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3614 Zuschauer im Homberger Stadion bekamen an diesem kühlen Aprilabend alles geboten, was ein Regionalliga-Spiel so braucht: frühe Tore, fliegende Grätschen, hitzige Trainer und viel, sehr viel Mittelfeldgeplänkel. Am Ende stand ein 1:1 zwischen dem FC Homberg und dem FC Wusterwitz - ein Ergebnis, das beiden irgendwie nicht schmeckte, aber keinem wirklich wehtat. Dabei begann die Partie mit einem Paukenschlag. In der 17. Minute zirkelte Hombergs Flügelflitzer Herbert Lindblom den Ball nach herrlicher Vorarbeit von Klaus Graf ins rechte Eck. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass der Ball nicht im Fangnetz landet", grinste der 20-Jährige später. Trainer Fridolin von Zahn, sonst eher der Typ stoische Schachspieler, riss die Arme hoch und feierte, als ginge es um den Aufstieg. Doch die Euphorie hielt kaum vier Minuten. Werner Runge, Wusterwitz’ laufstarker Mittelfeldmotor, hatte offenbar keine Lust, sich den Abend verderben zu lassen. Nach feinem Zuspiel von Hanns Konrad zog er aus 20 Metern ab - zack, Ausgleich. "Der Ball war so schön, den musste ich einfach heiraten", witzelte Runge hinterher, während Hombergs Torwart Marc Berthier noch ratlos auf den Rasen starrte. Danach nahm das Spiel so richtig Fahrt auf - zumindest, wenn man Laufduelle im Mittelkreis mag. Die Homberger hielten mit 52 Prozent Ballbesitz etwas häufiger den Ball, während Wusterwitz mit 13 Torschüssen deutlich zielstrebiger wirkte. Homberg kam nur auf sieben Abschlüsse, von denen manch einer eher als Pass zum Torwart durchging. In der 55. Minute bewies Wusterwitz-Trainer Tom Fritz ein glückliches Händchen: gleich drei Wechsel auf einmal. Meiser, Witte und Zander kamen - frische Beine, frische Ideen, frische Frisuren. "Wir wollten mehr Druck über die Flügel", erklärte Fritz, "aber der Ball hatte wohl andere Pläne." Immerhin, seine Jungs blieben dran. Besonders Curt Fröhlich, der Name passt, versuchte sich gleich dreimal nacheinander zwischen Minute 58 und 75 - nur Berthier und die Latte hatten etwas dagegen. Homberg antwortete mit beherztem, aber nicht immer zielsicherem Offensivdrang. Rechtsverteidiger Nicola Lombardi mischte vorne mit, als wäre er Flügelstürmer, und Nael Aznar prüfte in der 63. Minute den Wusterwitzer Keeper Ralph Steffens mit einem Schuss, der gefährlich aussah - bis man merkte, dass er am Außennetz landete. Ab der 68. Minute wurde es hitziger: Hombergs Abwehrchef Wilhelm Rudolph sah Gelb, nachdem er den ballführenden Runge kurzerhand in die Werbebande geleitet hatte. "Ich wollte nur den Ball abschirmen", verteidigte er sich mit unschuldigem Lächeln. Fünf Minuten später revanchierte sich Wusterwitz’ Carl Schindler mit einem taktischen Foul - auch Gelb. Das Publikum quittierte beide Karten mit einer Mischung aus Applaus und Gelächter. In der Schlussphase drängten beide Teams noch einmal. Fröhlich scheiterte in der 75. Minute, Witte kurz darauf ebenfalls. Auf der Gegenseite hatte Homberg in der 87. Minute die beste Gelegenheit des zweiten Durchgangs, als Aznar plötzlich frei vor Steffens auftauchte - und dann den Ball so hoch drosch, dass man ihn vermutlich noch über der Bäckerei Meier sah. "Ich wollte sicher gehen, dass er nicht geblockt wird", sagte Aznar und grinste entschuldigend. So blieb es beim 1:1 - leistungsgerecht, aber mit leichtem Wusterwitzer Übergewicht in den Chancen. Trainer von Zahn sprach von einem "ehrlichen Spiel zweier ehrlicher Mannschaften", was man als Kompliment oder als höfliche Umschreibung von Ideenarmut verstehen konnte. Kollege Fritz fasste es pragmatischer: "Wir haben nicht verloren - das ist in dieser Liga schon fast ein Sieg." Statistisch gesehen war Homberg minimal dominanter im Ballbesitz, Wusterwitz effektiver im Zweikampf (52 Prozent gewonnen). Beide Teams spielten offensiv eingestellt, aber so, als hätten sie Angst vor dem eigenen Mut. Als die Flutlichter ausgingen und die letzten Fans noch über die vergebenen Chancen diskutierten, stand Fridolin von Zahn am Spielfeldrand und sah nachdenklich auf den Rasen. "Manchmal", murmelte er zu niemand Bestimmtem, "ist ein Punkt eben auch nur ein Punkt." Und irgendwo in der Kabine summte Werner Runge leise: "Ein Schuss, ein Tor, ein halber Sieg." Vielleicht fasst das den Abend am besten zusammen - ein Spiel ohne Sieger, aber mit reichlich Geschichten für die nächste Trainingswoche. 29.09.643996 17:40 |
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Kriminaltechnisch gesehen ist eine Heimniederlage wie ein Einbruch.
Peter Neururer