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Eschborns wilde Europaliga-Nacht endet 3:3 - trotz Rot und Rückstand

Europaliga | Play-offs - Hinspiel | 29.08.26 | 1. FC Eschborn - Fenehrbace 3:3

Was für ein Europaliga-Abend im 1. FC Eschborn: 63.600 Zuschauer sahen im Play-off-Hinspiel gegen Fenehrbace sechs Tore, eine Rote Karte, zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten und ein Ergebnis, das sich lange nach Niederlage anfühlte. Am Ende stand ein 3:3 (0:1) - im Fußball manchmal die elegante Umschreibung für: Niemand wollte aufhören.

Dabei begann der Abend für Eschborn mit reichlich Ball und erstaunlich wenig Belohnung. Die Gastgeber kamen im ersten Durchgang auf zahlreiche Abschlüsse, fanden aber entweder in Fenehrbaces Torwart Lucas Chevalier ihren Meister oder im eigenen Zielwasser nur noch einen trockenen Schwamm. Fenehrbace überließ Eschborn mit 44,6 Prozent Ballbesitz bewusst den größeren Spielanteil, blieb aber mit langen Bällen und schnellen Gegenstößen gefährlich.

Jacob Holz, Harry Washington, Olivier Barre und Adamantios Manos prüften die Gästeabwehr früh. Barre hatte gleich mehrfach die Gelegenheit, den Abend in geordnete Bahnen zu lenken. Doch Fenehrbace spielte nach dem Motto "Wenn schon nicht lange kombinieren, dann wenigstens schnell schießen" - und lag kurz vor der Pause vorn.

In der 44. Minute traf Zihni Tanman nach Vorarbeit von Demir Bulut zum 0:1. Eschborn hatte mehr vom Spiel, Fenehrbace das Tor. Eine alte Fußballweisheit, die regelmäßig so lange zitiert wird, bis niemand mehr nach der Logik fragt.

"Wir hatten den Ball, aber Fenehrbace hatte offenbar den Taschenrechner", hätte Eschborns Trainer Yas Sin die erste Hälfte sinngemäß zusammenfassen können. Tatsächlich musste sein Team nach der Pause nicht nur einem Rückstand hinterherlaufen, sondern auch in Unterzahl weiterspielen: Peter Penksa sah in der 50. Minute die Rote Karte.

Und dann wurde es richtig ungemütlich. In der 54. Minute erhöhte Innenverteidiger Doruk Tekin nach Zuspiel von Gökhan Karaman auf 0:2. Fenehrbace kontrollierte nun mit 55,4 Prozent Ballbesitz das Geschehen und schien den Abend gegen zehn Eschborner sorgfältig einzupacken. Auf der Tribüne dürfte mancher Anhänger bereits nach dem Rückspieltermin gesucht haben - oder nach einem ruhigen Ort.

Doch Eschborn hatte andere Pläne. In der 67. Minute brachte Javier Iniguez die Gastgeber nach Vorlage von Washington zurück ins Spiel. Kaum war der Jubel verklungen, schlug Fenehrbace erneut zu: Onur Kas stellte nur eine Minute später nach Vorlage von Tanman auf 1:3. Wer an diesem Punkt noch an einen gemütlichen Fußballabend glaubte, hatte vermutlich auch schon einmal versucht, einen Einkaufswagen mit nur einem Rad zu lenken.

Eschborn antwortete sofort. Olivier Barre, der zuvor mehrere Chancen ausgelassen hatte, belohnte sich in der 73. Minute mit dem 2:3. Ethan Marley lieferte die Vorarbeit. Der Mittelstürmer war damit nicht nur der gefährlichste Eschborner, sondern auch der Mann, der bewies, dass Geduld im Fußball manchmal einfach bedeutet, zwölf Minuten länger zu warten.

Fenehrbace blieb gefährlich, Eschborn warf trotz Unterzahl alles nach vorn. Insgesamt verzeichneten die Gastgeber 14 Torschüsse, die Gäste 13. Die Zweikampfquoten lagen mit 49,9 zu 50,1 Prozent praktisch gleichauf - ein statistisches Unentschieden, das zum emotionalen Chaos passte.

In der 90. Minute belohnte sich Eschborn schließlich für seine Aufholjagd: Linus Fritsch traf nach Vorlage von Harry Washington zum 3:3. Trainer Hansi Flick durfte sich auf der Fenehrbace-Bank vermutlich fragen, ob eine Zwei-Tore-Führung inzwischen eigentlich als gefährliche Sportart gilt.

"Wir haben Charakter gezeigt und uns nicht selbst bemitleidet", lautete Sins sinngemäßes Fazit. Flick hätte die Partie ebenso sinngemäß wohl als "unnötig spannend" bezeichnet. Für das Rückspiel ist jedenfalls alles offen. Und nach dieser Nacht wäre es geradezu unhöflich, etwas anderes zu erwarten.

29.08.2026 19:48
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