Außenseiter
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Erfurter Effizienz zerschießt Hall - 1:5-Debakel unter Flutlicht

Ein kalter Februarabend, 3.214 Zuschauer im Haller Optima-Sportpark - und eine Lehrstunde in Sachen Effizienz: RW Erfurt zerlegte Schwäbisch Hall am 12. Spieltag der Oberliga H mit 5:1 (4:0). Schon nach einer halben Stunde war das Spiel entschieden, und die Heimfans konnten sich nur noch an der Stadionwurst wärmen.

Kaum hatte Schiedsrichter Bergmann angepfiffen, da zappelte der Ball schon im Netz. Vier Minuten waren gespielt, als Jannis Adler - der Mann mit der Ruhe eines Uhrmachers - eine Hereingabe von Lucas Scherer überlegt ins lange Eck schlenzte. Halls Torwart Lennard Gabriel streckte sich, aber es war vergeblich. "Wir waren noch beim Einlaufen, da stand’s schon 0:1", knurrte Halls Routinier Fynn Schmid später.

Und es sollte schlimmer kommen. In der 12. Minute wieder Adler, diesmal nach feiner Vorarbeit des 17-jährigen Dieter Greiner, der aussah wie aus einem Jugendcamp entsprungen, aber spielte wie ein alter Stratege. "Ich hab einfach das gemacht, was der Trainer gesagt hat: Den Ball zu Jannis bringen", grinste Greiner nach dem Spiel.

Erfurt spielte danach wie im Rausch. Schwäbisch Hall versuchte es zwar mit einer offensiven Grundordnung, aber was nützt Angriffslust, wenn der Gegner jeden Ball seziert wie ein Chirurg? In der 31. Minute durfte sich dann auch Diego Romero eintragen - der bullige Mittelstürmer drosch den Ball nach einem Freistoß aus 16 Metern unter die Latte. Drei Minuten später lag der Ball schon wieder gefährlich im Haller Strafraum, bevor Lucas Scherer in der 41. Minute das 0:4 markierte. Mancher Zuschauer fragte sich, ob er versehentlich ein Erfurter Heimspiel erwischt hatte.

"In der Kabine hab ich gesagt: Jetzt zeigen wir Charakter!", verriet Halls Trainer (der lieber anonym bleiben wollte). Zumindest der zweite Durchgang bot eine Spur Hoffnung. Tomas Dosek bekam in der 52. Minute Gelb - Symbol für den aufkeimenden Widerstand. Und dann, endlich, die 60. Minute: Der junge Friedrich Moll traf nach Vorarbeit von Finn Weise zum 1:4. Das Publikum jubelte, als hätte Hall gerade die Meisterschaft gewonnen. "Ich hab einfach draufgehalten", meinte Moll und grinste schüchtern.

Für eine Viertelstunde roch das Spiel nach Schadensbegrenzung. Doch Erfurt blieb gnadenlos effizient. In der 67. Minute zirkelte Edward Donovan den Ball aus 18 Metern ins linke Eck. Wieder hatte Adler den Pass gegeben, diesmal mit der Präzision eines Snookerspielers. "Wir wollten eigentlich defensiv stehen, aber die Jungs hatten einfach Spaß", sagte Erfurts Coach Mario Pingel und lachte.

Statistisch war’s nicht einmal eine totale Demütigung: Hall kam auf zehn Torschüsse, Erfurt auf 14. Auch beim Ballbesitz (43 zu 57 Prozent) war der Unterschied überschaubar. Nur - was die Gäste anfassten, wurde gefährlich. Und was Hall versuchte, endete meist im Niemandsland zwischen Mittellinie und Strafraum.

Ein kleiner Aufreger am Rande: Erfurts Lasse Brandt verletzte sich in der 36. Minute, musste raus, und der junge Andreas Kunze kam rein - eigentlich ein Stürmer, der sich rechts hinten wiederfand. "Ich wusste gar nicht, dass ich verteidigen kann", scherzte Kunze später. Offenbar konnte er.

Als der Schlusspfiff kam, sah man bei Schwäbisch Hall viele hängende Köpfe - und ein paar, die sich tapfer in den Arm nahmen. Fynn Schmid, 43 Jahre alt und kämpferisch wie eh und je, brüllte Richtung Tribüne: "Wir sind noch nicht tot!" Ein Satz, der es vielleicht in die Kabinenwand schafft.

Erfurt dagegen feierte mit seiner kleinen, aber lautstarken Anhängerschaft. Adler wurde zum Spieler des Abends gekürt - zwei Tore, ein Assist, und das Lächeln eines Mannes, der weiß, dass er heute alles richtig gemacht hat.

"Wir wollten von Anfang an zeigen, dass wir hier nicht zum Sightseeing sind", grinste Trainer Pingel. "Und wenn du in Hall vier Tore vor der Pause machst, dann darfst du auch mal zufrieden sein."

Für Schwäbisch Hall bleibt die Erkenntnis: Mut allein gewinnt keine Spiele. Aber immerhin - sie haben versucht, Fußball zu spielen. Und das ist in solchen Nächten ja schon die halbe Miete.

Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen murmelte: "Na gut, dann eben nächste Woche. Vielleicht ohne Erfurt."

04.10.643990 07:37
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