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Europaliga | Gruppenrunde - 1. Spieltag | 23.09.26 | Roda Kerkrade - 1. FC Eschborn 2:3 Roda Kerkrade hatte mehr Ballbesitz, mehr Kontrolle und vermutlich auch mehr Gründe, sich später über den Fußball zu beschweren. 58,9 Prozent der Spielzeit lag der Ball bei der Mannschaft von Lotthar Matthaeus. Genützt hat es nur bedingt. Eschborn kam mit 41,1 Prozent aus, dafür aber mit einer bemerkenswerten Mischung aus langen Bällen, Flügelspiel und der Erkenntnis, dass Tore bekanntlich nicht nach Ballbesitzpunkten vergeben werden. Schon nach einer Minute prüfte Jaime de Villota den Kerkrader Torwart Michel Halse. Ein Warnschuss, der offenbar höflich überhört wurde. In der 17. Minute war de Villota erneut zur Stelle und brachte Eschborn nach Vorlage von Peter Penksa mit 1:0 in Führung. Der Mittelstürmer bewegte sich im Strafraum so ungestört, als hätte er dort einen reservierten Tisch. Roda antwortete mit Wut und gelegentlich mit Fußball. Gerrit Houghtailing versuchte es mehrfach aus dem Mittelfeld, Zvonimir Trkulja war auf der rechten Seite auffällig. In der 38. Minute belohnte sich Kerkrade: Trkulja traf nach Zuspiel von Savo Vukomanovic zum 1:1. Die Gastgeber hatten bis zur Pause zehn Torschüsse gesammelt, Eschborn sieben - und dennoch war die Partie völlig offen. "Wir wollten ruhig bleiben, aber ruhig ist im Fußball manchmal nur ein anderes Wort für nervös", sagte Roda-Trainer Lotthar Matthaeus später sinngemäß. Auf der Tribüne wurde derweil bereits diskutiert, ob das Spiel eher nach Taktik oder nach einem schlecht gesicherten Feuerwerk aussah. Nach dem Seitenwechsel erhöhte Eschborn den Druck. Trainer Yas Sin ließ seine Mannschaft nun aktiver pressen, während Kerkrade weiter ausgewogen agierte und bei Rückstand auf situatives Pressing setzte. Das klang auf dem Papier vernünftig. Auf dem Rasen war es vor allem anstrengend. In der 57. Minute schlug Trkulja erneut zu. Nach Vorlage von Gregor Van Buren drehte der rechte Angreifer die Partie zum 2:1 für Roda. "Ich habe den Ball gesehen und gedacht: Wenn nicht jetzt, wann dann?", erklärte Trkulja mit jener Bescheidenheit, die Fußballer entwickeln, wenn sie gerade doppelt getroffen haben. Doch Eschborn ließ sich nicht abschütteln. Tomasz Buchholz, der zuvor bereits mehrfach gefährlich aufgetaucht war, traf in der 64. Minute nach Vorarbeit von Harry Washington zum 2:2. Kerkrade hatte nun zwar weiter mehr vom Spiel, Eschborn aber die klarere Vorstellung davon, wohin die Reise gehen sollte. Die Schlussphase wurde zur Geduldsprobe. Insgesamt verzeichnete Roda zehn Torschüsse, Eschborn elf. Dazu kamen gelbe Karten für Jouke De Graff und Adrian Dziekanowski. Die Gäste wechselten in der 90. Minute gleich dreimal und brachten unter anderem Niclas Reimann. Ein durchaus mutiger Schritt - und einer, der sich auszahlen sollte. In der 95. Minute traf Reimann nach Vorlage von Jannis Stephan zum 3:2. Der 18-Jährige schickte 58.811 Menschen in einen kollektiven Schockzustand und Eschborn in den Freudentaumel. "Wir haben bis zum Ende daran geglaubt", sagte Sin anschließend. Das ist der Satz, den Trainer nach späten Siegen sagen müssen. Diesmal stimmte er sogar. Roda hatte den Ball, Eschborn hatte den letzten Gedanken. Im Europapokal ist das manchmal der entscheidende. 23.09.2026 22:37 |
Sprücheklopfer
Man muss feststellen, dass der Spruch auch nicht mehr stimmt, dass der Schütze nicht selber schießen soll. Ich stelle fest, dass der Schütze sehr wohl den Elfmeter selber schießt.
Günter Netzer