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Was lange währt, wird endlich ein Tor - so könnte das Motto dieses zähen, aber letztlich erfolgreichen Fußballabends in Cuenca lauten. Vor 28.733 Zuschauern im Estadio Alejandro Serrano Aguilar gewann Expreso Cuenca am Sonntagabend sein Heimspiel gegen CD Manta mit 1:0 (0:0). Das klingt knapp, war aber in Wahrheit ein Spiel, das nur eine Mannschaft wirklich spielte - und eine andere, die mit dem Ball offenbar nichts anzufangen wusste. Wer in der Statistik blättert, erkennt das Kräfteverhältnis sofort: 22 Torschüsse zu 1, 61 Prozent Ballbesitz für Cuenca, und eine Tacklingquote, die selbst den Rasen müde machte. Doch der Ball wollte einfach nicht ins Tor - bis Oliver Stanton in der 79. Minute endlich das tat, was seine Kollegen zuvor 21 Mal vergeblich versucht hatten: treffen. "Ich hab’ mir selbst gesagt: Wenn der jetzt nicht reingeht, schieße ich nie wieder", lachte der englische Mittelstürmer nach dem Spiel in die Mikrofone. "Zum Glück hat er’s sich anders überlegt und ist brav ins Eck gerollt." Das Spiel begann, wie es endete - mit einer Angriffswelle nach der anderen. Schon in der 2. Minute prüfte Francisco Chalana den Manta-Keeper Julian Eximenonis, der an diesem Abend zwischen Genie und Wahnsinn pendelte. Ingo Carracedo versuchte es kurz darauf dreimal in Folge, als wolle er beweisen, dass man auch mit jugendlicher Unbekümmertheit Löcher in die Luft schießen kann. "Ingo hat’s ein bisschen übertrieben mit dem Selbstvertrauen", grinste Trainer Dierk Nordi später. "Aber lieber so als gar nichts." CD Manta hingegen? Nun ja, wer sich fragt, ob man mit einem einzigen Torschuss in 90 Minuten ein Spiel gewinnen kann, bekam hier die Antwort: nein. Der einzige Versuch auf das Tor kam in der 21. Minute von Knud Braun - ein Verzweiflungsschuss, der mehr an einen Rückpass erinnerte als an eine Torchance. Danach stellte Manta das Offensivspiel praktisch ein. Im Mittelfeld kurbelte Cuenca weiter, als gäbe es für Ballbesitz Punkte zu gewinnen. Sergio Rueda und Logan Latham liefen unermüdlich, Vincent Gil flankte mit der Präzision eines Uhrmachers - nur der Torjubel blieb aus. In der Pause sah man Trainer Nordi gestikulierend an der Seitenlinie, wie er seinen Spielern offenbar erklärte, dass Fußball mit Toren entschieden wird. Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig. Chalana scheiterte mehrfach, Stanton köpfte drüber, und selbst Linksverteidiger Ivan Antunez durfte sich in die Schussstatistik eintragen - allerdings ohne Fortune. Als Nordi in der 61. Minute den jungen Jose Maria Estevez vom Platz nahm und Diego de Almeida brachte, wirkte es fast wie ein Zeichen: hinten alles sicher, vorne hilft nur noch beten. Und dann, als die Zuschauer schon begannen, sich über die Qualität der Stadionwürste zu unterhalten, kam die 79. Minute. Stanton, bis dahin eher tragischer Held, nahm einen abgefälschten Ball direkt und versenkte ihn flach im rechten Eck. Das Stadion explodierte - fast erleichtert, weniger euphorisch. "Ich hab’ nur den Knall gehört und dann Oliver unter einem Haufen Mitspieler gesehen", erinnerte sich Kapitän Meireles später. "Das war mehr Erlösung als Jubel." In den letzten Minuten versuchte Cuenca, das Spiel ruhig nach Hause zu bringen - was angesichts der fehlenden Gegenwehr von Manta kein Problem darstellte. Der Gast wirkte, als hätte er sich mit dem Ergebnis schon kurz nach Anpfiff abgefunden. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte Mantas Trainer mit unbewegter Miene. "Das hat zeitweise funktioniert." Am Ende stand auf der Anzeigetafel ein 1:0, das deutlicher war, als es klingt. 22:1 Torschüsse sprechen für sich, ebenso die 61 Prozent Ballbesitz. Und doch hätte Expreso Cuenca beinahe wieder das alte Problem gehabt: Chancen über Chancen, aber keiner, der sie nutzt. Trainer Nordi nahm’s mit Humor: "Ich sag immer, wir spielen lieber schön als effizient. Heute war’s wenigstens halb schön." Oliver Stanton indes hatte das letzte Wort, als er im Kabinengang mit einem Augenzwinkern meinte: "Wenn ich nächste Woche wieder treffe, darf ich dann endlich die Freistöße schießen?" Ein Tor, drei Punkte, und eine Mannschaft, die sich fürs nächste Mal eines merken sollte: Man kann ein Spiel dominieren - aber ohne Tore bleibt’s nur Statistik. Doch an diesem Abend in Cuenca hat wenigstens einmal beides zusammengepasst. 22.06.643990 01:20 |
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Die Sanitäter haben mir sofort eine Invasion gelegt.
Fritz Walter Junior