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2634 Zuschauer sahen am Samstagabend ein Spiel, das eher an Belagerungszustände erinnerte als an einen Verbandsliga-Alltag: Borussia Emsdetten marschierte in Nehren auf, schoss gefühlt im Minutentakt, und gewann am Ende völlig verdient - wenn auch denkbar knapp - mit 1:0. Das Ergebnis liest sich wie ein Arbeitssieg, die Statistiken erzählen aber eine ganze andere Geschichte: 23 Torschüsse der Gäste, ein einziger der Hausherren. Ballbesitz? 59 zu 41 Prozent. Tacklings? Ebenfalls zugunsten der Borussia. Nur beim Ergebnis blieb’s hauchdünn. Der SV Nehren hatte sich viel vorgenommen, Trainername unbekannt - vermutlich wollte er sich nach dem Abpfiff ohnehin unkenntlich machen - schickte seine Mannschaft in einer ausgewogenen Formation auf den Platz. Doch was als "balanciert" geplant war, sah spätestens nach zehn Minuten aus wie eine Dauerverteidigungsschlacht. Schon in der vierten Minute prüfte Emsdettens Stürmer Vicente Jorge erstmals Torhüter Eldar Repnew - der hielt, und das sollte er noch oft tun. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", schnaufte Nehrens Abwehrchef Jürgen Marx. "Der Junge hat ja geschossen, als gäbe es Punkte fürs Zielen." Tatsächlich feuerte Jorge allein neunmal in Richtung Kasten, stets mit jugendlicher Unbekümmertheit und der Schusskraft eines Presslufthammers. Doch der Ball wollte einfach nicht rein. Bis zur Pause blieb es beim 0:0, und die Fans der Gastgeber schöpften Hoffnung - vielleicht war ja das Glück heute auf ihrer Seite. Diese Hoffnung hielt genau bis zur 46. Minute. Kaum war der zweite Durchgang angepfiffen, da zappelte der Ball im Netz. Janis Walther, der 20-jährige Linksaußen der Borussia, hatte sich nach Pass von Davib Elliot durch die linke Strafraumkante getankt und unhaltbar vollendet. "Ich dachte, er spielt nochmal quer", grinste Elliot nach der Partie. "Aber Janis hat einfach draufgehalten - manchmal ist weniger Nachdenken eben mehr." Das Tor war die logische Konsequenz aus der Emsdettener Überlegenheit. Der SV Nehren kam in der Folge kaum noch über die Mittellinie. Der einzige zaghafte Versuch, den Keeper der Gäste, Humberto Pauleta, zu prüfen, kam in der 51. Minute - ein Weitschuss von Markus Arndt, der immerhin so gefährlich war, dass auf der Tribüne jemand leise "Ui!" rief. Danach war wieder Borussia-Zeit. Emsdetten kombinierte nach Belieben, blieb aber im Abschluss verschwenderisch. Vicente Jorge, der Pechvogel des Abends, scheiterte in der 60. und 89. Minute jeweils knapp. "Ich muss mir vielleicht neue Schuhe kaufen", murmelte er später, halb lachend, halb fluchend. Trainer Nico Wolf nahm’s gelassen: "Wenn du so viele Chancen hast, ist das eigentlich ein gutes Zeichen. Wir hätten halt auch 5:0 gewinnen können - oder 0:0 spielen. Das ist Fußball. Und Vicente? Der trifft nächste Woche dreimal, wetten?" Die Gastgeber verteidigten mit allem, was sie hatten - und manchmal etwas mehr. Markus Arndt sah bereits in der sechsten Minute Gelb, und manch einer wunderte sich, dass er das Spiel beenden durfte. "Ich hab mich einfach groß gemacht", verteidigte er sich nach Abpfiff und grinste schief. Für Emsdetten war’s am Ende ein Sieg, der weniger knapp war, als es das Resultat vermuten lässt. Die Gäste kontrollierten das Geschehen mit ruhiger Hand, ließen Ball und Gegner laufen und schraubten das Tempo nur dann hoch, wenn sie Lust hatten. Nehren dagegen kämpfte tapfer, aber planlos - und konnte sich bei Torhüter Repnew bedanken, dass die Niederlage nicht deutlicher ausfiel. "Wir wollten kompakt stehen und Nadelstiche setzen", erklärte ein erschöpfter Nehrener Mittelfeldmann, der sich nach dem Spiel lieber nicht namentlich zitieren ließ. "Leider war der einzige Nadelstich wohl beim Warmmachen." Während die Emsdettener ausgelassen vor ihrem mitgereisten Anhang jubelten, schlichen die Nehrener mit hängenden Köpfen in die Kabine. Kein Pfeifkonzert, kein Buhen - nur dieses leise, resignierte Murmeln eines Publikums, das wusste, dass man an diesem Abend einfach chancenlos war. Das Fazit? Borussia Emsdetten zeigt, dass man auch mit defensiver Grundordnung und geduldiger Ballzirkulation ein Spiel diktieren kann. SV Nehren zeigte, dass man mit 40 Prozent Ballbesitz und einem Schuss aufs Tor immerhin statistisch in der Partie bleibt. Und irgendwo zwischen diesen beiden Erkenntnissen stand der Schiedsrichter, der nach 93 Minuten freundlich abpfiff und wahrscheinlich dachte: "Na endlich." Emsdetten fährt mit drei Punkten zurück, Nehren bleibt mit der Erkenntnis zurück, dass Fußball manchmal nur ein anderer Ausdruck für Geduld ist. Oder, wie Trainer Wolf augenzwinkernd meinte: "Das war kein schönes Spiel - aber ein ehrliches." In der Verbandsliga J hat man schon schlechtere gesehen. 26.08.643996 11:18 |
Sprücheklopfer
Was soll ich mit den Spielern reden, ich bin doch kein Pfarrer.
Werner Lorant