// Startseite
| Elfmeter |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Wenn man ein Fußballspiel als Spiegelbild des Lebens sehen will, dann war das 1:1 zwischen Eintracht Northeim und dem FC St. Ilgen am Donnerstagabend ein ehrliches Abbild: erst Hoffnung, dann Rückschläge, am Ende ein Kompromiss - und zwischendurch jede Menge Drama auf dem Rasen des Northeimer Stadions, das mit 2733 Zuschauern gut gefüllt war. Beide Teams lieferten sich in der Verbandsliga D ein kampfbetontes Duell, das weniger von spielerischer Finesse als von Willenskraft und einem Hauch Chaos lebte. "Wir wollten kompakt stehen und über Konter kommen", erklärte Eintracht-Trainer Tim Picke nach dem Spiel, "und na ja - kompakt waren wir zumindest meistens." Mit dieser Einschätzung lag er nicht ganz falsch: Seine Northeimer spielten von Beginn an defensiv, lauerten auf Fehler, während St. Ilgen das Spielgeschehen übernahm. Der Ballbesitz sprach mit 54,5 Prozent klar für die Gäste, die auch zehn Torschüsse verbuchten - zwei mehr als die Eintracht. Schon in der ersten Minute sorgte der 17-jährige Swen Franz für einen Weckruf, als er aus spitzem Winkel abzog. Der Ball flog zwar eher in Richtung Parkplatz als Tor, aber das Publikum war wach. Danach übernahmen die Gäste das Kommando. Jacob Wolff prüfte in der zehnten Minute Northeims Keeper Andre Nickel, der mit einer Flugeinlage Marke "Flughafen Kassel-Calden" parierte. Das Spiel nahm in der Mitte der ersten Halbzeit an Härte zu: Northeims Rafael Santoyo sah in der 40. Minute Gelb, kurz darauf auch Innenverteidiger Maximilian Krüger. "Ich hab doch nur freundlich Hallo gesagt", brummelte Krüger später mit einem Grinsen - der Schiedsrichter sah das anders. Kurz vor der Pause wurde es für Northeim noch bitterer: Mittelfeldmann Bernd Bader verletzte sich ohne Fremdeinwirkung und musste raus. Für ihn kam Lionel Ronaldo - ja, der heißt wirklich so - und sorgte gleich für Gelächter auf der Tribüne. Ein Fan rief: "Jetzt dreht er das Spiel, der Mann mit dem Namen!" Doch zunächst jubelten die Gäste: In der 55. Minute nutzte St. Ilgens junger Linksaußen Volker Metzger eine feine Vorlage von Niko Schumacher und traf trocken ins lange Eck. Es war ein Tor aus dem Lehrbuch - kurz, präzise, unaufgeregt. "Ich hab gar nicht viel nachgedacht, einfach draufgehalten", sagte Metzger später bescheiden. Die Antwort der Eintracht ließ aber nicht lange auf sich warten. Nur zehn Minuten später war es Jay Burton, der nach einer mustergültigen Flanke von Swen Franz zum 1:1 einköpfte. Der Jubel war gewaltig - Trainer Picke hüpfte an der Seitenlinie, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen. "Das war pure Erleichterung", gab er später zu. Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Metzger blieb der gefährlichste Mann auf dem Platz, prüfte Nickel gleich mehrfach (88., 90., 91. Minute), aber der Eintracht-Keeper zeigte, warum Erfahrung manchmal alles ist. "Ich hab’ die Dinger kommen sehen wie Bowlingkugeln - und heute war ich die Bande", witzelte der 35-Jährige. FC-Coach (dessen Name der Statistik entwischt ist) wirkte dagegen nicht ganz zufrieden. "Wir hatten das Spiel im Griff, aber wir haben Northeim eingeladen, zurückzukommen", sagte er mit verschränkten Armen. Sein Team blieb taktisch ausgewogen, doch der letzte Biss fehlte. Statistisch gesehen war das Remis gerecht: St. Ilgen hatte etwas mehr Ball und Schüsse, Northeim dafür mehr Leidenschaft und - nach dem Rückstand - den größeren Willen. "Unsere Jungs sind jung, wild und manchmal etwas übermotiviert", so Picke, "aber sie haben Herz. Und das zählt." Als der Schlusspfiff ertönte, klatschten beide Teams fair ab. Ein Zuschauer murmelte: "Ein 1:1, das sich wie ein 3:3 anfühlt." Vielleicht hatte er recht - es war ein Spiel voller kleiner Geschichten, nicht alle schön, aber alle ehrlich. Und so blieb am Ende die Erkenntnis: Wer in der Verbandsliga D am Donnerstagabend Fußball sehen will, bekommt keine Hochglanzshow, sondern ehrliche Arbeit, Grasflecken und Emotionen. Und manchmal, so wie in Northeim, reicht das völlig für einen guten Abend. "Wenn wir nächste Woche so spielen, gewinnen wir", versprach Jay Burton beim Rausgehen. Der Reporter nickte - und hoffte insgeheim, dass er recht behält. 20.02.644000 00:00 |
Sprücheklopfer
Krise gibt es im Krankenhaus auf der Intensivstation oder im Nahen Osten, aber nicht im Fussball.
Oliver Kahn auf die Frage, ob Bayern nach drei Niederlagen in Folge in der Krise steckt