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Wenn 56.650 Zuschauer im St. Mary’s Stadium an einem kalten Januarabend aufstehen, dann nicht, weil sie frieren. Beim 1:1 zwischen dem FC Southampton und dem FC Millwall wurde es emotional warm - wenn auch weniger wegen spielerischer Glanzlichter als wegen beherzter Zweikämpfe, gelb-roter Dramen und eines jugendlichen Helden namens Billy Benett. Schon in der 12. Minute bebte der Hafen. Leo Broderick, sonst eher als verlässlicher Außenverteidiger bekannt, legte eine butterweiche Flanke in den Strafraum, wo der erst 20-jährige Benett mit links abzog. Der Ball zischte an Freund und Feind vorbei ins Netz. 1:0 - ein Traumstart für die Saints, die zu Beginn mutig pressten und Millwall mit frühem Stören überraschten. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Benett später, "Trainer Böning sagt immer, wer nicht schießt, trifft nie. Heute hatte er wohl recht." Millwall, vom immer lässig wirkenden Sonny Crocket an der Seitenlinie dirigiert, brauchte ein paar Minuten, um sich zu sortieren. Dann aber übernahmen die Londoner die Kontrolle über Ball und Raum - und zwar gründlich. Am Ende stand ein Ballbesitz von fast 66 Prozent und 18 Torschüsse zu Buche, während Southampton mit acht Versuchen eher die Minimalistenrolle wählte. "Wir hätten aus drei Spielen ein Tor machen können", seufzte Crocket nach Abpfiff, "aber wenigstens war’s diesmal das richtige Spiel." Dieses "richtige" Tor fiel kurz nach der Pause. In der 51. Minute kombinierten sich die beiden Lockwood-Brüder - Elliot und Joseph - durch die überforderte rechte Abwehrseite Southamptons. Elliot flankte flach, Joseph vollendete kompromisslos aus acht Metern. 1:1, und die Partie war wieder offen. Was folgte, war kein Leckerbissen, sondern eher ein rustikales Biergarten-Gelage mit Grätschen statt Weißwürsten. Southampton kämpfte, Millwall kombinierte, und irgendwo dazwischen verteilte Schiedsrichter McLeary fleißig Karten. Besonders eifrig sammelte Kai Whitman, der bereits in der 59. Minute Gelb gesehen hatte und in der 68. Minute mit Gelb-Rot vom Platz musste. "Ich hab ihn kaum berührt", verteidigte sich Whitman, während er Richtung Kabine stapfte. Sein Trainer Böning hielt sich das Gesicht: "Kai hat’s wohl mit dem Ausdruckstanz verwechselt." Als wäre das nicht genug Pech, erwischte es auch Torschütze Benett in derselben Minute. Nach einem harten Zweikampf blieb er liegen, musste behandelt und wenig später ausgewechselt werden. Für ihn kam der junge Yannik Olisadebe - ein Debütant, der sichtlich nervös war. "Ich wusste gar nicht, dass die Tribüne so laut sein kann", flüsterte er nach dem Spiel, "ich hab den Ball kaum gehört." Millwall drängte in Überzahl auf den Sieg. Daniel Darabont prüfte Keeper Alberto Mancuso mehrfach, Noah Clancy drosch gleich zweimal aus der zweiten Reihe drauf - doch der Ball wollte einfach nicht rein. Selbst in der Nachspielzeit, als Elliot Lockwood noch einmal Maß nahm, blieb Mancuso standhaft. "Wir haben uns reingeschmissen wie in ein Familienessen bei der Schwiegermutter", witzelte der Torwart, "da gehst du auch nicht ohne Kampf vom Tisch." Statistisch gesehen war die Sache klar: Mehr Ballbesitz, mehr Schüsse, mehr Struktur - Millwall hätte den Sieg verdient gehabt. Doch Fußball ist bekanntlich kein Schönheitswettbewerb. Southampton verteidigte tapfer, lief 20 Minuten in Unterzahl und rettete, was zu retten war. "Ein Punkt mit Charakter", nannte es Böning, "und vielleicht hat uns der liebe Fußballgott heute ein bisschen geholfen." Crocket hingegen fasste es nüchtern zusammen: "Wenn man 18-mal aufs Tor schießt und nur einmal trifft, dann hat man kein Torproblem, sondern ein Zielproblem." So endete ein Spiel, das wohl niemand wegen seiner Eleganz in Erinnerung behalten wird. Aber wegen seiner Geschichten: vom jungen Helden Benett, vom ungestümen Whitman, von zwei Lockwoods, die Brüderliebe in ein Tor verwandelten. Und während die letzten Fans aus dem Stadion trotteten, hörte man einen älteren Herren mit Schal murmeln: "So ist Southampton eben - nie schön, aber selten langweilig." Man könnte meinen, er hätte den Spielbericht schon gelesen. (Etwa 610 Wörter) 27.11.643987 14:05 |
Sprücheklopfer
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