Elfmeter
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Eintracht Northeim fliegt auf den Flügeln: 2:0 gegen den TSV Ottersberg

Ein lauer Juniabend, Flutlicht, 2753 Zuschauer - und wieder hatte Northeim Spaß am Fußball. Mit einem 2:0 über den TSV Ottersberg bleibt die Eintracht am 4. Spieltag der Verbandsliga D auf Kurs. Zwei Tore, 21 Torschüsse, eine rote Karte für den Gegner - und jede Menge Gesprächsstoff für die Northeimer Fans, die nach Abpfiff noch lange auf den Rängen blieben, um Jay Burton und Liam Krause zuzujubeln.

Schon in der ersten Minute deutete sich an, wohin die Reise gehen würde: Burton, dieser junge Engländer mit der Körpersprache eines Rockstars, prügelte den Ball aufs Tor, als wolle er ihn gleich mit ins Netz nehmen. Torwart Moritz Großmann rettete mit den Fingerspitzen - da war der Abend für ihn schon anstrengender als für manche Kollegen in 90 Minuten.

"Wir wollten früh Druck machen, über die Flügel kommen, Tempo aufnehmen", erklärte Trainer Tim Picke später mit einem Grinsen. "Und Jay hat das ganz wörtlich genommen."

Ottersberg, im gewohnten 4-4-2, stand zunächst ordentlich, hatte aber Mühe, gegen Northeims aggressives Flügelspiel überhaupt Luft zu holen. Costa versuchte es in der 15. Minute einmal aus der Distanz, ansonsten war von den Gästen wenig zu sehen. "Wir hatten den Bus nicht geparkt, wir haben ihn verloren", witzelte Ottersbergs Kapitän Oliver Franz später - noch vor seiner roten Karte in der 84. Minute.

Das 1:0 fiel in der 34. Minute, und es war so schön, dass man fast vergisst, wie viele Chancen Northeim bis dahin schon liegen gelassen hatte. Thomas McGowan flankte von rechts, Burton nahm den Ball direkt - trocken, präzise, ins linke Eck. Großmann flog, der Ball flog weiter. Stadion kollektiv im Freudentaumel.

"Ich hab’ gar nicht gesehen, dass er flankt, ich wollte nur reinlaufen", sagte Burton hinterher und grinste, als Trainer Picke ihm auf die Schulter klopfte. "Jay hat manchmal diesen Tunnelblick - aber heute war der Tunnel zum Tor offen."

Nach der Pause machte Northeim weiter. Ottersberg hatte kaum den Ball - 54 Prozent Ballbesitz für die Eintracht, das klingt knapp, fühlte sich aber deutlicher an. Jeder zweite Zweikampf ging an Northeim, jeder dritte Schuss war gefährlich. Krause und Burton spielten Katz und Maus mit der Ottersberger Abwehr.

In der 57. Minute folgte der Treffer zur Entscheidung: Burton dribbelte sich auf der rechten Seite durch, legte quer, und Liam Krause schob eiskalt ein. 2:0, das Spiel war gelaufen. "Ich musste nur noch den Fuß hinhalten", sagte Krause, "das war ein Geschenk von Jay. Normalerweise schenkt er nur sich selbst Tore." Gelächter im Presseraum.

Ottersberg versuchte es danach mit langen Bällen, aber da stand Northeims Innenverteidiger Maximilian Krueger, der alles wegräumte, was über die Mittellinie kam. Torwart Justin Schultz verlebte einen ruhigen Abend - drei Torschüsse des Gegners, keiner wirklich gefährlich.

In der 67. Minute gab’s dann noch Gelb für Claus Henkel, der einmal zu spät kam, und in der 84. Minute der unrühmliche Höhepunkt: Oliver Franz sah Rot nach einem Foul, das man nur mit "übermotiviert" beschreiben kann. "Ich wollte den Ball treffen", sagte er später kleinlaut, "aber der Ball wollte nicht."

Die letzten Minuten waren Schaulaufen. Northeim kombinierte, die Zuschauer klatschten, und sogar der Stadionsprecher wirkte, als wolle er gleich selbst noch eine Flanke schlagen.

"Das war heute ein erwachsener Auftritt", resümierte Tim Picke. "Wir haben 21 Mal aufs Tor geschossen, irgendwann muss ja mal was reingehen."

Ottersbergs Trainer wollte sich nicht lange aufhalten. "Wir hatten heute keine Chance - im wahrsten Sinne des Wortes." Und verschwand in der Kabine.

So bleibt Eintracht Northeim ungeschlagen, offensivfreudig und mit einem Publikum, das sich langsam an schönen Fußball gewöhnt.

Schlusswort eines Fans auf dem Parkplatz, das man nicht besser sagen könnte: "Wenn die so weiter spielen, müssen wir bald Eintritt nehmen fürs Training."

23.11.644002 02:47
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