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Ein kalter Januarabend, Flutlicht, 2181 Zuschauer mit dampfendem Atem und heißem Glühwein - die perfekte Kulisse für ein Landesliga-Duell, das zumindest auf dem Papier ausgeglichen wirken sollte. Doch was TuS Erndtebrück beim FC Isny ablieferte, war ein Muster an Effizienz - und an jugendlicher Frechheit. Mit 2:0 (1:0) siegten die Gäste aus dem Siegerland am 7. Spieltag der Landesliga 20 und ließen die Allgäuer ratlos zurück. Dabei war der FC Isny optisch überlegen: 56 Prozent Ballbesitz, fast doppelt so viele Pässe wie der Gegner - aber was nützt das alles, wenn vorne nichts Zählbares herausspringt? Ganze zwei Torschüsse brachte die Mannschaft zustande. "Wir hatten viel Ball, aber irgendwie nie den Mut, ihn auch mal in die gefährliche Zone zu spielen", seufzte Kapitän Maik Kessler nach der Partie, "es war wie ein Tanz ohne Rhythmus." TuS Erndtebrück dagegen spielte, als hätten sie das Drehbuch schon vorher studiert. Bereits in der 23. Minute klingelte es: Der 20-jährige Iban Niguez, flink wie ein Wiesel und mit dem Selbstvertrauen eines Spielers, der noch nie etwas von Nervosität gehört hat, vollendete eine Hereingabe von Max Bender eiskalt zum 0:1. Während die Isnyer Verteidigung noch überlegte, ob das wohl Abseits gewesen sein könnte, jubelte Erndtebrück schon in der eigenen Hälfte. Von da an war klar, wer hier die Musik spielte - und es war nicht der Gastgeber. Immer wieder rollten Angriffe über die schnellen Flügel. Besonders der 17-jährige Mika Aaltonen sorgte mit seinen Läufen über rechts für Unruhe. "Der Junge hat Beine wie Propeller", grinste Gästetrainer Sigurd Stuhl nach dem Spiel. "Ich hab ihm gesagt, er soll einfach rennen, bis er die Eckfahne küsst - hat funktioniert." Im Gegensatz dazu wirkte Isny zunehmend ideenlos. Die Pässe liefen zwar ordentlich, doch im letzten Drittel fehlte der Biss. Der beste Angriff der Hausherren kam in der 64. Minute, als Maik Kessler aus 20 Metern abzog - aber TuS-Keeper Felipe Villar war auf dem Posten. Auch Elias Freitag versuchte es später noch aus spitzem Winkel (68.), doch wieder hieß der Sieger des Duells Villar. Und so kam es, wie es kommen musste: In der 78. Minute machte der nächste Youngster den Sack zu. Michael Herrmann, ebenfalls zarte 20 Jahre alt, stand nach Vorlage des eingewechselten Robin Keil goldrichtig und drückte den Ball über die Linie. 0:2 - die Entscheidung. Danach wurde es ruppiger. Der schon verwarnte Rechtsverteidiger Daniel Erdmann sah in der 84. Minute Gelb-Rot, nachdem er etwas zu beherzt in einen Zweikampf gegangen war. "Er wollte wohl zeigen, dass er auch kämpfen kann", kommentierte Trainer Stuhl trocken. Dennoch brachte seine Mannschaft den Sieg souverän über die Zeit - selbst in Unterzahl blieben sie gefährlicher als der FC Isny mit elf Mann. "Wenn du 16 Torschüsse hast und der Gegner zwei, dann darfst du dich über das Ergebnis wirklich nicht beschweren", resümierte Stuhl, der mit verschränkten Armen und zufriedener Miene auf die Anzeigetafel blickte. Auf der anderen Seite stand ein sichtlich frustrierter Isny-Coach (dessen Name sich in den offiziellen Unterlagen überraschend verliert) und murmelte: "Wir trainieren das Passspiel, aber vielleicht sollten wir mal das Toreschießen üben." Am Ende blieb den Zuschauern nur der Trost, dass es wenigstens keine langweilige Nullnummer war. Ein paar Fans riefen beim Abpfiff noch aufmunternd: "Kopf hoch, Jungs!", woraufhin ein Spieler nur zurückrief: "Ja, aber bitte nicht zu weit, sonst sehen wir die Tore von Erndtebrück wieder!" So verabschiedete sich der FC Isny an diesem Abend mit hängenden Köpfen, während die Gäste ausgelassen im Kreis tanzten. Zwei Tore, drei Punkte, ein Platz im oberen Tabellendrittel - und das Gefühl, dass hier eine junge Truppe gerade anfängt, richtig Spaß am Gewinnen zu finden. Fazit: TuS Erndtebrück war nicht die bessere Ballbesitzmannschaft, aber die klar bessere Fußballmannschaft. Und so bleibt nach einem kalten Winterabend in Isny nur eine Erkenntnis - Schönheit mag im Auge des Betrachters liegen, aber Tore zählen auf der Anzeigetafel. 29.03.643987 13:49 |
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Wir spielen hinten Mann gegen Mann, und ich spiel gegen den Mann.
Olaf Thon