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Ein lauer Sommerabend in La Plata, 63.960 Zuschauer im Stadion, ein leicht vibrierender Rasen - und ein Spiel, das zunächst ganz anders begann, als es endete. Estudiantes La Plata gewann am 8. Spieltag der 1. Liga Argentiniens mit 4:1 gegen die Newells Men, doch die ersten Minuten ließen darauf wirklich nicht schließen. Denn die Gäste starteten furios. Schon in der 8. Minute packte Humberto Veloso einen satten Schuss aus, der sich wie ein rasiermesserscharfer Pfeil ins rechte Eck bohrte. "Ich dachte, er fliegt drüber", meinte ein verdutzter Estudiantes-Fan auf der Tribüne, bevor er die Hände über dem Kopf zusammenschlug. 0:1 - und Trainer Roman Pilgram stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, als wollte er gerade die Inventur der eigenen Abwehr starten. Doch die Antwort der Hausherren ließ nicht lange auf sich warten. In der 24. Minute setzte sich Rechtsverteidiger Nicola Uffugo auf seiner Seite durch, flankte scharf in den Strafraum, und Paulo Galindo drosch den Ball kompromisslos unter die Latte. 1:1 - und die Tribünen explodierten. "Das war der Klickmoment", sagte Galindo später, "ab da wussten wir, dass wir sie knacken können." Nur sieben Minuten später legte Innenverteidiger Harald Erichsen nach. Nach einer Ecke stieg er höher als alle anderen und köpfte den Ball humorlos ein. "Ich bin ja eigentlich kein Kopfball-Ungeheuer", grinste Erichsen nach dem Spiel, "aber manchmal vergisst man das einfach." Das 3:1 fiel noch vor der Pause, in der 40. Minute, als Lauritz Sleeper, der Name ist übrigens Programm, einen blitzschnellen Angriff eiskalt abschloss. Flanke von Tiburtius Karlson, Direktabnahme Sleeper - Tor. "Das war wie aus dem Lehrbuch", lobte Trainer Pilgram später. Zur Halbzeit stand es also 3:1, und Newells-Trainer Stefan Liebe wirkte, als würde er gerade einen besonders komplizierten Sudoku lösen. Er wechselte doppelt, brachte Sasa Seric und den jungen Miguel Sousa, doch der Plan, das Spiel zu drehen, verpuffte. Zwar kamen die Gäste zu insgesamt 11 Torschüssen (Estudiantes hatte 12), doch die meisten landeten irgendwo zwischen Oberrang und Fangnetz. Der Ballbesitz war mit 54 Prozent für Estudiantes leicht ausgeglichen, aber die Gastgeber machten einfach mehr daraus. In der 66. Minute sorgte der eingewechselte Sergio Bergantinos mit einem satten Linksschuss für den endgültigen Knockout. Paulo Costa hatte den Ball clever durchgesteckt, und Bergantinos vollendete trocken zum 4:1. Danach war die Partie im Prinzip entschieden. Estudiantes ließ den Ball laufen, spielte kurz und sicher, während Newells Men zunehmend auf Schadensbegrenzung bedacht war. Nur einmal, in der 87. Minute, wurde es noch gefährlich, als Humberto Veloso erneut abzog - diesmal aber scheiterte er an Keeper Agustin Roy, der die Kugel mit einer spektakulären Parade über die Latte lenkte. In der 90. Minute durfte dann auch noch Nachwuchsspieler Kimon Georgiadis ran, der prompt einen satten Distanzschuss abfeuerte - knapp vorbei, aber mit viel Applaus bedacht. Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 4 Tore, 12 Abschlüsse, 54 Prozent Ballbesitz, 50 Prozent gewonnene Zweikämpfe - und eine Mannschaft, die einfach wacher, williger und cleverer war. "Wir haben heute unsere Chancen gnadenlos genutzt", sagte Trainer Pilgram nach dem Spiel. "Und ehrlich gesagt: Ich wünschte, das könnten wir jede Woche so machen." Newells-Coach Liebe dagegen zeigte sich zerknirscht: "Wir haben gut angefangen, dann aufgehört, Fußball zu spielen. Estudiantes war ab der 20. Minute einfach galliger." Auf die Frage, was er seinen Spielern in der Kabine gesagt habe, grinste Liebe: "Dass sie aufhören sollen, Harmlosigkeit mit Fairness zu verwechseln." Und tatsächlich, fair war es: Nur zwei Gelbe Karten - Fernando Agirre (34.) und Samuel Stack (50.) - mehr Aufregung gab es da nicht. Als das Stadion sich leerte, klatschten die Fans noch minutenlang. Ein älterer Zuschauer fasste es treffend zusammen: "Am Anfang dachte ich, das wird ein langer Abend. Am Ende war’s ein Fest." Ein Fest - und vielleicht ein kleiner Wendepunkt für Estudiantes La Plata. Denn nach diesem 4:1 wird man in Argentinien wieder genauer hinschauen, wenn sich die Rot-Weißen anschicken, ihre Gegner im eigenen Stadion in Grund und Boden zu spielen. Oder, wie Kapitän Sleeper es auf den Punkt brachte: "Wir sind eben aufgewacht - und das zur richtigen Zeit." 10.04.643987 01:50 |
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