Elfmeter
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Eintracht Northeim dreht das Spiel - Flensburg verzweifelt an der Effizienz

Wenn Fußball ein Geduldsspiel wäre, dann hätte Weiche Flensburg an diesem lauen Sommerabend wohl gewonnen. Aber Fußball ist bekanntlich ein Spiel der Tore - und davon schoss Eintracht Northeim einfach eins mehr. 2897 Zuschauer im Flensburger Stadion sahen beim 1:2 (0:0) am 19. Spieltag der Verbandsliga D eine Partie, die von der Dramaturgie her fast schon Drehbuchqualität hatte: viel Aufwand, ein paar gelbe Karten, ein Torjubel, der kaum verhallt war, und dann der Stich ins Herz in Minute 80.

Die erste Halbzeit begann, wie sie in den Geschichtsbüchern wohl nie auftauchen wird: engagiert, aber torlos. Northeim spielte offensiv, flankte, schoss - allein der Ball wollte nicht rein. Thomas McGowan prüfte schon in der vierten Minute Weiche-Keeper Ronald Brand, der mit einer Flugeinlage Marke "Sportschau-Intro" abwehrte. Flensburg hielt dagegen, Joel Henning sorgte in der sechsten Minute für den ersten Applaus von der Tribüne. Doch mehr als ein "Ui!" war nicht drin. "Da war viel Bewegung, aber wenig Zielwasser", kommentierte ein Zuschauer trocken in der Pause, während er an seinem Bier nippte.

Beide Mannschaften hielten sich an ihre taktischen Drehbücher: Flensburg, wie immer unter Trainer Mertens, mit ausgewogenem, kontrolliertem Spielaufbau - kein Pressing, kein Risiko. Northeim dagegen mit Vollgas über die Flügel, aggressiv, aber nie unfair. Erst in der 82. Minute sah McGowan Gelb - vermutlich, weil der Schiedsrichter sich daran erinnerte, dass er die Karte ja auch noch dabeihatte.

In Halbzeit zwei nahm das Spiel dann endlich Fahrt auf. 58. Minute: Flensburg jubelt! Jörg Esser, der linke Mittelfeldmotor, zündet den Turbo, zieht von außen nach innen und trifft nach Vorarbeit von Lukas Buchholz platziert ins lange Eck. 1:0 - endlich! Das Stadion erwacht, die Ersatzbank springt auf. "Ich dachte, jetzt läuft’s", erklärte Esser nach dem Spiel mit einem bitteren Grinsen. Zwei Minuten später lief allerdings etwas - nur leider in die andere Richtung.

Denn Northeim antwortete sofort: Janis Hofmann, 21 Jahre jung, eiskalt wie ein alter Hase. Nach einem cleveren Zuspiel von Liam Krause schiebt er den Ball überlegt an Brand vorbei zum 1:1 (60.). "Da haben wir gezeigt, dass wir nicht zum Kaffeetrinken hier sind", lachte Northeims Trainer Tim Picke später. Flensburgs Defensive wirkte in dieser Szene wie auf Standbild gestellt - vielleicht war es die Überraschung, vielleicht die Sonne im Gesicht.

Das Spiel blieb offen, Chancen auf beiden Seiten, aber Northeim hatte mehr Zug. 14 Torschüsse insgesamt, während Flensburg bei neun blieb. Und obwohl die Hausherren mit 51,9 Prozent Ballbesitz leicht die Oberhand behielten, waren die entscheidenden Szenen den Gästen vorbehalten. Während Flensburgs Trainer in der 70. Minute lautstark an der Seitenlinie "Ruhiger aufbauen!" forderte, war Northeim längst auf Beutezug.

Dann kam die 80. Minute - und mit ihr der Moment, in dem man in Flensburg kollektiv den Atem anhielt. McGowan, eben noch Gelbsünder, setzte auf der rechten Seite nach, flankte scharf und präzise in die Mitte. Liam Krause rauschte heran, nahm den Ball volley - 1:2! Der Torjubel der Gäste war so laut, dass man ihn vermutlich noch bis Schleswig hörte. Krause riss die Arme hoch, McGowan grinste spitzbübisch. "Ich wollte eigentlich flanken", sagte der Vorlagengeber später augenzwinkernd.

Flensburg warf in den letzten Minuten noch einmal alles nach vorn, inklusive Torwart Brand, der bei einer Ecke in der Nachspielzeit im gegnerischen Strafraum auftauchte - vergeblich. Hartmut Fuchs versuchte es in der 90. Minute noch einmal mit einem satten Schuss, doch Northeims Keeper Justin Schultz lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte. Es war der letzte Akt eines Spiels, das Flensburg noch lange beschäftigen dürfte.

"Wir waren nicht schlechter, nur ungeschickter", fasste Lukas Buchholz zusammen. Und vielleicht ist das die treffendste Analyse des Abends: Weiche spielte gefällig, aber Northeim spielte entschlossener.

Eintracht Northeim nimmt mit diesem Sieg drei wichtige Punkte mit und bleibt in der Offensive gefährlich wie eine Hornisse im Strafraum. Flensburg dagegen darf sich erneut fragen, wie man mit mehr Ballbesitz und weniger Toren glücklich wird.

Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Schön gespielt, aber Fußball ist halt kein Schönheitswettbewerb."

27.05.644003 09:16
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Che Guevara war ein Rebell, ein Kämpfer für sein Land. Das will ich auch sein. Ich will den Schwachen helfen. Das ist im Fußball genauso, da muss man den schwachen Gegner auch aufbauen. Das ist so eine eigene Logik von mir, dazu will ich gar nicht viel sagen.
Torsten Legat zu seiner Che Guevara-Tätowierung
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