Tuttosport
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Ein Remis mit Drama: Varese und Florenz teilen sich die Punkte

Wenn 39.585 Zuschauer an einem lauen Aprilabend im Stadio Ossola sitzen, dann riecht es nach Drama - und genau das bekamen sie zwischen AS Varese und dem SC Florenz am 24. Spieltag der 1. Liga Italien auch serviert. Am Ende stand ein 1:1, das keiner so richtig wollte, aber beide wohl akzeptieren mussten.

"Ich weiß gar nicht, ob ich mich freuen oder ärgern soll", seufzte Florenz-Coach Firenze Unouno nach dem Abpfiff und zupfte an seinem eleganten Mantel. "Wir hatten das Spiel im Griff - bis wir es eben nicht mehr hatten." Damit fasste er die 90 Minuten erstaunlich präzise zusammen.

Denn Florenz begann forsch, fast übermütig. Schon in der ersten Minute prüfte Bruno Vaz Vareses Keeper Toni Sjölund, der in dieser Phase mehr zu tun hatte als ihm lieb war. Florenz hatte insgesamt zehn Abschlüsse aufs Tor, Varese kam auf neun - ein statistisch beinahe romantisches Gleichgewicht. Doch optisch war Florenz zunächst klar tonangebend, 52,8 Prozent Ballbesitz sprechen eine deutliche Sprache.

In der 17. Minute sorgte Vareses Lucas O’Dea für den ersten Farbtupfer - Gelb für ein taktisches Foul, das mehr nach "Ich wollte nur mal Hallo sagen" aussah. Kurz darauf sah auch Florenz’ Patrik Larsson Gelb, nachdem er Vareses Flügelspieler Xabi Barbosa kurzerhand zu Boden begleitete. Der Schiedsrichter hatte früh das Gefühl, dass dieser Abend viel Papier benötigen würde.

Die erste Halbzeit verging torlos, aber nicht ereignislos. Florenz kombinierte gefällig, Varese lauerte - und Trainer Georg Wagner schrie sich an der Seitenlinie die Seele aus dem Leib. "Ich hab gesagt, über die Flügel! Nicht über die Autobahn in der Mitte!", brüllte er in der 34. Minute seinem Mittelfeld zu, nachdem Lucas O’Dea mal wieder den sicheren Querpass wählte.

Nach der Pause dann der Paukenschlag: In der 57. Minute traf Bruno Vaz, der linke Flügelflitzer der Florentiner, nach feiner Vorarbeit von Vladimir Mandzukic. Ein Schuss, trocken, präzise, unhaltbar. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Vaz später. "Und diesmal war der Ball so freundlich, auch reinzugehen."

Varese wankte, fiel aber nicht. Wagner reagierte mit einem Wechsel, brachte in der 70. Minute Andrea Ferrando für den müden Dirck Houghtailing - und was für ein Wechsel das war! Nur zwei Minuten später, in der 72. Minute, zirkelte Ferrando den Ball nach Vorlage von Fabio Cervicati ins lange Eck. Ein Treffer aus dem Lehrbuch für Joker-Tore. "Der Trainer hat gesagt, ich soll einfach Spaß haben", lachte Ferrando. "Also hab ich’s probiert."

Danach wurde das Spiel hitziger. In der 68. Minute hatte Vareses Linksverteidiger Angelo Carlucci Gelb gesehen, und die Emotionen kochten über, als Florenz’ Rene Anderson in der 80. Minute mit Rot vom Platz flog. Ein harter, aber vertretbarer Platzverweis: ein Tritt, der wohl eher für den Boxring gedacht war. "Er wollte nur den Ball treffen", verteidigte ihn Trainer Unouno mit einem ironischen Lächeln. "Leider stand da zufällig ein Gegner."

Varese witterte die Chance, drückte, rannte, kämpfte - und scheiterte immer wieder am glänzend reagierenden Florenz-Keeper Franck Bethune. Erst in der 90. Minute, als Unouno offenbar genug Nerven verloren hatte, wechselte er gleich dreimal: Torwart Bethune raus, Nachwuchskeeper Ivar Lassen rein, dazu die Youngster Gianluca Gallo und Luca Bonifati. "Ich wollte ihnen Spielpraxis geben", sagte Unouno. Kritiker im Presseraum raunten: "Oder einfach nur die Uhr runterlaufen lassen."

Georg Wagner hingegen war nach Abpfiff sichtlich zufrieden: "Wir haben Moral gezeigt. Ein 1:1 gegen Florenz ist kein Weltuntergang - aber auch kein Grund zum Feiern. Ich würde sagen, das war ein gerechtes Unentschieden. Und das sage ich wirklich selten."

Statistisch gesehen war das Ergebnis tatsächlich ausgeglichen: 47,2 Prozent Ballbesitz für Varese, 49,6 Prozent gewonnene Zweikämpfe, neun Torschüsse - und ein Tor. Florenz hatte minimal mehr vom Spiel, aber am Ende ebenso nur einen Treffer. Der Fußballgott hatte offenbar seinen Sinn für Gleichgewicht nicht verloren.

So trennte man sich am Ende mit Applaus und einem leichten Kopfschütteln. Die Zuschauer gingen nach Hause mit dem Gefühl, etwas erlebt zu haben - auch wenn niemand genau wusste, was.

"Es war ein schöner Abend", sagte Vareses Mittelstürmer Joseph Schuster beim Verlassen des Stadions und grinste: "Zumindest bis ich morgen die Laufwerte sehe."

Und so bleibt die Erkenntnis: Wer 90 Minuten lang alles gibt, kann am Ende auch mit einem 1:1 zufrieden sein - solange er sich das schönredet. Florenz verliert zwei Punkte, Varese gewinnt einen - und alle haben was zu erzählen.

Ein Spiel, das keiner vergaß - und das trotzdem so aussah, als könnte es morgen schon wieder genauso enden.

22.10.643996 20:46
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