Sport-Blick
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Emmenbrücke tanzt Rot-Weiss Zürich schwindlig - und gewinnt 2:0

Es war ein kalter Januarabend im Stadion von Emmenbrücke, doch die 31.339 Zuschauer bekamen genug zu sehen, um sich warm zu halten. Der 6. Spieltag der 1. Liga Schweiz brachte ein Duell, das auf dem Papier ausgeglichen schien, auf dem Rasen aber deutliche Hierarchien offenbarte: Emmenbrücke siegte hochverdient mit 2:0 gegen Rot-Weiss Zürich - und das Ergebnis schmeichelt den Zürchern noch.

Von Beginn an drückten die Gastgeber aufs Tempo. Schon in der dritten Minute prüfte Otto Marx, der linke Verteidiger mit dem Schuss eines Mittelstürmers, Gästekeeper Hugo Coelho mit einem satten Distanzversuch. "Ich wollte nur mal sehen, ob der Ball auch rund ist", grinste Marx später. Coelho konnte parieren - ein Vorgeschmack auf das, was ihn an diesem Abend erwarten sollte.

Emmenbrücke spielte kontrolliert, aber zielstrebig. Trainer Chris Meng hatte seine Elf klug eingestellt: ausgewogen im Aufbau, aggressiv im Zweikampf, aber nie kopflos. Der Ball lief mit 52 Prozent Ballbesitz sicher durch die eigenen Reihen, während Zürichs Mittelfeld oft nur hinterherrannte. "Wir wollten über die Mitte kommen", erklärte Meng, "und siehe da - manchmal funktioniert sogar das, was man trainiert."

Rot-Weiss Zürich hingegen wirkte, als stünde der Bus nicht in der Defensive, sondern im Kopf. Ihre sechs Torschüsse über das ganze Spiel - einer gefährlicher als ein halbvolles Wasserglas - sagten alles über die Offensivleistung. Besonders Henri DeBrosse und Pal Simonyi mühten sich redlich, fanden aber selten Lücken.

Nach einer torlosen ersten Halbzeit, in der Emmenbrücke 12 Torschüsse und Zürich genau drei verzeichnete, wurde der Druck nach der Pause noch größer. Giorgio Aieta, der wieselflinke Linksaußen mit der Statur eines Marathonläufers, hatte bereits in der ersten Halbzeit mehrfach gefährlich abgeschlossen - in der 68. Minute belohnte er sich endlich. Nach einer Kombination über Kunkel und Picard nahm Aieta Maß und platzierte den Ball unhaltbar in die rechte Ecke. 1:0, tosender Jubel, und Aieta riss die Arme hoch, als wolle er den Winter vertreiben. "Ich habe mir gesagt: Entweder der Ball geht rein, oder ich", scherzte er anschließend.

Rot-Weiss Zürich wankte, und fünf Minuten später fiel die Entscheidung. Emmenbrückes Linksverteidiger Otto Marx, jener Mann, der schon in der dritten Minute für Aufsehen gesorgt hatte, tauchte plötzlich weit vorne auf, flankte butterweich in den Strafraum - und Francois Picard köpfte den Ball aus sieben Metern ins Netz (73.). 2:0, und die Partie war gelaufen. "Otto hat gesagt, er hat den Ball gar nicht richtig getroffen", lachte Picard nach dem Spiel, "aber ich hab ihm gesagt: Mach das bitte wieder so."

Danach spielte Emmenbrücke den Sieg souverän nach Hause. Zürichs Erik Valachovic holte sich in der 82. Minute noch Gelb ab, vermutlich aus purer Frustration, und Kollege Roger Guillory tat es ihm in der Nachspielzeit gleich. Zwei gelbe Karten, die sinnbildlich für den Abend standen: zu spät, zu ungestüm, zu wenig.

Während Trainer Meng an der Seitenlinie ruhig blieb, wirkte der Zürcher Coach, dessen Name in der Statistik fehlt, zunehmend ratlos. "Wir haben eigentlich gut angefangen", murmelte er in der Pressekonferenz, "aber irgendwie hat der Gegner dann aufgehört, mitzumachen - also im Sinne von: Er hat uns nicht mehr mitspielen lassen."

Statistisch wirkte das Spiel wie eine einseitige Bewerbung für den Begriff "Dominanz": 21 Torschüsse zu 6, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 52,7 Prozent Ballbesitz. Emmenbrücke spielte mit einer Selbstverständlichkeit, die vermuten lässt, dass diese Mannschaft noch einiges vorhat.

Torhüter William Locklear im Emmenbrücker Kasten erlebte einen ruhigen Arbeitstag - oder wie er es ausdrückte: "Ich hab mir in der zweiten Halbzeit überlegt, ob ich mir einen Tee machen soll. Aber dann kam ja doch noch ein Freistoß."

Als der Schlusspfiff ertönte, feierten die Fans ausgelassen. "Das war ein Statement", sagte Trainer Meng, der mit einem warmen Händedruck in Richtung Aieta und Picard ging. Und tatsächlich: Mit dieser Mischung aus Geduld, Präzision und Spielfreude hat Emmenbrücke gezeigt, dass sie in der 1. Liga ganz oben mitreden können.

Rot-Weiss Zürich hingegen wird sich an diesem Abend vor allem eines gemerkt haben: Wer zu zögerlich spielt, wird von Emmenbrücke überrollt. Und wer Hugo Coelho im Tor hat, sollte ihm vielleicht eine Einladung ins Fitnessstudio spendieren - der arme Mann war 90 Minuten lang im Dauereinsatz.

Am Ende des Abends stand ein 2:0, das klarer war, als es klingt. Und irgendwo in der Kabine summte Giorgio Aieta leise: "Zwei Chancen, zwei Tore - das ist Mathematik, die sogar ich verstehe."

Schlusswort? Vielleicht dieses: In Emmenbrücke wird wieder Fußball gearbeitet - mit Witz, Wille und einem Hauch Wahnsinn. Und das ist, ehrlich gesagt, genau das, was diese Liga braucht.

18.03.643987 01:37
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Ich glaube, er ist DIN A4.
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