Elfmeter
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Eintracht Northeim kämpft sich spät zum Remis gegen FT Braunschweig

Eintracht Northeim und FT Braunschweig trennten sich am Montagabend im Gustav-Wegner-Stadion mit einem 1:1-Unentschieden - ein Ergebnis, das beide Trainer mit einem Schulterzucken quittierten, die Fans aber immerhin mit 90 Minuten ehrlicher Fußballarbeit entschädigte. 2427 Zuschauer sahen bei untergehender Mai-Sonne eine Partie, die zwar kein technisches Feuerwerk entfachte, dafür aber umso mehr an Willen, Krämpfen und Gelben Karten bot.

Die Gäste aus Braunschweig erwischten den besseren Start. Schon nach 15 Minuten zappelte der Ball im Netz der Northeimer: Linksverteidiger Richard Münch, sonst eher für rustikale Grätschen als für filigrane Torabschlüsse bekannt, nutzte eine Lücke in der Abwehr und schob den Ball überlegt ins rechte Eck. "Ich hab einfach mal draufgehalten - und dann war’s drin. Das passiert mir sonst nur auf der Playstation", grinste Münch nach Abpfiff.

Northeim wirkte zunächst überrascht, fast beleidigt über diesen Spielverlauf. Trainer Tim Picke brüllte von der Seitenlinie: "Wir wollten doch offensiv anfangen, nicht offen!" Doch seine Jungs brauchten eine Weile, um das umzusetzen. Zwar hatte die Eintracht mit 16 Torschüssen deutlich mehr Abschlüsse als die Gäste (6), doch oft landete der Ball in den Armen des Braunschweiger Keepers Mathias Klug - oder irgendwo auf der Tribüne, wo sich ein Zuschauer schon in der 24. Minute ein neues Bier holen musste, weil der Schuss von Bernd Bader seinen Becher getroffen hatte.

Vor der Pause passierte wenig Erfreuliches für die Gastgeber. Innenverteidiger Maximilian Krueger kassierte früh eine Gelbe Karte (19.), und Trainer Picke soll in der Kabine lautstark an die "Basics" erinnert haben. "Wir müssen uns belohnen, nicht bestrafen", knurrte er später ins Mikrofon, während er sich mit einer Wasserflasche Kühlung verschaffte.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild: Northeim kam mit sichtbarem Schwung aus der Kabine. Der erst 17-jährige Swen Franz prüfte Klug gleich mehrfach (46., 48., 50. Minute) - doch der Braunschweiger Torhüter erwies sich als unüberwindbar, zumindest für den Moment. Braunschweigs Trainer, der nach dem Spiel nur müde lächelte, fasste es trocken zusammen: "Wir haben uns hinten reingestellt und gehofft, dass es gutgeht. Ging’s ja fast."

Fast - denn in der 78. Minute belohnte sich die Eintracht endlich. Nach einem schnellen Angriff über die linke Seite legte Lionel Ronaldo (ja, der heißt wirklich so) den Ball quer auf Jay Burton, der aus kurzer Distanz eiskalt zum 1:1 einschob. Das Stadion jubelte, und Burton riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Champions League entschieden. "Lionel hat den Ball perfekt reingelegt. Ich musste nur noch den Fuß hinhalten - und hoffen, dass ich ihn nicht über das Stadiondach jage", sagte der 21-Jährige lachend.

In den Schlussminuten drängte Northeim auf den Sieg, doch Braunschweig verteidigte clever - oder verbissen, je nach Perspektive. Hermann Hausmann sah noch Gelb (69.), und kurz darauf rettete Keeper Klug spektakulär gegen einen Fernschuss von Günter Witte (84.). In der Nachspielzeit jagte Max Bartsch den Ball noch einmal knapp über das Tor (94.), und Trainer Picke raufte sich die Haare. "Wenn wir so weitermachen, krieg’ ich graue Haare - und das nicht wegen des Alters", witzelte er nach dem Abpfiff.

Statistisch gesehen war Northeim das aktivere Team: leicht weniger Ballbesitz (48 zu 51 Prozent), aber mehr Zweikämpfe gewonnen (53 Prozent) und deutlich mehr Abschlüsse. Dennoch blieb es bei der Punkteteilung. "Ein gerechtes Ergebnis", fanden beide Trainer unisono - was im Fußball bekanntlich meist bedeutet, dass keiner so richtig zufrieden ist.

Am Ende applaudierten die Fans beiden Teams. Die Northeimer für ihren späten Kampfgeist, die Braunschweiger für ihre Effizienz und das clevere Verteidigen. Und irgendwo auf der Tribüne meinte ein älterer Herr augenzwinkernd: "Wenn die Eintracht so weitermacht, brauchen die bald ein Fangnetz überm Stadion - für die ganzen Torschüsse in den Abendhimmel."

Ein launiger Abend in Northeim, ein Punkt für jeden, und viele Geschichten für die nächste Trainingswoche - vom ungewollten Bierduschen bis zum "Ronaldo-Moment" von Jay Burton. Fußball kann manchmal so herrlich unperfekt sein.

26.06.644000 12:42
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