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Ein Tor genügt: Sevilla siegt effizient, Lanzarote verzweifelt an sich selbst

Es gibt Fußballabende, an denen man sich fragt, warum der Ball einfach nicht ins Tor will. Der 34. Spieltag der spanischen Liga auf Lanzarote war einer davon. 32.555 Zuschauer erlebten ein Spiel, das Lanzarote CF dominierte wie ein Stier den Stierkampf - nur um am Ende selbst auf den Hörnern zu landen. 0:1 hieß es nach 90 intensiven Minuten gegen den SC Sevilla, der mit fünf Torschüssen mehr Ertrag erzielte als Lanzarote mit deren 18.

"Wir haben alles versucht, sogar Klaus Müller hat geschossen - und das sagt alles", knurrte Trainer Meister Leverkusen nach Abpfiff. Der junge Linksverteidiger Müller hatte bereits in der zweiten Minute den Torreigen eröffnet - allerdings nur den der vergebenen Chancen. Lanzarote stürmte, kombinierte, drängte. Sevilla dagegen stand tief, spielte mit der Geduld einer Zen-Mönchsschule und wartete auf den einen Moment.

Der kam in der 22. Minute: Ruben Gutierrez, der flinke Linksaußen der Andalusier, schob den Ball in den Lauf von Isaac Kelly - und der traf trocken ins linke Eck. 1:0 für Sevilla, das erste, letzte und einzige Tor des Abends. Lanzarotes Keeper Vincent Maurice sah den Ball spät und ärgerte sich später: "Ich hab ihn kommen sehen, aber der Schuss war so präzise - wahrscheinlich hätte nicht mal eine Katze das Ding geschnappt."

Von da an spielte nur noch Lanzarote. Freddie O’Shea, der irische Mittelfeldmotor, drosch aus allen Lagen. Enrique Penas versuchte es gleich dreimal in der ersten Halbzeit, Marcio Galisteo scheiterte im Minutentakt. Doch Sevillas Torhüter Stef Geldmeyer hatte offenbar beschlossen, an diesem Abend unüberwindbar zu sein. "Ich wollte eigentlich nichts Besonderes machen", sagte der Keeper mit einem Grinsen, "aber die haben mich ja dauerbeschossen. Da bleibt man warm."

Zur Pause zeigte die Statistik ein klares Bild: 59 Prozent Ballbesitz für Lanzarote, acht Torschüsse zu drei - aber eben null Tore. Trainer Leverkusen brüllte in der Kabine angeblich: "Wenn wir schon Chancen in Eimern haben, dann schöpft wenigstens einen rein!" Seine Mannschaft nahm sich das zu Herzen - oder zumindest das mit den Eimern, denn auch im zweiten Durchgang schütteten sie Gelegenheit um Gelegenheit über Sevilla aus.

In der 64. Minute sah Innenverteidiger Elmo Van Keuren Gelb, nachdem er bei einem Konter Bernardo Moreno entschlossen, aber etwas zu rustikal stoppte. "Ich hab nur den Ball gespielt", verteidigte er sich später - und fügte nach kurzem Nachdenken hinzu: "Na gut, vielleicht auch ein bisschen das Bein."

Sevilla blieb ruhig, fast stoisch, und lauerte weiter. Bernardo Moreno hatte in der 66. Minute die Chance zum 2:0, verzog aber knapp. Danach wurde es hitzig: In der 91. Minute sah Joseba Prieto nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot. Trainer Hugo Der Geist winkte ab: "Joseba ist jung, der denkt manchmal, Gelb ist eine Einladung zur Wiederholung."

Lanzarote nutzte die Überzahl in der Nachspielzeit für zwei letzte Verzweiflungsschüsse. Erst Klaus Müller in der 90. Minute, dann Alfred Detari in der 92. Beide Male rauschte der Ball haarscharf vorbei, begleitet von kollektiven Haareraufen auf den Rängen.

"Das war wie ein schlechter Witz", seufzte Stürmer Pierre Bisson nach dem Schlusspfiff. "Wir spielen die schönste Partie der Saison und verlieren, weil einer von denen einmal aufs Tor schießt. Fußball ist gemein."

Trainer Leverkusen nahm es mit Galgenhumor: "Wir wollten offensiv spielen, haben offensiv gespielt - vielleicht zu offensiv, wenn man bedenkt, wer bei uns alles geschossen hat. Nächste Woche üben wir dann das Toreschießen, nicht das Torschießen."

Sevilla dagegen nahm die drei Punkte mit einem Lächeln und ohne Schrammen. Trainer Hugo Der Geist fasste es trocken zusammen: "Manchmal reicht ein Tor. Heute war so ein Tag."

Und für Lanzarote? Man kann ihnen kaum einen Vorwurf machen - außer vielleicht, dass sie vergessen haben, dass Tore zählen, nicht Ballbesitz. 59 Prozent Kontrolle, 18 Schüsse, kein Treffer: eine bittere Bilanz. Aber wer weiß - vielleicht war das Spiel der Start einer neuen Klubphilosophie: Schönheit ohne Ergebnis.

"Wenn’s nach uns ginge, hätten wir 3:1 gewonnen", meinte O’Shea zum Schluss und grinste. "Nur blöd, dass der Fußballverband andere Regeln hat."

Ein Satz, der diesen Abend auf Lanzarote wohl am besten zusammenfasst.

25.04.643990 09:03
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