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Es war ein Abend, wie man ihn in der Regionalliga B liebt: Flutlicht, Kälte, Bratwurstduft - und 4154 Zuschauer, die zwischen Hoffnung und Hader pendelten. Am Ende trennten sich der 1. FC Gera und der FC Wusterwitz mit einem 1:1, ein Ergebnis, das auf dem Papier gerecht klingt, aber auf dem Rasen doch seine eigene Geschichte erzählte. Die erste Hälfte war ein Festival der fast-Treffer. Wusterwitz begann mutig, wie es sich für eine Mannschaft gehört, die laut Trainer Tom Fritz "nicht nach Gera gefahren ist, um den Bus zu parken". Bereits in der ersten Minute prüfte der 17-jährige Rafael Witte den Geraer Keeper Dani Pizanti - noch ohne Erfolg, aber mit jugendlichem Übermut. Zwei weitere Male durfte Curt Fröhlich, der nominelle Mittelstürmer, aus der Distanz abdrücken, und jedes Mal rauschte der Ball knapp vorbei, als wolle er sagen: "Ich bin gleich soweit." Gera brauchte fast 20 Minuten, um den eigenen Rhythmus zu finden. Dann aber schlich sich Routine ins Spiel: Noah Hiliard und Raphael Geissler kombinierten clever über links, während Hans Freitag auf der rechten Seite aufblühte - mit 34 Jahren und einem Grinsen, das man sonst nur von Pokerprofis kennt. "Ich habe gesagt: Jungs, Geduld. Der Ball kommt schon noch zu mir", witzelte Freitag später in der Mixed Zone. Zur Pause blieb es beim 0:0, und die Fans wärmten sich mit Glühwein und Galgenhumor: "Wenn wir so weiterspielen, wird’s wenigstens ein spannendes Elfmeterschießen - irgendwann im Mai." Kurz nach Wiederbeginn dann das, was man in Gera wohl als "Freitagabend-Moment" in die Vereinschronik einträgt. In der 54. Minute bediente Hiliard seinen Mannschaftskameraden mit einem Pass, wie er in Lehrbüchern beschrieben steht - und Freitag vollendete trocken ins lange Eck. 1:0 für Gera, das Stadion jubelte, die Ersatzbank tanzte Salsa, und Trainer Fritz von Wusterwitz schüttelte nur den Kopf: "So ein alter Fuchs", murmelte er, "der braucht nur eine Chance." Doch Wusterwitz wäre nicht Wusterwitz, wenn sie sich nach einem Rückstand brav ergeben würden. Fritz reagierte sofort mit einem Dreifachwechsel. Unter anderem kam ein weiterer 17-Jähriger: Luca Philipp, zart gebaut, aber mit dem Selbstbewusstsein eines Straßenkickers. Und siehe da - in der 70. Minute war er es, der den Ball nach Vorarbeit des unermüdlichen Curt Fröhlich im Netz versenkte. 1:1! "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Philipp später, "Curt hat mir zugerufen: ’Mach ihn rein, Kleiner!’ - na ja, das ließ ich mir nicht zweimal sagen." Die letzten zwanzig Minuten waren ein wilder Schlagabtausch. Gera, mit etwas mehr Ballbesitz (54 Prozent) und 12 Torschüssen, drängte auf den Sieg. Wusterwitz hielt mit fast identischem Offensivdrang dagegen (11 Schüsse) - und mit einer Gelben Karte für Carl Schindler, der in der 76. Minute offenbar vergessen hatte, dass Trikotziehen kein offizielles Verteidigungsinstrument ist. Die Zuschauer bekamen, was man von einem kalten Januarabend erwarten darf: Spannung, Emotion, und einen Schiedsrichter, der lieber einmal zu viel pfeift als zu wenig. Als der Abpfiff kam, klatschten beide Teams sich ab - müde, aber zufrieden. "Das war ein gerechtes Unentschieden", bilanzierte Gera-Kapitän Benjamin Hennessy. "Aber ein bisschen ärgert’s mich schon - wir hatten’s selbst in der Hand." Trainer Fritz sah das ähnlich, nur mit leichtem Schmunzeln: "Mit 17 ein Tor zu machen - das ist doch schöner als Matheunterricht am Montag." So bleibt nach dem 6. Spieltag ein Gefühl zwischen Stolz und Skepsis. Gera bewies Routine, Wusterwitz jugendliche Unbekümmertheit - und beide zeigten, dass man in der Regionalliga B keinen Schönheitspreis gewinnt, aber jede Menge Geschichten schreibt. Oder, wie ein älterer Fan beim Rausgehen sagte: "Früher ham se mit Lederbällen gespielt, heute mit Statistik. Aber eins bleibt: 1:1 ist immer zu wenig, wenn man führen konnte." Ein Satz, den wohl beide Trainer unterschreiben würden - auch wenn sie’s offiziell nie zugeben. 18.03.643987 00:05 |
Sprücheklopfer
Luciano ist kein Brasilianer, er ist ein Athlet.
Berti Vogts