Elfmeter
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Eintracht Northeim dreht das Spiel - Wilhelm schießt Lohberg in Unterzahl ab

2599 Zuschauer im Northeimer Gustav-Wegner-Stadion sahen an diesem milden Dienstagabend ein Spiel, das alles bot, was die Verbandsliga D zu bieten hat: Tempo, Drama, einen Platzverweis und einen Stürmer, der mit 37 Jahren noch einmal zur Legende wurde. Am Ende gewann Eintracht Northeim mit 2:1 (0:1) gegen den VfB Lohberg - und das nach einem Pausenrückstand.

Die Gäste aus Lohberg begannen abgeklärt, ja fast abgebrüht. Während Northeim noch suchte, ob die Flutlichtanlage vielleicht zu grell eingestellt war, zirkelte Niclas Meister in der 27. Minute den Ball überlegt ins lange Eck. Der Pass kam - wer hätte das gedacht - vom Innenverteidiger Benjamin Born, der offenbar kurzzeitig vergessen hatte, dass er eigentlich hinten gebraucht wird. "Da stand ich halt mal vorne rum", grinste Born später, "und Niclas macht’s halt eiskalt. So wollten wir das."

Zur Pause führte Lohberg verdient. Sie hatten mehr Ballbesitz (52,7 Prozent) und wirkten reifer, auch wenn Northeim immerhin auf 14 zu 11 Torschüsse kam - ein Beleg dafür, dass es an Einsatz nicht mangelte, eher an Präzision. Trainer Tim Picke verschwand in der Kabine mit grimmiger Miene, und wer genau hinhörte, konnte von draußen durch die Betonwand ein donnerndes "Wollt ihr’s eigentlich gar nicht?" vernehmen.

Was auch immer Picke gesagt hatte - es muss gewirkt haben. Nur vier Minuten nach Wiederbeginn kam der Moment des Louis Wilhelm. Zweimal, innerhalb von nur zwei Minuten (49. und 51.), versenkte der 37-Jährige den Ball im Tor. Beide Male nach Zuspiel des jungen Janis Hofmann, 20 Jahre alt, der das Spiel seines Lebens machte - bis zur 64. Minute, als er nach einem Zweikampf verletzt ausgewechselt werden musste. "Ich hab’ Louis einfach gesehen und gedacht: Der alte Mann will noch mal glänzen", lachte Hofmann später mit bandagiertem Knie.

Wilhelm selbst nahm’s gewohnt trocken: "Ich hab’ einfach gemacht, was ich schon immer mache - den Ball reinhauen. Und dann hoffen, dass keiner merkt, dass ich eigentlich keine Luft mehr habe."

Lohberg, nun unter Schock, verlor den Faden - und schließlich auch einen Mann. In der 80. Minute sah Rechtsverteidiger Marvin Lemke Gelb, kurz darauf in der 81. Minute traf es ausgerechnet Torschütze Niclas Meister mit Rot. Ein ungestümes Nachtreten, das der Schiedsrichter als "übermotiviert" bezeichnete. Meister stapfte kommentarlos vom Platz, Born rief ihm noch hinterher: "Ich bleib dann wohl lieber hinten, ja?"

Trotz Unterzahl stemmte sich Lohberg gegen die Niederlage. Nevio Ulrich hatte in der 85. Minute noch den Ausgleich auf dem Fuß, scheiterte aber am glänzend reagierenden Northeimer Keeper Justin Schultz, der sich nach der Partie bescheiden gab: "Ich hatte einfach das Gefühl, der schießt mir den Ball in die Hände. Und das hat er dann auch gemacht."

Statistisch war die Partie ein Musterbeispiel für Effizienz: Northeim brauchte 14 Torschüsse für zwei Treffer, Lohberg 11 für einen. Die Eintracht gewann außerdem knapp die Zweikampfquote (51,3 Prozent) - kleine Zahlen, große Wirkung.

Taktisch blieb Northeim, wie schon im bisherigen Saisonverlauf, kompromisslos offensiv. "Wir spielen immer nach vorne, auch wenn’s weh tut", sagte Trainer Picke. "Und heute hat’s halt dem Gegner weh getan." Lohberg-Coach - der Name blieb an diesem Abend ungenannt, vielleicht wollte er’s so - kommentierte das Ganze mit einem müden Kopfschütteln: "Zwei Minuten Tiefschlaf, das darf in dieser Liga einfach nicht passieren. Und dann diese Karte… da war das Drehbuch schon geschrieben."

Als Schiedsrichterin Pfeifer nach 94 Minuten abpfiff, tanzten die Northeimer Jungs ausgelassen an der Eckfahne. Wilhelm bekam eine Umarmung von jedem, selbst vom Zeugwart. "Der Alte hat’s wieder gerichtet!" rief jemand von der Tribüne, und der Rest des Stadions stimmte ein.

Fazit: Eintracht Northeim zeigt Moral, dreht ein schwieriges Spiel und hat mit Louis Wilhelm den Mann des Abends. Lohberg dagegen fährt mit leeren Händen, aber reichlich Gesprächsstoff zurück. Und wer wissen will, was Erfahrung im Fußball wert ist, der sollte sich einfach die 49. und 51. Minute dieses Spiels noch einmal ansehen.

Oder, um es mit Wilhelm zu sagen: "Manchmal reicht ein bisschen Instinkt - und eine gute Portion Kaffee vor dem Anpfiff."

27.01.644000 22:53
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