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Es war einer dieser kalten Januarabende, an denen der Atem gefriert und der Ball sich anfühlt wie ein Betonklotz - also beste Bedingungen für eine Partie in der Landesliga 30. 2168 Zuschauer fanden sich im Mehringer Stadion ein, um zu sehen, ob der SV Mehring seinem Ruf als heimstarkes Team gerecht werden würde. Am Ende mussten sie jedoch frierend zusehen, wie der BFC Viktoria mit einem knappen, aber verdienten 1:0-Erfolg alle drei Punkte entführte. Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt, aber der Teufel steckt wie immer im Detail. In der 28. Minute war es der 19-jährige Evan Densham, der die Partie entschied. Nach einem feinen Pass seines Mannschaftskollegen Leon Witte zimmerte Densham den Ball aus halblinker Position flach ins rechte Eck. Mehrings Keeper Jonas Hennig streckte sich vergeblich. "Ich hab’ gesehen, dass er kurz zögert, und da wusste ich: jetzt oder nie", grinste Densham später in die Kameras, als hätte er gerade ein Champions-League-Finale entschieden. Dabei hatte Mehring gar nicht so schlecht begonnen. Raphael Reuter prüfte früh den Viktoria-Schlussmann Leandro Vaz (14.), Klaus Kroll setzte kurz darauf einen Schuss nur knapp vorbei (29.). Doch was nützen fünf Torschüsse, wenn die Präzision fehlt? Trainer des Heimteams, der sich nach dem Abpfiff mit verschränkten Armen in die Kabine zurückzog, murmelte auf Nachfrage nur: "Wir hätten heute wohl noch Stunden weiterspielen können - das Tor stand uns einfach nicht." Viktoria dagegen spielte abgeklärt, fast schon unaufgeregt. 13 Torschüsse, gut 52 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfbilanz, die für die Gäste sprach (55 Prozent gewonnen) - das sind Zahlen, mit denen man auswärts bestehen kann. Coach Carsten Schmidt, sonst eher ein Mann der leisen Worte, lobte sein Team ausdrücklich: "Die Jungs haben das sehr diszipliniert gemacht. Wir wollten kein Spektakel, sondern Punkte. Und das hat geklappt." Besonders auffällig agierte Leon Witte, der Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld. Er war an fast jeder gefährlichen Aktion beteiligt, traf Latte, Gegner und schließlich auch das Notizbuch des Schiedsrichters: In der 85. Minute sah er Gelb für ein taktisches Foul. "Ich wollte nur das Spiel beruhigen", sagte der 19-Jährige hinterher mit einem unschuldigen Blick, der selbst den vierten Offiziellen kurz hätte schwach werden lassen. SV Mehring kämpfte, keine Frage. Lars Martens und der junge Harald Merz versuchten nach der Pause, mit Distanzschüssen den Ausgleich zu erzwingen (59. und 60. Minute), doch Leandro Vaz blieb standhaft. Die Defensive der Gäste, angeführt vom robusten Tyler Lineback, ließ kaum etwas zu. "Wenn’s hinten brannte, war Tyler da - und wenn nicht, hat er’s brennen lassen, damit er was zu tun hat", witzelte Schmidts Co-Trainer nach dem Spiel. Die Mehringer Defensive dagegen hatte einen bitteren Abend. Herbert Klein sah in der 73. Minute Gelb, nachdem er den schnellen Marc Geissler an der Seitenlinie nur noch per Griff ans Trikot stoppen konnte. "Wenn der Junge so weiterläuft, muss man ihn irgendwann mit einer Eintrittskarte aufhalten", kommentierte Klein später mit einem Schmunzeln. Taktisch blieb alles beim Alten - beide Teams spielten über weite Strecken ausgeglichen, ohne extremes Pressing oder waghalsige Vorstöße. Es war Fußball der disziplinierten Art, gewürzt mit jugendlichem Elan auf Viktoria-Seite und routinierter Härte auf Mehringer Seite. Als der Schlusspfiff ertönte, atmeten die Gäste laut auf, während auf den Rängen leises Murren zu hören war. "Ein Tor zu früh, ein paar Ideen zu spät", brachte es ein Mehring-Fan neben der Pressetribüne auf den Punkt. In der Kabine des SV Mehring klirrten Wasserflaschen, während bei Viktoria leise Jubelrufe aus der Dusche drangen - offenbar hatte jemand den Sieg schon in Gesang umgewandelt. Unterm Strich blieb ein Spiel, das keinem den Atem raubte, aber Viktoria drei wertvolle Punkte bescherte. Mehring hingegen muss weiter auf den ersten Heimsieg des Jahres warten. Vielleicht sollte man beim nächsten Mal einfach früher schießen - oder gleich Evan Densham verpflichten. Und so ging dieser frostige Landesliga-Abend mit einem leisen, aber klaren Fazit zu Ende: Wer das einzige Tor macht, darf frieren und trotzdem lächeln. 06.03.643987 07:48 |
Sprücheklopfer
Ich hätte auch woanders ins Ausland gehen können.
Torsten Legat nach Bekanntgabe seines Wechsels zu Eintracht Frankfurt