Elfmeter
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Eintracht Northeim überrollt die Bajuwaren - 5:0 zum Auftakt

Es ist selten, dass ein Fußballspiel schon nach einer Viertelstunde aussieht wie ein Trainingsspiel - und zwar für nur eine Mannschaft. Doch genau das passierte am Freitagabend im Neuaubinger Stadion, als die "Bajuwaren" vor 2.334 Zuschauern von Eintracht Northeim regelrecht auseinandergenommen wurden. 0:5 hieß es am Ende, und das war noch schmeichelhaft für die Hausherren.

Schon nach 13 Minuten klingelte es zum ersten Mal im Kasten von Keeper Curt Feldmann. Lionel Ronaldo - nein, kein Schreibfehler, sondern ein junger Stürmer mit großem Namen und noch größerem Selbstvertrauen - verwandelte eiskalt nach Pass von Emil Musiala. Eine Minute später legte Jay Burton nach, der nach Flanke von Ronald Ott völlig frei stand und bedankte sich artig mit einem trockenen Schuss ins rechte Eck. "Da war kurz Funkstille in der Abwehr", stöhnte Bajuwaren-Verteidiger Louis Lindner später.

Dass die Northeimer aber nicht zum Scherzen aufgelegt waren, zeigte sich in der 25. Minute, als Musiala selbst traf - wieder nach Vorarbeit von Ott. 0:3, und die Heimfans begannen, sich in die Bierstände zu flüchten. "Wir wollten eigentlich offensiv beginnen", murmelte ein Neuaubinger Anhänger kopfschüttelnd. Das taten die Bajuwaren auch - laut Statistik mit 42 Prozent Ballbesitz und immerhin zwei Torschüssen. Der Rest war Northeimer Dauerdruck: 22 Schüsse aufs Tor, 58 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote, die an Handball erinnerte.

Trainer Tim Picke von Eintracht Northeim stand nach dem Spiel mit einem kaum verhohlenen Grinsen am Spielfeldrand. "Ich habe der Mannschaft gesagt: Wenn wir schon so heißen, können wir auch mal ein bisschen Eintracht zeigen - zwischen den Pfosten und im Strafraum des Gegners", lachte er. Tatsächlich wirkte sein Team eingespielt, aggressiv und zielstrebig. Die Flügelzange Krause und Burton wirbelte die Neuaubinger Abwehr ununterbrochen durcheinander, während Musiala im Zentrum Fäden zog wie ein erfahrener Dirigent.

Die zweite Hälfte begann, wie die erste geendet hatte: Northeim spielte, Neuaubing lief hinterher. In der 67. Minute setzte wieder Lionel Ronaldo einen drauf - diesmal nach Vorlage von Rechtsverteidiger Karl Paul, der kurz darauf verletzt ausgewechselt werden musste. "Ich hab nur kurz gezwinkert, da lag er schon am Boden", erzählte Musiala später mit einem halben Schmunzeln. Zum Glück schien es nichts Ernstes zu sein.

Die Bajuwaren mühten sich, wenigstens den Ehrentreffer zu erzwingen. In der 91. Minute prüfte Jacob Schröter Northeims Keeper Justin Schultz - der hatte bis dahin fast gefroren, so selten wurde er gebraucht - und durfte endlich einmal die Handschuhe benutzen. "Das war mein schönster Moment", grinste Schultz nach dem Abpfiff.

Kurz zuvor, in Minute 90, hatte Ronald Ott den Deckel endgültig draufgesetzt. Der linke Verteidiger, ohnehin bester Mann auf dem Platz, zog aus der Distanz ab - 0:5. Liam Krause hatte vorbereitet, und der Ball zappelte im Netz. Ott riss die Arme hoch, als hätte er gerade das entscheidende Tor im Pokalfinale erzielt. "Ich dachte, das war’s - und zum Glück lag ich richtig", sagte er später trocken.

Ganz ohne Drama ging es freilich auch nicht: Northeims Innenverteidiger William Henderson sah nach einer Gelb-Roten Karte in der 82. Minute den Platzverweis. "Ich wollte nur den Ball treffen", verteidigte er sich, während sein Trainer Picke daneben grinste: "Ja, aber der Ball war eben schon längst weg."

Neuaubings Trainer - dessen Name in der offiziellen Aufstellung kurioserweise gar nicht auftauchte - dürfte sich wünschen, er wäre es in dieser Partie auch gewesen. "Wir haben uns viel vorgenommen", soll er in der Kabine gesagt haben, "aber Northeim hat uns gezeigt, wie man einen Saisonstart wirklich angeht."

Das Publikum verabschiedete die Spieler mit einer Mischung aus höflichem Applaus und resigniertem Kopfschütteln. "So schlimm war’s doch gar nicht", meinte ein älterer Zuschauer beim Hinausgehen, "schließlich ist das Bier kalt geblieben."

Für Northeim war es ein perfekter Auftakt in die neue Verbandsliga-D-Saison: Lionel Ronaldo mit zwei Toren, Musiala mit einem, Burton und Ott mit je einem Treffer - eine Offensive, die schon jetzt Lust auf mehr macht. Wenn sie dieses Tempo halten, könnte es eine sehr kurze Saison für die Gegner werden.

Und die Bajuwaren? Nun, die werden sich wohl noch ein paar Trainingseinheiten lang anhören müssen, dass "offensiv" auch bedeutet, gelegentlich aufs gegnerische Tor zu schießen. Aber vielleicht ist das 0:5 ja genau der Weckruf, den man in Neuaubing gebraucht hat. Es gibt schlechtere Art, aufzuwachen - na gut, eigentlich nicht.

11.08.644000 15:42
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Als ich zuletzt Sergio in Eurosport gesehen habe, dachte ich mir auch nur: Das kann er nicht sein, da muss sich einer maskiert haben.
Rainer Calmund
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