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Ein Freitagabend unter Flutlicht, 1708 Zuschauer im Gustav‑Wegner‑Stadion, fröstelnde Finger - und eine Eintracht Northeim, die sich warm spielte. Am 14. Spieltag der Landesliga 8 besiegten die Northeimer das Team aus Emmendorf mit 2:0 (0:0) und lieferten dabei eine Mischung aus jugendlichem Übermut, taktischer Disziplin und einer Prise Chaos, wie sie nur im Amateurfußball so herrlich möglich ist. Trainer Tim Picke hatte seine Elf offensiv eingestellt - über die Flügel, versteht sich. Schon in der dritten Minute prüfte der 17‑jährige Helmut Wurst den Emmendorfer Torhüter Noah Falk. Wurst - Name wie vom Metzger, Füße wie vom Künstler - sollte an diesem Abend noch öfter im Mittelpunkt stehen. Kurz darauf drosch Routinier Louis Wilhelm, 35 Jahre alt und gefühlt schon länger im Verein als der Stadionrasen, gleich zweimal knapp vorbei. "Ich dachte, der Ball will heute einfach nicht rein", grinste Wilhelm später, "dabei hab ich doch extra die neuen Schuhe angezogen." Emmendorf dagegen wirkte wie eine Mannschaft, die sich auf einem Betriebsausflug verlaufen hatte. Ein einziger Torschuss, und das in der 40. Minute - Johannes Walter zog ab, Northeims Keeper André Nickel machte sich lang und hielt den Ball fest, als wäre es der letzte seiner Karriere. "Ich hatte ja sonst nichts zu tun", witzelte Nickel. "Da wollte ich wenigstens einmal gut aussehen." Mit 0:0 ging es in die Pause, und wer an der Bratwurstbude stand, hörte Tim Picke brüllen: "Jungs, ihr spielt super! Aber Tore wären auch mal schön!" Offenbar half’s. In der 59. Minute war es so weit: Christopher Sommer, 18, flitzte über links, flankte scharf hinein - und Helmut Wurst hielt die Innenseite hin. 1:0. Kein Zufall, sondern die logische Folge von 15 Northeimer Torschüssen bis dahin. Das Stadion tobte, und Wurst jubelte mit der Unschuld eines Schülers, der gerade seine Mathearbeit bestanden hat. "Ich hab gar nicht richtig gesehen, dass der drin war", sagte er später bescheiden. "Ich hab einfach geschossen, weil der Trainer immer sagt: Wenn du nicht schießt, kannst du auch nicht treffen." Emmendorf versuchte zu reagieren, blieb aber harmlos. Ihre 53 Prozent Ballbesitz erinnerten an einen Gast, der beim Abendessen das meiste auf dem Teller lässt. Northeim dagegen konterte, kombinierte, rannte - und wechselte. In der 75. kam Gerhard Steiner für Sommer, kurz darauf Andreas Meiser und Arne Albers. Drei junge Spieler, drei frische Beine - und eine Bank, die jubelnd aufsprang, als Lionel Ronaldo (ja, so heißt er wirklich) in der 94. Minute den Deckel draufmachte. Nach einem feinen Zuspiel von Max Bartsch traf der 18‑jährige Stürmer zum 2:0‑Endstand. "Ich schwör, der Pass war Absicht", lachte Bartsch nach dem Spiel, während Ronaldo sich das Grinsen kaum verkneifen konnte. "Ich hab einfach gehofft, dass der Ball irgendwie durchkommt - und Lionel hat ihn perfekt getroffen." Kurz danach wurde es noch einmal gelb: Luca Kühne (92.) und Maximilian Krueger (95.) holten sich Erinnerungen an den Schiedsrichter ab. "Die Jungs wollten wohl ihre Namen auch im Spielbericht lesen", meinte Coach Picke trocken. Statistisch war’s ein Klassenunterschied: 20:1 Torschüsse, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Northeim, dazu eine bemerkenswerte Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit und taktischer Reife. Emmendorf hatte zwar etwas mehr Ballbesitz, aber so ungefähr so viel Torgefahr wie ein Sonntagsspaziergang im Stadtpark. "Wir haben viel Ball, aber wenig Idee", seufzte Emmendorfs Trainer nach dem Spiel - ein Mann, der lieber anonym bleiben wollte, "weil meine Frau sonst wieder sagt, ich soll was anderes machen". Tim Picke dagegen strahlte: "Wenn du mit drei 17‑Jährigen und einem 18‑jährigen Sturm gewinnst, dann weißt du, dass die Zukunft keine schlechte ist." Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit Applaus, die Flutlichtmasten glühten, und irgendwo in der Kabine soll Helmut Wurst leise "Wir fahren nach Hannover" angestimmt haben - aber das ist wohl nur eine Legende. Fazit: Eintracht Northeim zeigte, dass jugendlicher Mut manchmal klüger ist als taktische Vorsicht. Und wer Helmut Wurst und Lionel Ronaldo heißen kann, ohne rot zu werden, darf ruhig auch mal ein bisschen zaubern. Wenn die Eintracht so weitermacht, könnte sie bald nicht nur den Gegnern, sondern auch den Tabellenführern auf die Pelle rücken. Und Emmendorf? Nun ja - sie nehmen wenigstens die Gewissheit mit, dass ein Torschuss pro Spiel auch Arbeit spart. 27.10.643990 09:11 |
Sprücheklopfer
Ich habe heute erstmals einen Brasilianer mit Wadenkrampf gesehen. Das sagt doch wohl alles.
Matthias Sammer lobt den Kampfgeist seiner Mannschaft