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Manchmal erzählt ein Fußballspiel mehr über menschliche Psychologie als ein ganzes Psychologiestudium. 37.607 Zuschauer in Vorst sahen am Sonntagabend, wie Excelsior Vorst den SV Hamme in seine Einzelteile zerlegte - 4:0 hieß es am Ende, und das war noch schmeichelhaft. Schon nach sieben Minuten war klar, wohin die Reise geht. Henry Long, der Mann mit der Ruhe eines Uhrmachers, verwandelte den ersten Vorstoß nach Vorlage von Pierre Marceau trocken ins Netz - 1:0. "Ich dachte erst, der Ball sei zu scharf gespielt", grinste Long später, "aber Pierre hat ihn genau so gewollt. Sagt er zumindest." Trainer Daniel Stapfer stand an der Seitenlinie und nickte zufrieden, als hätte er gerade bestätigt bekommen, dass sein Plan, die Gäste mit frühem Druck zu überrollen, Früchte trägt. Hamme dagegen schien schon da zu ahnen, dass es ein langer Abend werden würde. Der einzige ernsthafte Torschuss der Gäste - in der 24. Minute durch Rastislav Vencel - landete brav in den Armen von Vorst-Keeper Lionel Manu, der sich danach demonstrativ die Handschuhe abklopfte, als wolle er sagen: "Danke, endlich durfte ich auch mal mitspielen." Die ersten 45 Minuten gehörten komplett Excelsior. 22 Torschüsse insgesamt, 50,6 Prozent Ballbesitz, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe - und trotzdem "nur" ein Tor. "In der Pause hab ich den Jungs gesagt, sie sollen einfach weitermachen", erzählte Stapfer später. "Ich hatte keine Angst, dass Hamme plötzlich zaubern würde." Zaubern tat dann tatsächlich einer - aber in Blau und Weiß. Gleich nach Wiederbeginn, in der 47. Minute, nahm Lewis Beaulieu einen Querpass von William Van den Eeden direkt - 2:0. Zwei Minuten später tanzte derselbe Beaulieu durch den Strafraum wie ein junger Ballerino und schob auch das 3:0 ein, diesmal nach feinem Zuspiel von Martin Figo. "Ich wusste gar nicht, dass ich zwei Beine habe, bis ich das zweite Tor geschossen habe", lachte Beaulieu nach dem Spiel. Der Rest war Schaulaufen. Hamme wirkte, als hätte jemand die Batterien aus der Mannschaft genommen. Kein Pressing, kein Aufbäumen, kein Plan B. Die Gäste hielten formell an ihrer "offensiven" Ausrichtung fest - auf dem Platz erinnerte das aber eher an einen Betriebsausflug mit falscher Adresse. In der 67. Minute schließlich setzte Maxim Ingels den Schlusspunkt. Nach schöner Vorarbeit von Linksverteidiger Julio Nene drosch er den Ball kraftvoll unter die Latte - 4:0, der Endstand. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Ingels, "der Ball wollte rein, und ich wollte Feierabend." Danach wechselte Stapfer munter durch, gönnte Long, Marceau und Viana eine Pause. Von Hamme kam nichts mehr außer ratlosen Blicken. Der Gästetrainer - namentlich in den Unterlagen nicht vermerkt, vielleicht auch besser so - stand mit verschränkten Armen da, als überlege er, ob Flucht nach vorn oder Rücktritt die bessere Option wäre. Nach dem Schlusspfiff jubelte das Team von Excelsior ausgelassen mit den Fans. 22 Torschüsse, vier Tore, kein Gegentor - ein Statement. Man merkte, dass hier eine Mannschaft mit Selbstvertrauen spielt. Stapfer fasste es trocken zusammen: "Wir haben heute gezeigt, dass wir nicht nur schön spielen, sondern auch treffen können. Das ist ja im Fußball nicht ganz unwichtig." Und Hamme? Der SV schleicht mit einer einzigen Torchance im Gepäck zurück nach Hause. "Wir müssen das abhaken", murmelte Mittelfeldroutinier Vencel, "Vorst war einfach zu gut. Oder wir zu nett." Vielleicht beides. Wenn man ehrlich ist, war das kein Spiel zweier gleichwertiger Teams, sondern eine Lehrstunde in Effizienz und Organisation. Excelsior spielte mit einem offensiven, aber kontrollierten Stil - kein wildes Pressing, keine Hektik, einfach sauberes Passspiel (balanciert, wie es in den Taktikstatistiken so schön heißt) und präzise Abschlüsse. Die Fans verabschiedeten die Mannschaft mit stehenden Ovationen. Einer rief noch laut über die Tribüne: "Stapfer for President!" - worauf der Coach lachend zurückwinkte. "Ich bleib lieber Trainer", sagte er später. "Da kann ich wenigstens selbst bestimmen, wer spielt." Am Ende bleibt ein klarer Sieg, ein überragender Beaulieu, ein souveräner Henry Long - und ein SV Hamme, der vermutlich froh ist, dass Fußballspiele nicht nach Anzahl der gelaufenen Meter bewertet werden. Nächste Woche darf Excelsior auswärts ran. Wenn sie diesen Rhythmus halten, werden bald auch größere Namen in Belgien nervös auf die Tabelle blicken. Und Hamme? Nun ja - vielleicht sollte man dort beim nächsten Training einfach mal mit einem Ball beginnen, der nicht sofort verloren geht. 22.02.643987 20:22 |
Sprücheklopfer
Kritik macht mich nur noch stärker. Wenn mich in Dortmund von 55 000 Zuschauer 50 000 hassen, mir am liebsten ein Bein abhacken würden, mich mit 'Arschloch' begrüßen, dann fühle ich mich wie Arnold Schwarzenegger gegen den Rest der Welt. Das ist geil für mich.
Mario Basler