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Es war ein nasskalter Februarabend an der Mersey, die Flutlichter glitzerten in den Pfützen, und 38.962 Zuschauer wärmten sich mit Tee, Gesängen und gelegentlichem Fluchen - kurz: perfekte Bedingungen für englischen Fußball. Am Ende jubelten aber nur die Fans der Liverpool Reds, die ihr Heimspiel gegen die Ewood Rovers mit 1:0 gewannen. Das Tor des Abends: Ewan Burton in der 74. Minute, nach einem Pass, der so präzise war, dass man sich fragte, ob Thomas Lester heimlich Geodät ist. "Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht", sagte Reds-Trainer Kurt Kaiser nach dem Spiel, und grinste dabei so, als hätte er es genau so erwartet. Schwer gemacht hatten sie es sich tatsächlich: 17 Torschüsse, davon etliche so knapp vorbei, dass man im Stadion mehrfach das Raunen hörte, das nur dann entsteht, wenn 40.000 Kehlen gleichzeitig "Ooooh!" sagen. Schon in der 9. Minute prüfte der junge Luke Greenwald den gegnerischen Keeper Logan Bernard - dessen Handschuhe dürften danach ein kleines bisschen dampfend gewesen sein. Kurz darauf folgte ein Dauerfeuer aus allen Richtungen: Marcedusa, Winston, Burton - alle durften mal. Der Ballbesitz sprach mit 54 Prozent zwar leicht für die Reds, aber wer die erste Halbzeit sah, hatte das Gefühl, dass sie 90 Prozent des Balles und 0 Prozent der Ideen hatten. "Wir wollten ruhig bleiben", erklärte Kaiser, "aber irgendwann war’s eher Schlafwagenfußball." Die Ewood Rovers hielten lange stand, defensiv diszipliniert, beinahe stoisch. Trainer Stephan Trajes hatte sie auf Konter über die Flügel eingestellt - und tatsächlich blitzte das ein paar Mal gefährlich auf. In der 6. Minute schickte Samuel Hoskins den Ball Richtung Tor, aber Reds-Keeper Charlie Leachman pflückte ihn herunter wie ein erfahrener Obstbauer im Herbst. Danach wurde es stiller um die Gäste-Offensive. Nach dem Seitenwechsel blieb das Bild gleich: Liverpool drückte, Ewood verteidigte, und die Fans begannen, sich gegenseitig über ihre Halbzeitpudding-Erfahrungen auszutauschen. Bis Minute 74. Dann passte Lester flach in den Strafraum, Burton kam angerauscht, ein kurzer Haken, ein Schuss - und der Ball zappelte im Netz. 1:0. Der Jubel war ohrenbetäubend, das Bier in der Kurve vibrierte. "Ich hab einfach nur draufgehalten", grinste Burton später. "Endlich mal richtig getroffen. Die letzten Wochen war ich eher Scharfschütze mit Platzpatronen." Die Rovers versuchten, zu reagieren - doch erst kam die Gelbe Karte für den eingewechselten Leon Ross (76.), dann der Platzverweis für Pedro Gama (83.), der sich mit einem rustikalen Tritt in die Vereinsgeschichte eintrug. "Er wollte den Ball treffen", verteidigte ihn Trajes trocken. "Leider war der Ball schon weg." In Unterzahl blieb den Rovers nur noch Schadensbegrenzung. Ein letzter Versuch in der 91. Minute von Ryan MacCallum - und wieder war Leachman da. Die Reds spielten die letzten Sekunden herunter, so ruhig, als hätten sie gerade einen Spaziergang im Park beendet. Statistisch gesehen war es eine klare Angelegenheit: 17:4 Torschüsse, 55,7 Prozent gewonnene Zweikämpfe, und damit ein verdienter Sieg, auch wenn der knappe Spielstand anderes vermuten ließe. "Wir hätten das früher entscheiden müssen", meinte Kaiser, während er seine Kappe zurechtrückte. "Aber ein 1:0 ist auch ein Statement - ein leises, britisch-höfliches Statement." Bei den Rovers herrschte dagegen Frust. "Wir haben gut verteidigt, aber zu wenig Mut gezeigt", gab Kapitän Jose Deco zu, der nach der Pause eingewechselt wurde. "Man kann nicht 90 Minuten nur hoffen, dass es gutgeht. Am Ende ist Fußball kein Wunschkonzert." Die Fans der Reds feierten trotzdem ausgelassen, als wäre es ein 5:0 gewesen. Vielleicht, weil sie spürten, dass dieses Team unter Kaiser langsam wieder das alte Selbstvertrauen findet - und weil Burton endlich das Tor traf, das er schon seit Wochen suchte. Bevor er in die Kabine verschwand, rief Burton noch einem Journalisten zu: "Schreib ruhig, dass ich’s diesmal ernst meine!" Gesagt, getan. Wenn er so weitermacht, könnte das kein leeres Versprechen bleiben. Und so endete ein Abend, an dem Liverpool dominierte, sich aber fast selbst im Weg stand - mit einem verdienten, aber hart erkämpften 1:0. Kein Spektakel, kein Feuerwerk - aber ein Sieg. Und manchmal ist das im englischen Winter alles, was zählt. 22.06.643990 06:43 |
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