Elfmeter
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Eintracht Northeim fegt HSC Hannover mit 4:0 vom Platz - Flügelspiel deluxe!

Wenn man an einem lauen Juniabend in Northeim Fußball sehen wollte, bekam man am 8. Spieltag der Verbandsliga D gleich das Komplettpaket: vier Tore, 23 Torschüsse, Flanken am Fließband - und ein Hauch von jugendlicher Unbekümmertheit, der das Publikum auf den Rängen in Stimmung brachte. 2726 Zuschauer sahen, wie Eintracht Northeim den HSC Hannover über 90 Minuten dominierte und mit einem 4:0-Sieg mehr als nur ein Ausrufezeichen setzte.

Von Beginn an brannte die Elf von Trainer Tim Picke ein Offensivfeuerwerk ab. Schon in der zweiten Minute prüfte der 18-jährige Swen Franz den HSC-Keeper Niklas Bartsch mit einem wuchtigen Schuss - eine erste Kostprobe dessen, was folgen sollte. "Wir wollten zeigen, dass wir zu Hause nicht nur Bälle hin- und herschieben", grinste Picke nach dem Spiel, "sondern dass wir Tore machen können. Und das haben die Jungs heute eindrucksvoll getan."

Das 1:0 fiel dann in der 18. Minute: Franz, der jüngste auf dem Platz, verwertete eine butterweiche Flanke von Jens Kolb. "Ich hab gar nicht groß nachgedacht", sagte Franz später schüchtern ins Mikrofon. "Ich hab einfach draufgehalten - und diesmal ist er reingegangen." Ein Satz, der vermutlich auf einem T-Shirt landen wird, sollte der Teenager weiter so treffen.

Nur vier Minuten später klingelte es wieder. Diesmal war es Max Bartsch, der nach Vorarbeit von Christopher Sommer den Ball humorlos unter die Latte hämmerte. 2:0 - und HSC Hannover hatte zu diesem Zeitpunkt ungefähr so viel Zugriff auf das Spiel wie ein Tourist auf ein WLAN ohne Passwort.

Die Gäste aus Hannover wirkten überfordert, hielten sich aber diszipliniert an ihren Plan: "Wir wollten kompakt stehen und über die Mitte kommen", erklärte Trainer Jens Müller (der Mann an der Seitenlinie wirkte, als hätte er lieber einen Regenschirm als eine Taktiktafel in der Hand). Doch gegen die Flügelstürmer Nordheims - Kolb rechts, Franz links - half kein Kompaktstehen der Welt.

Zur Halbzeit stand es 2:0, und die Statistiken sprachen Bände: 13:1 Torschüsse, 60 Prozent Ballbesitz, und ein Publikum, das schon "Zugabe!" rief, als die Teams in die Kabine gingen.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig - außer dass Northeim jetzt noch zielstrebiger agierte. In der 52. Minute durfte sich auch Jens Kolb in die Torschützenliste eintragen. Der 21-Jährige vollendete eine Kombination über Max Bartsch, der zuvor elegant zwei Gegenspieler ins Leere laufen ließ. "Max hat mir den Ball auf dem Silbertablett serviert", schwärmte Kolb. "Ich musste nur noch den Fuß hinhalten - das war fast unhöflich, ihn nicht reinzumachen."

Hannover versuchte, irgendwie gegenzuhalten. Doch statt Chancen gab’s Gelb: Linksverteidiger Eduardo de Almeida sah in der 34. Minute den Karton für ein rustikales Einsteigen, das man wohlwollend als "emotional engagiert" bezeichnen konnte. Später humpelte Stürmer Maurice Michael verletzt vom Platz - eine Szene, die selbst die Northeimer Fans mit Applaus begleiteten.

In der Schlussphase krönte Max Bartsch seine Leistung mit seinem zweiten Treffer (81.). Wieder war Kolb beteiligt - das Duo agierte an diesem Abend wie aus einem Guss. "Wir verstehen uns blind", sagte Bartsch, "manchmal sogar besser als meine Freundin und ich." Ein Satz, der in der Kabine noch für Gelächter sorgte.

Während Northeim weiter nach vorne stürmte und sogar Linksverteidiger Heinrich Böhm in der Nachspielzeit noch einen Schuss abgab, schien der HSC längst nur noch auf das Ende zu warten. 93. Minute, Schlusspfiff - 4:0, und niemand im Stadion hatte Zweifel, dass dieses Ergebnis schmeichelhaft für die Gäste war.

Trainer Picke wirkte zufrieden, aber nicht übermütig: "Wir bleiben bescheiden. Aber wenn man so spielt, darf man auch mal stolz sein." Sein Gegenüber aus Hannover fasste den Abend mit einem müden Lächeln zusammen: "Manchmal ist Fußball einfach - der Bessere gewinnt. Heute war das sehr, sehr offensichtlich."

Mit diesem Sieg klettert Eintracht Northeim weiter nach oben und schickt gleichzeitig eine klare Botschaft an die Liga: Wer sie unterschätzt, riskiert eine Lektion in Flügelspiel, Tempo und Spielfreude. Und wenn der 18-jährige Swen Franz so weitermacht, könnte man bald sagen: Hier wächst was heran - und zwar ziemlich schnell.

Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne nach dem vierten Tor trocken bemerkte: "Das war kein Spiel - das war Unterricht."

17.01.644003 19:30
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Andreas Möller
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