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Ein lauer Maiabend, 31.249 Zuschauer im Falkirk Stadium, Flutlicht, Spannung - und am Ende wieder diese alte Fußballweisheit: Wer seine Chancen nicht nutzt, verliert. Der FC Falkirk warf am 15. Spieltag der 1. Liga Schottland alles nach vorne, hatte 19 Torschüsse - und stand trotzdem mit leeren Händen da. Die Aberdeen Reds dagegen zeigten, wie man mit sechs Versuchen drei Punkte holt: ein Schuss, ein Tor, ein Sieg. In der 34. Minute traf Alessandro Casole Bruzio nach perfektem Zuspiel von Christophe Gariepy - der einzige Moment, in dem die sonst solide Falkirk-Abwehr kurz blinzelte. "Ich dachte, der spielt den Ball quer", sagte Falkirks Torhüter Mattia Lombardo später, "aber offenbar dachte der Ball das nicht." Dabei begann alles vielversprechend. Schon in den ersten zehn Minuten prüften James Elliot (3.), Christopher Forbes (4.) und der 19-jährige Raul Gonzalez (7.) Aberdeen-Keeper Nevio Santos - vergeblich. Santos, sonst eher unauffällig, wuchs über sich hinaus. "Ich habe einfach die Augen zugemacht und gehofft", grinste der Torwart nach dem Schlusspfiff. Offenbar war das Erfolgsrezept. Falkirk-Trainer Rico Messig hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt - nach Lehrbuch, mit zwei schnellen Flügelstürmern und einem Mittelstürmer, der manchmal wirkte, als wolle er den Ball hypnotisieren. Ballbesitz? 45 Prozent. Torschüsse? Fast dreimal so viele wie der Gegner. Tore? Null. "Wir haben das Spiel dominiert", sagte Messig trocken, "leider nur in der Statistik." Aberdeen-Coach - der sein Team bewusst defensiv-balanciert ausgerichtet hatte - sah das naturgemäß anders: "Wir wollten Falkirk kommen lassen. Und sie kamen. Immer wieder. Und immer wieder an Nevio vorbei - nur nicht ins Tor." In der 34. Minute dann das, was man im Norden wohl kühlen Pragmatismus nennt: Gariepy trieb den Ball über links, spielte flach in den Strafraum, Casole Bruzio setzte den Fuß hin - 0:1. Ein Treffer, so unspektakulär wie entscheidend. Falkirk drückte weiter, besonders in der zweiten Halbzeit. Zwischen der 52. und 78. Minute feuerten Elliot, der eingewechselte Pierpaolo Montepaone und der blutjunge Mesut Özil (17 Jahre, Namensvetter ohne Weltmeistertitel) aus allen Lagen. Der Ball fand jedes Mal den Weg zu Santos - oder über die Tribüne. "Wenn das Tor drei Meter höher wäre, hätten wir gewonnen", murmelte Verteidiger Philip Beier nach Abpfiff. In der 50. Minute sah Innenverteidiger Uri Eschkol Gelb - wohl aus Frust, weil er dachte, auch Fouls könnten als Torschüsse zählen. Kurz darauf wechselte Messig frische Kräfte: Andrew Robertson kam für den müden Fraser, später Montepaone für den jungen Özil - und in der Schlussphase durfte auch Callum Forbes (17) ran, um Familien-Ehre zu retten. Bruder Christopher hatte zuvor alles versucht, sogar mit einem artistischen Seitfallzieher in der 29. Minute, der aber an der "Wand von Aberdeen" zerschellte. Aberdeen blieb geduldig, verteidigte clever und setzte hin und wieder Nadelstiche über Brandon Home, der mit 33 Jahren noch immer die schnellen Beine hat - und in der 93. Minute fast das 0:2 erzielte. Fast. Nach Abpfiff applaudierten die Zuschauer trotzdem. Falkirk hatte gekämpft, gerannt, geschossen - und verloren. "Wir nehmen das Positive mit", sagte Trainer Messig, "nämlich dass wir nicht noch ein zweites Tor kassiert haben." Die Statistik sprach Bände: 19:6 Torschüsse, Tacklingquote 55 zu 45 Prozent, aber eben 0:1 Tore. Der Fußballgott hatte an diesem Abend offenbar einen roten Schal um. Und so endete das Spiel mit einem Ergebnis, das kühler nicht hätte sein können - 0:1 (0:1). Während Aberdeen jubelnd in den Bus stieg, blieb Falkirk noch lange auf dem Rasen. Raul Gonzalez stand mit hängenden Schultern im Mittelkreis, sah zu den Rängen und sagte leise: "Ich schwöre, ich hab getroffen - nur halt nicht ins Tor." Vielleicht war das das treffendste Zitat des Abends. Manche Spiele gewinnt man mit einem Schuss. Manche verliert man mit neunzehn. Und manchmal reicht in Schottland eben nur Effizienz - oder ein Torwart, der lieber die Augen zumacht. 07.05.2026 17:08 |
Sprücheklopfer
Mit 50 bist Du als Fußballtrainer reif für die Klapsmühle. Wenn Du genug Geld verdient hast, kannst Du wenigstens erster Klasse liegen.
Otto Rehhagel