La Hora
+++ Sportzeitung für Ecuador +++

Expreso Cuenca zerlegt Sporting Audaz mit 9:0 - eine Lehrstunde in Effizienz

Wenn ein Fußballspiel zur Lehrveranstaltung wird, dann war das am 1. März in der 1. Liga Ecuador der Fall. Vor exakt 20.000 Zuschauern, die zwischen Fassungslosigkeit und Galgenhumor schwankten, wurde Sporting Audaz von Expreso Cuenca mit 0:9 (0:4) demontiert. Und das Ergebnis ist nicht einmal schmeichelhaft.

Schon nach fünf Minuten begann das Unheil. Francisco Chalana, der quirlig-schnelle Linksaußen Cuencas, zog nach einem feinen Zuspiel von Sergio Rueda ab - 0:1. Drei Minuten später durfte Nuno Hernan nach Vorarbeit desselben Rueda einschieben. Das Publikum seufzte, der Stadionsprecher nannte den Torschützen mit einer Stimme, als müsse er eine schlechte Nachricht verkünden.

"Ich dachte, der Ball sei schon draußen", rechtfertigte sich Audaz-Keeper Felipe Villar später mit einem gequälten Lächeln. Leider war er nicht draußen - und auch nicht der nächste, der nach 15 Minuten einschlug: wieder Chalana, diesmal nach Doppelpass mit Hernan. 0:3, und die Fans von Sporting griffen erstmals zu Ironie: "Wir wollen zweistellig!", rief jemand aus Block D.

Das 0:4 fiel noch vor der Pause - der 17-jährige Pol Postiga, der aussieht wie ein Schuljunge, aber schießt wie ein Weltstar, traf nach Vorarbeit von Filipe da Costa. Trainer Dierk Nordi von Expreso Cuenca blieb trotz des Spektakels stoisch an der Seitenlinie. "Ich wollte, dass sie konzentriert bleiben. Wir wissen, dass Fußball grausam sein kann, wenn man nachlässt", sagte er später, ohne jede Spur von Überheblichkeit.

Nach der Pause wurde es nicht besser - für Sporting eher schlimmer. Hernan legte in der 62. Minute nach, Postiga erhöhte fünf Minuten später auf 0:6. Das Duo Chalana-da Costa legte noch einmal nach (69.), und als Chalana in der 74. Minute seinen vierten Treffer des Abends erzielte, applaudierten sogar einige Audaz-Fans. "Wenn du schon untergehst, dann wenigstens gegen so einen Künstler", kommentierte einer resigniert.

Expreso Cuenca spielte in einer Leichtigkeit, die an Straßenfußball erinnerte, nur präziser. 64,7 Prozent Ballbesitz, 29 Torschüsse (gegen einen einzigen von Audaz), und jeder Pass schien magnetisch zum Mitspieler zu finden. Vicente Collantes, eigentlich Innenverteidiger, lieferte zwei Assists und wirkte dabei so elegant, als hätte er nie etwas anderes getan.

Den Schlusspunkt setzte der junge Ingo Carracedo in der 92. Minute, nach - natürlich - Vorarbeit von Collantes. 0:9, und der Schiedsrichter pfiff ab, bevor Cuenca noch zweistellig werden konnte. Das Publikum verabschiedete seine Mannschaft mit einer Mischung aus Mitleid und Applaus.

"Wir haben heute sehr viel gelernt", murmelte Audaz-Mittelfeldmann Max Behrens, der aussah, als wolle er den Boden umarmen. Sein junger Mitspieler Marco Tonel, gerade 17, erhielt in der Nachspielzeit noch Gelb - aus Frust, aus Müdigkeit, vielleicht auch, um wenigstens einmal im Spielbericht aufzutauchen.

Trainer Nordi hatte nach dem Schlusspfiff Mühe, seine Spieler zu bremsen. "Sie wollten weitermachen", grinste er. "Ich hab ihnen gesagt: Das reicht. Wir müssen ja nächste Woche auch noch Tore haben."

Sporting Audaz hingegen wirkte wie nach einem kollektiven Albtraum. Kein Pressing, kein Zugriff, kaum ein gelungener Pass über mehr als zwei Stationen. Der einzige Torschuss - von Niklas Hauser in der 51. Minute - war mehr eine höfliche Erinnerung daran, dass es theoretisch auch ein anderes Tor gibt.

Ein älterer Fan fasste es auf der Tribüne zusammen: "Wir sind halt Sporting Audaz - das ’Audaz’ steht für Mut. Heute war’s wohl Mut zur Katastrophe."

Am Ende blieb nur der Trost, dass solche Spiele selten sind - und dass Expreso Cuenca an diesem Abend schlicht alles traf, was sich bewegte. Chalana, vier Tore und ein Assist, wurde zum Mann des Abends, Postiga glänzte mit jugendlicher Unbekümmertheit, und Hernan dirigierte das Mittelfeld wie ein erfahrener Maestro.

"Wenn du neun schießt und keinen kassierst, ist das kein Zufall", meinte Nordi trocken. "Aber ich hoffe, wir bleiben bescheiden."

Bescheidenheit wird Sporting Audaz in den nächsten Tagen sicher nicht fehlen - dafür aber Schlaf.

Und so endete dieser denkwürdige Abend mit einem 0:9, das in die Vereinschronik eingehen wird - leider auf der falschen Seite. Doch wer weiß: Vielleicht wird man in Cuenca noch lange sagen, "weißt du noch, damals in Audaz?" - und in Audaz wird man antworten: "Ja, wir wissen’s leider noch ganz genau."

21.05.643993 21:08
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Ich bin gespannt auf den ersten Augenblick, wenn er auf dem Spielfeld erstmals wegen seiner Erkrankung von einem Gegenspieler dumm angemacht wird. Wenn er ihm dann in die Eier tritt, dann weiß ich, dass er gesund ist.
Uli Hoeneß zum Gesundheitszustand von Sebastian Deisler
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