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Wenn ein Team mit weniger Ballbesitz, dafür aber mehr Mut und jugendlichem Übermut antritt, dann kann das eine explosive Mischung ergeben. Genau das bekamen die 2.145 Zuschauer am Samstagabend beim 24. Spieltag der Verbandsliga D zu sehen: Der Ludwigsfelder FC unterlag Eintracht Northeim mit 1:2 - trotz 56 Prozent Ballbesitz, trotz mehr Routine, trotz Flutlichtromantik. Die Partie begann mit einem Knall - oder genauer gesagt: einem Eintrag ins Notizbuch des Schiedsrichters. Bereits nach drei Minuten sah Northeims Innenverteidiger Luca Kühne Gelb, weil er meinte, dass man Julian Wimmer auch körperlich an den Ludwigsfelder Kunstrasen gewöhnen dürfe. "Ich wollte nur zeigen, dass wir da sind", grinste Kühne nach dem Spiel. Mission accomplished. Danach war Ludwigsfelde tatsächlich da - und wie. Marc Herbst, der mit 33 Jahren so etwas wie der ewige Linksfuß der Brandenburger ist, leitete in der 21. Minute das 1:0 ein. Sein flacher Pass durch die Abwehr fand Wimmer, der trocken ins rechte Eck einschob. Trainer des LFC - der Name blieb an diesem Abend unerwähnt, aber seine Gestik sprach Bände - ballte die Faust, als hätte er gerade den Klassenerhalt unterschrieben. Doch der Jubel hielt nicht lange. Nur sieben Minuten später konterte Northeim über links. Der 19-jährige Heinz Voss, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, flankte butterweich auf Max Bartsch, der den Ball eiskalt ins Netz donnerte. 1:1. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass er reingeht", sagte Bartsch hinterher - und grinste, als hätte er gerade ein Lotto-Los eingelöst. Das Spiel blieb offen, die Statistik sprach zunächst für Ludwigsfelde: mehr Pässe, mehr Ballbesitz, mehr Ordnung. Aber Northeim blieb gefährlicher. Mit 14 Torschüssen (gegenüber 9 der Gastgeber) waren die Gäste das aktivere Team im letzten Drittel. Und sie hatten da vorne einen, der an diesem Abend einfach nicht zu stoppen war: Lionel Ronaldo - ja, der Junge heißt wirklich so, und nein, er ist nicht verwandt. Aber der 20-Jährige spielte, als wollte er beweisen, dass Namen doch Programm sein können. In der 52. Minute nahm Ronaldo eine Flanke des erfahrenen Louis Wilhelm volley und traf zur 2:1-Führung. "Ich hab Louis vorher gesagt: Hau das Ding einfach rein - ich mach den Rest", erzählte er später, halb ernst, halb augenzwinkernd. Trainer Tim Picke von Northeim kommentierte trocken: "Wenn er so weitermacht, muss ich mir bald Sorgen machen, dass Real anruft." Ludwigsfelde versuchte, zurückzuschlagen. Herbst zog noch einmal aus der Distanz ab (51.), Volker Kluge vergab freistehend (61.), und Rechtsverteidiger Tom Walther sah in der 69. Minute Gelb, nachdem er wohl beschlossen hatte, dass man Ronaldo auch mit gestrecktem Bein stoppen kann. "Ball gespielt", rief er dem Schiedsrichter zu - der Ball allerdings lag da schon drei Meter weiter. Eintracht Northeim brachte in der Schlussphase frisches Blut: Der 17-jährige Swen Franz ersetzte den 37-jährigen Wilhelm - ein Generationswechsel, der sich wie ein Symbolfoto für den ganzen Abend anfühlte. Franz hatte sogar zwei gute Chancen (75. und 80.), scheiterte aber knapp. Trotzdem hielt Northeim das Ergebnis über die Zeit, auch weil Keeper Justin Schultz zweimal stark gegen Wimmer und Meyer parierte. "Wir haben heute nicht verloren, weil wir schlecht waren", sagte Ludwigsfeldes Kapitän Michael Bremer nach dem Abpfiff, "sondern weil Northeim frecher war." Trainer Picke nickte später im Kabinengang: "Wir wollten offensiv über die Flügel kommen - das hat geklappt. Und wenn du einen Ronaldo vorne hast, dann darfst du auch mal träumen." Statistisch bleibt das Spiel eine kleine Paradoxie: Ludwigsfelde mit mehr Ballbesitz, Northeim mit mehr Biss - Tacklingquote 51 zu 48 Prozent, was alles über die Entschlossenheit der Gäste sagt. Dass die Eintracht trotz aggressiver Spielweise nur zwei Gelbe kassierte (Kühne und Noack), darf als disziplinarische Glanzleistung gelten. Als das Flutlicht im Ludwigsfelder Stadion erlosch, blieb ein Gefühl zwischen Ärger und Respekt zurück. Die Gastgeber wussten, dass sie ein ordentliches Spiel gemacht hatten - und doch leer ausgingen. Northeim dagegen feierte ausgelassen, als wäre der Klassenerhalt sicher. "Vielleicht war’s nicht schön", meinte Picke, "aber effektiv war’s. Und manchmal reicht das." So endete ein Abend, an dem Routine der Jugend unterlag, Erfahrung gegen Mut verlor - und ein gewisser Lionel Ronaldo zum Helden wurde. Ludwigsfelde wird sich ärgern, Northeim darf träumen. Und irgendwo in der Kabine sang jemand leise: "Ronaldo, Ronaldo…" - aber das war natürlich nur ein Scherz. Oder? 14.03.644000 03:40 |
Sprücheklopfer
Man darf jetzt nicht alles so schlecht reden, wie es war.
Fredi Bobic