De Standaard
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Eupen trotzt Club Lüttich: Ein 2:2, das nach mehr schmeckte

Es war einer dieser belgischen Fußballabende, an denen selbst der Regen Respekt zeigte und pünktlich zum Anpfiff verschwand - wohl wissend, dass auf dem Rasen ohnehin genug Drama geboten würde. Vor 36.771 Zuschauern im Kehrwegstadion trennten sich Eupen und der Club aus Lüttich mit einem spektakulären 2:2 (1:2). Das Resultat liest sich wie ein Kompromiss, fühlte sich aber an wie ein kleiner Sieg für die Gastgeber und eine verpasste Chance für die Gäste.

Schon nach sechs Minuten war der Eupener Anhang aus dem Häuschen: Arnaud Nuyts, der flinke Linksaußen, zog nach einem beherzten Sprint über die linke Seite ab und versenkte den Ball im langen Eck. Assistgeber Michiel Staes grinste später: "Ich wollte eigentlich flanken, aber Arnaud dachte wohl, meine Flanken sind Schüsse. Hat ja funktioniert."

Doch wer glaubte, das würde ein geruhsamer Abend für Eupen, hatte die Rechnung ohne Club Lüttich gemacht. Keine zehn Minuten später glich Robbe Dierickx aus - nach feiner Vorarbeit von Robin Deconinck, der das Mittelfeld überbrückte, als wäre es ein Trampolin. Und in der 34. Minute drehte Joaquin Garcia das Spiel, als er einen Querpass von Agemar Brito eiskalt verwertete. "Wir haben die Partie da im Griff gehabt", sagte Lüttich-Trainer Dan Schmitz später, "aber dann kam wieder dieser Eupener Widerspenstigkeitstrieb."

Denn kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, hatte Eupen wieder was dagegen. Fabio Sa Pint, der schon in der ersten Hälfte an Torwart Florent Van Achte verzweifelt war, traf in der 46. Minute - erneut nach Vorlage von Michiel Staes, der damit seine zweite Torbeteiligung des Abends verbuchte. Der Jubel war ohrenbetäubend, und Trainer Andre Keller brüllte an der Seitenlinie: "Genau so wollten wir aus der Kabine kommen!"

Danach wurde es hitzig. Lüttich hatte mehr Ballbesitz (57 Prozent) und versuchte, das Spiel zu beruhigen. Eupen hingegen spielte mit offenem Visier - und verlor in der 75. Minute einen seiner Besten: Michiel Staes musste nach Gelb-Rot vom Platz. "Ich hab nur gesagt, dass der Schiri auch mal pfeifen darf", verteidigte sich Staes später mit einem schiefen Lächeln. Keller dagegen sah es pragmatisch: "Michiel hat heute zwei Assists geliefert und zwei Karten kassiert - das nennt man wohl eine ausgeglichene Bilanz."

Trotz Unterzahl stemmte sich Eupen gegen die drohende Niederlage. Torhüter Paul Fortin wurde mehrmals zum Retter in höchster Not, besonders in der 80. Minute, als Joaquin Garcia erneut gefährlich abschloss. Fortin wischte den Ball mit den Fingerspitzen an den Pfosten - und schrie danach seine Abwehr zusammen, als hätte er gerade eine Steuerprüfung bestanden.

In den Schlussminuten folgte der große Schlagabtausch. Eupen wechselte in der 90. Minute doppelt: Cedric Vermeirsch und Gauthier DeHooghe kamen für die letzten Meter. "Ich wollte einfach frische Beine - und vielleicht ein Wunder", kommentierte Keller trocken. Lüttich hatte indes noch Chancen durch Arne De Vooght (90.) und Robin Deconinck (94.), aber der Ball wollte nicht mehr rein. Und als in der 96. Minute Arnaud Nuyts mit seinem letzten Schussversuch des Abends knapp scheiterte, war klar: Dieses Spiel hatte keinen Verlierer verdient.

Die Statistik spricht für Lüttich - mehr Ballbesitz, leicht bessere Passquote -, aber Eupen hatte das Herz. 13 Torschüsse der Hausherren gegen 11 der Gäste, ein Platzverweis, zwei Traumkombinationen und ein Publikum, das keine Sekunde stillhielt. "Wenn wir immer so spielen, brauchen wir bald größere Tribünen", witzelte Keller nach Abpfiff.

Schmitz hingegen wirkte nachdenklich: "Wir hatten das Spiel in der Hand. Doch Eupen hat uns mit Leidenschaft überrollt. Vielleicht muss ich meinen Jungs beibringen, dass Leidenschaft auch eine Taktik ist."

Ein Abend, der keinem Tabellenrechner gerecht wird, aber jedem Fußballromantiker ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Zwei Teams, die sich nichts schenkten, ein Schiedsrichter, der wohl besser ein dickes Fell trug, und ein Publikum, das 90 Minuten lang zeigte, warum Fußball in Eupen mehr ist als nur ein Spiel.

Oder, wie es ein Fan beim Herausgehen treffend sagte: "Zwei Tore, ein Platzverweis, und keiner hat verloren - das ist doch fast schon belgische Lebenskunst."

19.11.643999 12:05
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Ich denke, dass man stolz sein kann auf die Leistung von Schalke 04, wegen der Leistung.
Andreas Möller
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