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Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball seine kleine, charmante Ironie zeigt. 29.679 Zuschauer im Estadio Manuel Martínez Valero sahen ein 1:1 zwischen UD Elche und RSO Mallorca - ein Ergebnis, das beiden nicht so richtig hilft, aber beiden das Gefühl ließ, etwas erlebt zu haben. Elche-Trainer Mike Johnson stand schon vor dem Anpfiff mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und murmelte laut genug für die Ersatzbank: "Heute brauchen wir keine Helden, nur Leute, die den Ball treffen." Nun, seine Jungs hielten sich halbwegs daran. In der 28. Minute war es die 19-jährige Dalia Levinger, die diesen Satz wohl am besten verstanden hatte. Nach schönem Zuspiel von Routinier Daniel Bernard zog sie von rechts nach innen, schaute kurz und schlenzte den Ball ins lange Eck - 1:0. Der Jubel im Stadion klang, als hätte Elche soeben den Aufstieg klargemacht. "Ich wusste gar nicht, ob ich jubeln darf, weil Daniel mir vorher zugerufen hat, ich solle lieber flanken", lachte Levinger später in der Mixed Zone. Bernard grinste daneben: "Ich hab nur gesagt: ’Mach was Kluges’ - das war wohl das Klügste." Mallorca, von Ciriaco Sforza an der Seitenlinie sehr schweizerisch ruhig dirigiert, ließ sich davon jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Schon vorher hatten sie mehr Ballbesitz (am Ende 51 Prozent) und mehr Torschüsse (12 zu 9). Jose Maria Arroyo, der bullige Angreifer mit der Stürmerseele eines Torjägers und dem Temperament eines Straßenmusikers, hatte bereits in der ersten Minute eine Riesenchance vergeben - und sich kurz darauf über den Ball geärgert, als hätte er ihn persönlich beleidigt. Doch in der 42. Minute bekam Arroyo seine Wiedergutmachung: Nach feinem Pass des jungen Mathias Herbst stand er plötzlich frei und drosch das Leder kompromisslos in die Maschen - 1:1. "Ich hab mir gedacht: Jetzt oder nie", sagte Arroyo hinterher. "Und meistens ist ’jetzt’ besser, wenn du schon drei Chancen hattest." Die zweite Halbzeit begann mit einem Schreckmoment für Elche: Innenverteidiger Avraham Goldmann blieb nach einem Zweikampf liegen, musste verletzt raus. Julian Assis kam und brachte prompt etwas Ordnung in die Defensive, die in der ersten Hälfte oft so wackelte wie ein Stuhl auf unebenem Boden. Johnson rief ihm zu: "Mach’s einfach wie immer - nur ohne Aussetzer!" Elche versuchte, wieder Druck aufzubauen, doch Mallorca blieb stabil, spielte abgeklärt und ließ sich auch von den zunehmend lauten Pfiffen des Publikums nicht beirren. In Minute 73 sah der junge Nicolas Berthier Gelb, weil er Arroyo beim Konter am Trikot hielt - ein klassisches "professionelles Foul", das auf der Trainerbank mit einem zustimmenden Nicken quittiert wurde. Die Schlussphase gehörte dann wieder Elche. Iwan Titow prüfte in der 89. und 90. Minute zweimal Mallorcas Keeper Jorge Cabrera - doch der blieb cool wie eine Eisskulptur in der Wüste. Da half auch das kurzzeitige Pressing-Feuerwerk Elches nicht, das Johnson ab der 46. Minute hatte ansagen lassen: "Mehr laufen, weniger schauen!" rief er, während seine Stürmer offenbar beides gleichzeitig versuchten. Am Ende blieb es beim 1:1 - ein Ergebnis, das dem Spiel gerecht wurde. Mallorca hatte etwas mehr vom Ball, Elche die lauteren Fans und die etwas jüngeren Beine. Sforza zeigte sich zufrieden: "Wir haben das Spiel kontrolliert, auch wenn wir es nicht gewonnen haben. Aber Kontrolle ist ja bekanntlich die halbe Miete." Johnson hingegen wirkte leicht genervt: "Wenn wir die Chancen so leichtfertig herschenken, müssen wir uns nicht wundern. Aber immerhin - wir haben nicht verloren, und niemand hat sich gestritten. Das ist ja auch was." Was bleibt? Ein beherzter Auftritt zweier Teams, die sich nichts schenkten, und eine Dalia Levinger, die vielleicht das neue Juwel Elches wird. "Ich will einfach nur Spaß haben", sagte sie und grinste, als sie schon auf dem Weg zum Mannschaftsbus war. Vielleicht ist das auch die beste Zusammenfassung dieses Spiels: ein ehrliches, etwas chaotisches 1:1 - mit Spaß, Kampf und einer Portion jugendlicher Unbekümmertheit. Und wer weiß, vielleicht hat Mike Johnson ja recht, wenn er sagt: "So fängt manchmal eine gute Serie an - mit einem Unentschieden, das sich fast wie ein Sieg anfühlt." 12.10.643987 08:08 |
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Man wirft hier Äpfel und Birnen durcheinander.
Berti Vogts