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Es war einer dieser Abende, an denen die Flutlichtmasten über dem Gustav-Wegner-Stadion heller brannten als die Hoffnungen der Gäste. Eintracht Northeim gewann am 31. Spieltag der Verbandsliga D mit 5:2 gegen den TSV Crailsheim - und das mit einer Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit und kaltschnäuziger Effektivität, die sogar Trainer Tim Picke kurz sprachlos machte. "Ich wusste, dass die Jungs gut drauf sind", grinste der Coach nach dem Spiel, "aber dass sie gleich fünf Dinger machen, das hätten selbst die Eltern auf der Tribüne nicht geglaubt." Dabei begann der Abend für die rund 2.700 Zuschauer denkbar ungemütlich. Kaum hatte Schiedsrichter Lemke angepfiffen, zappelte der Ball schon im Netz der Northeimer. Crailsheims Linksverteidiger Bernt Vetter (!) hatte sich ein Herz gefasst und nach gerade einmal 60 Sekunden den Ball aus spitzem Winkel unter die Latte gedroschen - 0:1. Sein Mitspieler Richard Jakob, der die Vorlage gegeben hatte, rannte jubelnd zum Mittelkreis und brüllte: "So einfach ist das!" - ein Satz, der sich später als fataler Irrtum herausstellen sollte. Denn Northeim brauchte nur eine knappe Viertelstunde, um die Partie auf links zu drehen. In der 14. Minute traf Bernd Bader nach feinem Zuspiel von Max Bartsch zum Ausgleich, zwei Minuten später schlug Crailsheims Youngster Wilhelm Reinhardt zurück - 1:2. Doch kaum hatte der Stadionsprecher das Tor verkündet, klingelte es wieder im TSV-Gehäuse: Jay Burton, der quirligste Rechtsaußen nördlich der Leine, netzte doppelt - in der 17. und 18. Minute, jeweils nach mustergültiger Vorarbeit von, richtig geraten, Max Bartsch. "Ich hab’ einfach gedacht, ich geb’ dem Ball mal wieder eine Chance", witzelte Burton später. Mit 3:2 ging es in die Pause, und während Crailsheims Trainer in der Kabine lautstark versuchte, Ordnung in die Defensive zu brüllen, nuckelten die Northeimer Spieler offenbar an einer Zaubertrankflasche. Denn nach dem Seitenwechsel ließen sie keinen Zweifel, wer hier das Kommando hatte. Zwar besaß Crailsheim mit 50,3 Prozent minimal mehr Ballbesitz, doch Northeim war das egal - 14 Schüsse aufs Tor sprechen eine deutlichere Sprache als jede Statistik. In der 72. Minute belohnte sich Innenverteidiger Maximilian Krueger für eine bärenstarke Partie. Nach einer Ecke von Jungspund Swen Franz stieg er am höchsten und wuchtete das Leder per Kopf ins Netz - 4:2. Crailsheims Torwart Marko Hagen schaute dem Ball nur hinterher, als wolle er ihn noch auf seiner Flugbahn verabschieden. "Ich hab ihn kommen sehen, aber dann war er schon wieder weg", seufzte der Keeper später. Das Sahnehäubchen setzte schließlich der 17-jährige Swen Franz selbst in der Nachspielzeit. Nach einem Konter über den überragenden Jay Burton legte dieser klug quer, und Franz schob eiskalt zum 5:2-Endstand ein. Der Stadionsprecher überschlug sich fast, und auf der Trainerbank der Eintracht wurde gejubelt, als ginge es um die Meisterschaft. Tim Picke faßte es trocken zusammen: "Wenn der Swen so weitermacht, muss ich bald Eintritt zahlen, um ihn spielen zu sehen." Crailsheim hingegen verabschiedete sich mit zwei späten Gelben Karten - Heinrich Kessler (86.) und Benyamin Kramer (90.) - und noch schwereren Beinen. "Wir waren eigentlich gar nicht so schlecht", meinte Kramer nach Abpfiff, "aber Northeim hatte einfach mehr Lust auf Tore." Lust - das ist wohl das richtige Wort. Man merkte der Eintracht an diesem Abend an, dass sie Fußball nicht arbeitet, sondern feiert. Dass die Northeimer mit 53 Prozent gewonnenen Zweikämpfen und einer Offensivtaktik, die man nur als "Dauerfeuer" beschreiben kann, am Ende klar die Oberhand behielten, passte ins Bild. Crailsheim blieb taktisch zu brav, zu ausgeglichen - und wurde dafür bestraft. Als die Scheinwerfer langsam heruntergedimmt wurden, standen noch ein paar Kinder auf dem Rasen, kickten improvisiert mit einem Plastikbecher und riefen: "Ich bin Swen Franz!" Ein besseres Kompliment konnte es für die Eintracht an diesem Abend kaum geben. Und wer weiß - vielleicht wird man in Northeim irgendwann sagen: Es war das Spiel, an dem aus Talenten Helden wurden. Oder, wie es ein älterer Fan beim Hinausgehen formulierte: "So muss Fußball aussehen - fünf Tore, kaltes Bier, und der Nachbar aus Crailsheim schmollt." 03.06.644000 15:43 |
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Ich brauche Spieler, die auf dem Platz die Rute raus holen.
Matthias Sammer