Elfmeter
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Ein Punkt, viele Fragen: Rehden trotzt Aurich ein 1:1 ab

Wenn man aus 14 Torschüssen nur ein Tor macht, dann darf man sich hinterher schon mal ärgern. Genau das tat der SVG Aurich am Montagabend beim 33. Spieltag der Verbandsliga D in Rehden, wo man trotz deutlicher Überlegenheit nicht über ein 1:1 hinauskam. Der BSV Rehden hingegen nahm das Remis mit einem zufriedenen Schulterzucken - und einem erleichterten Torwart - zur Kenntnis.

Vor 3.055 Zuschauern, die an einem lauen Maiabend Bier und Bratwurst in perfekter Synchronität konsumierten, erwischten die Gastgeber den besseren Start. In der 16. Minute war es der flinke Luca Graf, der nach feinem Zuspiel von Peter Ebert die Kugel eiskalt ins lange Eck schlenzte. Die Szene war so mustergültig, dass selbst der Stadionsprecher kurz den Takt verpasste, bevor er mit leicht überschlagener Stimme das 1:0 verkündete. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Graf nach dem Spiel. "Peter hat mich gesehen, ich musste nur noch den Fuß richtig treffen - und das hat erstaunlicherweise geklappt."

Doch wer dachte, Aurich würde nach dem frühen Rückstand in Schockstarre verfallen, sah sich getäuscht. Die Gäste aus Ostfriesland waren von Anfang an das aktivere Team, spielten geduldig, kombinierten gefällig - und schossen, als gäbe es für jeden Versuch eine Prämie. Schon in der dritten Minute prüfte Innenverteidiger Koenraad Wyman den Rehdener Keeper Leon Grossmann mit einem kernigen Distanzschuss. Der hatte offenbar beschlossen, gleich zu Beginn auf Betriebstemperatur zu kommen. "Ich hab den Ball gar nicht richtig gesehen, nur gespürt - und dann hoffentlich gehalten", sagte Grossmann später mit einem Grinsen.

In der 28. Minute war aber auch er machtlos: Der 19-jährige Dylan Veesaert zog von links nach innen, schaute kurz auf und drosch den Ball zum 1:1 unter die Latte. Ein Tor, das man in Aurich wohl noch öfter sehen möchte. "Dylan trainiert so was ständig", erklärte ein sichtlich zufriedener SVG-Coach am Spielfeldrand. "Manchmal landet der Ball auf dem Parkplatz - diesmal eben im Netz."

Danach wurde es ein Spiel auf ein Tor - das von Rehden. Aurichs junge Angriffsreihe um Marvin Mohr (24), David Vladyka (20) und den 17-jährigen Marcel Hoffmann wirbelte, dass den Zuschauern schwindelig wurde. Nur der Ball wollte einfach nicht mehr über die Linie. Mohr hatte allein drei Hundertprozentige, einmal in der 57., einmal in der 59. und dann noch in der 92. Minute, als er freistehend an Grossmann scheiterte. "Ich weiß nicht, ob der Ball einen Magneten im Torwart hatte", stöhnte Mohr nach Abpfiff, "aber irgendwas war da im Busch."

Rehden dagegen beschränkte sich auf das Wesentliche: verteidigen, atmen, und ab und zu mal einen Konter fahren. Von den insgesamt drei Torschüssen der Hausherren kam genau einer gefährlich - der, der drin war. Der Rest war solide Disziplinarbeit mit viel Laufbereitschaft und noch mehr Pragmatismus. Trainer Müller (der an diesem Abend mehr Kilometer an der Seitenlinie machte als mancher Spieler auf dem Platz) zeigte sich entsprechend zufrieden: "Wir wollten kompakt stehen und das Spiel eng halten. Ich sag mal so: Auftrag erfüllt."

Aurichs Trainer hingegen wirkte etwas zerknirscht. "Wir haben das Spiel kontrolliert, 14 Schüsse, über 53 Prozent Ballbesitz - aber Fußball ist leider kein Schönheitswettbewerb. Wenn du das Tor nicht triffst, sieht’s halt blöd aus." Seine Spieler nickten betreten, während ein paar Fans aus Aurich hinter dem Zaun lautstark "Auswärtssieg" forderten - etwas zu spät, aber mit Nachdruck.

Die Schlussphase bot dann noch eine Gelbe Karte für Rehdens Robert Rudolph, der sich in der 68. Minute etwas ungeschickt im Zweikampf anstellte, sowie ein paar hektische Szenen im Rehdener Strafraum. Doch das Netz blieb unberührt, und Schiedsrichter Schenk pfiff pünktlich ab.

Unterm Strich ein gerechtes Unentschieden - zumindest auf dem Papier. In Wahrheit war es wohl eher ein gefühlter Auswärtssieg für Rehden und ein kleiner Rückschlag für Aurich. "Wir hätten heute auch bis Mitternacht spielen können", meinte Aurichs Kapitän Julian Rothe trocken, "und Rehden hätte trotzdem alles weggeköpft."

So bleibt nach 90 intensiven Minuten ein Resultat, das beiden Teams wenig hilft, aber immerhin Gesprächsstoff liefert. Vielleicht erzählt man in Rehden noch lange vom Abend, an dem drei Torschüsse für einen Punkt reichten.

Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen trocken meinte: "Effizienz schlägt Ästhetik - zumindest in der Verbandsliga D."

26.06.644000 12:42
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