drosch kurz darauf aus 20 Metern vorbei, und der junge Ronald Bertram, gerade eingewechselt, versuchte sich mit jugendlicher Unbekümmertheit an einem Seitfallzieher, der eher an Bodenturnen erinnerte.

Doch Godesberg blieb gefährlich. Rui Barbosa und Bernardo Aguas wirbelten über die Flügel, Volker Lange zog im Mittelfeld die Fäden und schoss gleich dreimal gefährlich - allerdings stets so, dass Rotariu das Leder mit einem theatralischen Hechtsprung für die Galerie abfangen konnte. "Ich wollte einfach mal gut aussehen", witzelte der Torwart nach dem Spiel.

In der 60. Minute holte sich Samuel Lester die gelbe Karte, als er den enteilten Berger mit einem Griff ans Trikot stoppte. "Das war kein Foul, das war Liebe", sagte er grinsend im Kabinengang. Kurz darauf reagierte Raiola mit einem Dreifachwechsel: Born, Meira und Siebert raus, Scherer, Bertram und Linke rein - eine Maßnahme, die zumindest frischen Wind brachte, wenn auch nur in Form von unkontrollierten Flankenläufen.

Taktisch blieb Weiler seiner offensiven Ausrichtung treu, während Godesberg sich auf kontrolliertes Konterspiel verlegte. Die Statistik sprach am Ende für die Gäste: 12 Torschüsse, leicht bessere Zweikampfquote (50,9 Prozent) und den insgesamt strukturierteren Auftritt. Aber Fußballstatistiken sind bekanntlich wie Horoskope - interessant, aber selten zutreffend.

"Wir hätten das zweite Tor machen müssen", seufzte Nadal nach Abpfiff und wischte sich den imaginären Sand von den Schultern. "Aber ich bin stolz auf die Jungs. Wir haben gekämpft bis zum letzten Ballwechsel." Raiola dagegen sah das Unentschieden eher als moralischen Sieg: "Wenn du gegen so eine Mannschaft nach 0:1 zurückkommst, dann hast du Charakter. Und Charakter kann man nicht trainieren, nur anschreien."

Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft mit Applaus, manche mit kalten Händen, andere mit heißen Getränken. Weiler hatte sich nach schwacher erster Halbzeit reingebissen, Godesberg verpasste den Knockout.

Am Ende stand ein 1:1, das beide Trainer als "gerecht, aber unbefriedigend" bezeichneten - und das wohl nur die Neutralen wirklich glücklich machte. Für Weiler fühlt sich der Punkt an wie ein Sieg, für Godesberg wie ein verschossener Matchball.

Oder, wie der alte Platzwart beim Aufräumen murmelte: "War kein schönes Spiel, aber wenigstens haben sie nix kaputt gemacht."

Ein Satz, der in Weiler im Allgäu durchaus als Lob durchgeht.

21.05.643993 22:50
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In der Schule gab's für mich Höhen und Tiefen. Die Höhen waren der Fußball.
Thomas Häßler
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