// Startseite
| Nemzeti Sport |
| +++ Sportzeitung für Ungarn +++ |
|
|
|
Budapest, 14. Mai 2026 - 42.867 Zuschauer im altehrwürdigen Szusza-Ferenc-Stadion rieben sich ungläubig die Augen, als der Schlusspfiff ertönte: BSV Elore hatte tatsächlich das kunstvolle Chaos von Ujpest Budapest mit 3:2 überstanden - und das, obwohl die Gastgeber in der ersten Halbzeit schon wie der sichere Sieger gewirkt hatten. Aber im Fußball, das wissen wir spätestens seit gestern Abend, ist "sicher" ein gefährliches Wort. Dabei begann alles wie aus einem Drehbuch für Heimfans. Keine vierzig Minuten waren gespielt, da hatte Ujpest das frühe 0:2 in ein 2:2 verwandelt und den Gegner an die Wand gespielt. Doch der Reihe nach. Elore, trainiert von der temperamentvollen Kurumi Makishima, legte los wie ein Presslufthammer. In der 13. Minute zog Gusztav Hannich aus 18 Metern ab - ein Schuss, der so präzise war, dass Torwart Garritt Hacker vermutlich noch heute nach dem Ball sucht. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte Hacker später mit einem gequälten Grinsen. Nur vier Minuten später zappelte es erneut im Netz: Ernö Deak staubte nach feiner Vorarbeit von Ami Itzhaki zum 0:2 ab. "Da war uns wohl kurz das WLAN zum Mittelfeld abgerissen", kommentierte Ujpest-Coach Josh Allen sarkastisch an der Seitenlinie, während er wild gestikulierend in Richtung seiner Innenverteidiger zeigte. Doch dann erwachte Ujpest. Der rechte Flügel wurde zur Startbahn für Lajos Szollar, der in der 36. Minute nach Flanke von Zoltan Koranyi wuchtig einschoss - 1:2. Keine zwei Minuten später revanchierte sich Szollar mit einem Pass auf Koranyi, der trocken zum 2:2 versenkte. Die Tribüne bebte, Bierduschen inklusive. "Das war Fußball, wie wir ihn lieben - chaotisch, laut, unvernünftig", grinste ein Fan, während er seinem Nachbarn eine Fahne ins Gesicht schlug. In der Halbzeitpause roch es im Stadion nach Wurst, Hoffnung und leichtem Größenwahn. "Wir machen das 4:2, keine Sorge", versprach Allen seinen Spielern augenzwinkernd lautstark im Kabinengang - ein Satz, der nach Schlusspfiff noch bittere Ironie bekommen sollte. Denn im zweiten Durchgang spielte sich das Drama auf leisen Sohlen ab. Ujpest hatte mehr Ballbesitz (51 Prozent), mehr Torschüsse (13 zu 12) und eigentlich alles im Griff - außer die Effizienz. Ediz Sargun und Vincent Mendes feuerten aus allen Lagen, doch Elore-Keeper Alexander Desire wuchs über sich hinaus. "Ich sah nur noch lila Schatten", sagte der 22-Jährige nach Abpfiff über die Angriffswelle der Gastgeber. "Aber manchmal hilft es, wenn man jung ist und noch keine Angst kennt." In der 86. Minute fiel dann der Dolchstoß. Wieder kam der Ball über die rechte Seite, wieder war Uwe Schindler der Lieferant - und Dimitar Bonew der eiskalte Vollstrecker. 3:2 für Elore. Stille, dann Pfiffe, dann resigniertes Klatschen. "Das war wie ein Schlag in den Magen, aber wenigstens war’s ein schöner", meinte Ujpests Mittelfeldmann Manuel Mango de Aquino, der beim dritten Gegentreffer nur hinterherlaufen konnte. Das letzte Aufbäumen der Hausherren kam spät und unpräzise. Szollar und Sargun prüften Desire noch einmal in der Nachspielzeit, doch das Tor blieb wie vernagelt. Edmund Szusza, Elore-Stürmer und Namensvetter des Stadions, sah in der 89. Minute noch Gelb - wahrscheinlich, weil er sich zu sehr über die Ironie der Geschichte freute. Nach dem Spiel stand Makishima mit verschränkten Armen in der Mixed Zone, lächelte und sagte nur: "Manchmal muss man Budapest in Budapest schlagen, um zu wissen, dass man es kann." Ihr Kollege Allen hingegen starrte minutenlang ins Leere, ehe er trocken meinte: "Meine Mannschaft hat Charakter gezeigt - leider auch in den falschen Momenten." So fährt BSV Elore mit drei Punkten im Gepäck und einer gehörigen Portion Selbstvertrauen nach Hause, während Ujpest in die Spiegel schauen und sich fragen muss, wie man ein Spiel trotz Überlegenheit verlieren kann. Vielleicht liegt die Antwort in der alten Fußballweisheit, die man gestern Abend wieder bestätigt sah: Wer seine Chancen nicht nutzt, kriegt sie hinten rein. Und wer im eigenen Stadion zu früh jubelt, hat oft schon verloren - spätestens in der 86. Minute. Ein bitterer, aber höchst unterhaltsamer Abend in Budapest - für die Neutralen ein Fest, für Ujpest ein Albtraum. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen seufzte: "Nächstes Mal nehmen wir wenigstens das WLAN-Kabel mit aufs Spielfeld." 02.03.644000 08:18 |
Sprücheklopfer
Wenn ich am Ende vorn stehe, können mich die Leute auch Arschloch nennen. Das ist mir egal.
Matthias Sammer über seinen Spitznamen 'Motzki'