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Ein Dienstagabend in Barcs, Flutlicht, 27 000 Zuschauer und ein leichter Regen, der alles glänzen ließ - nur nicht das Spiel des FC Barcs. Am 16. Spieltag der ungarischen 1. Liga unterlag das Team von Ivo Suker dem Gast Interval Gyor mit 1:2 (0:2). Und das war, bei aller Liebe, noch schmeichelhaft. Denn Gyor kam wie der Blitz. Schon in der 7. Minute stand Karoly Eisenhoffer da, wo ein Stürmer stehen muss - und Barcs noch nicht. Nach feinem Zuspiel von links schob der 27‑jährige Angreifer eiskalt ein. "Ich hab gesehen, dass der Keeper noch auf dem falschen Fuß war", grinste Eisenhoffer später in die Mikrofone. Ein Satz, der den Abend gut zusammenfasst: Gyor immer einen Schritt voraus, Barcs stets auf dem falschen Fuß. Während die Heimelf noch nach dem Rhythmus suchte, legten die Gäste weiter los, als wollten sie alle 23 Torschüsse schon in der ersten Halbzeit abfeuern. Pedro Benitez und Markus Bruun wirbelten die Flügel entlang, Stig Jeppesen schoss aus allen Lagen, und Barcs‑Torwart Zoran Mihajlovic hatte mehr zu tun als der örtliche Wetterdienst. In der 36. Minute war es wieder Eisenhoffer, diesmal nach einem feinen Pass von Bruun, der auf 2:0 stellte. Der Treffer war so sauber herausgespielt, dass selbst einige Heimfans kurz klatschten - aus Respekt oder Verzweiflung, wer weiß. Trainer Ivo Suker wirkte zur Pause, als wollte er lieber die Spielstatistik als die Mannschaft wechseln. "Wir hatten 46 Prozent Ballbesitz", erklärte er später mit einem Lächeln, "aber leider keine 46 Prozent der Chancen." Gyor führte zur Halbzeit völlig verdient, und auch wenn die Gäste ihre Taktik offiziell als "ausgewogen" bezeichneten, sah das Spiel eher nach "Wir machen’s einfach besser" aus. Nach dem Seitenwechsel kam Barcs dann mit Wut im Bauch - und mit Dawid Hajto im Vorwärtsgang. Der Rechtsverteidiger, bisher eher durch solide Zweikämpfe aufgefallen, überraschte in der 56. Minute mit einem satten Schuss ins linke Eck. Vorlage kam vom linken Kollegen Jozsef Turay, der sich damit für seine Gelbe Karte fünf Minuten zuvor offenbar rehabilitieren wollte. Das Stadion tobte, und für einen Moment schien Barcs wieder an sich zu glauben. "Da dachte ich: Jetzt kippt’s vielleicht", murmelte Gyor‑Coach Bertalan Totka später, "aber dann fiel mir ein, dass wir Karoly vorne haben." Eisenhoffer blieb nämlich eine ständige Gefahr. Zwischen der 60. und 75. Minute hatte er gleich vier weitere Abschlüsse - alle knapp daneben, aber eindrucksvoll genug, um Mihajlovic wach zu halten. "Der Mann schießt häufiger als ich Kaffee trinke", scherzte ein Barcs‑Fan auf der Tribüne. Barcs versuchte es mit jugendlichem Elan: Die beiden 17‑jährigen Tamas Toldi und Jozsef Tököli kurbelten das Mittelfeld an, Marko Betz prüfte Gyors Keeper Janek Frankowski in der 72. und 90. Minute, doch die Präzision fehlte. Gyor verteidigte clever, ohne in Hektik zu verfallen - kein Pressing, kein Chaos, einfach Routine. In der Schlussphase verlor Barcs dann endgültig die Nerven: Innenverteidiger Joao Costinha, bereits verwarnt, kassierte in der Nachspielzeit die Gelb‑Rote Karte, nachdem er beim Versuch, Eisenhoffer zu stoppen, eher den Mann als den Ball traf. "Ich wollte nur den Angriff unterbrechen", erklärte er hinterher mit einem Schulterzucken. Mission geglückt - Angriff unterbrochen, Abend beendet. Statistisch war alles klar: 23 Torschüsse für Gyor, nur 6 für Barcs; 54 Prozent Ballbesitz für die Gäste; eine Zweikampfquote, die ebenfalls für Totkas Team sprach. Das Ergebnis von 1:2 fiel am Ende fast knapp aus, aber die Punkte wanderten verdient nach Gyor. "Wir müssen lernen, früher aufzuwachen", sagte Trainer Suker nach dem Spiel und verschwand mit gerunzelter Stirn in den Katakomben. Bertalan Totka hingegen grinste breit: "Wenn du auswärts so viele Chancen hast, darfst du dich über zwei Tore nicht beschweren - höchstens über die 21, die nicht reingingen." Und während die Fans von Barcs im Regen langsam den Heimweg antraten, summte ein älterer Herr auf der Haupttribüne leise: "Immer derselbe Film." Vielleicht, dachte man, wird die Fortsetzung irgendwann ein Happy End haben - aber an diesem Abend gehörte das Kino eindeutig Gyor. 20.07.643996 17:28 |
Sprücheklopfer
Wenn er das Tor getroffen hätte, wäre der Ball drin gewesen, aber er hat vorbei geschossen.
Otto Rehhagel