Jamaica News Bulletin
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Falmouths Villagers trotzen Portmore Town - ein 1:1 mit reichlich Drama

Es war einer dieser Abende, an denen sich Fußballromantiker und Zyniker gleichermaßen bestätigt fühlten. 27.000 Zuschauer im Falmouth-Stadion sahen ein 1:1 zwischen den Falmouth Villagers und Portmore Town - ein Ergebnis, das so gerecht wie unbefriedigend war. Gerecht, weil beide Teams ihre Momente hatten. Unbefriedigend, weil Portmore alles tat, um zu gewinnen - und am Ende doch wieder nur der Schiedsrichter glücklich nach Hause ging.

Schon in der 7. Minute bebte die Luft: Nelio Garcia, der flinke Rechtsaußen Portmores, nahm einen perfekten Ball von Lewis Blais auf und schlenzte das Leder mit der Eleganz eines Tangotänzers ins lange Eck. 0:1 - und die Falmouth-Fans rieben sich die Augen. Der Treffer war so schön, dass selbst der Stadionsprecher kurz vergaß, für welches Team er eigentlich jubelt. "Das war Training pur", grinste später Portmore-Trainer Karl-Heinz Pumpernickel. "Leider vergessen meine Jungs im Spiel, dass man nach dem 1:0 noch weitermachen muss."

Weitermachen mussten sie tatsächlich, denn Falmouths Antwort ließ nicht lange auf sich warten. In der 33. Minute schob sich der bullige Sigmund Henningsen nach einer butterweichen Flanke von Laurent Bostwick in den Strafraum, stoppte kurz, schaute - und versenkte den Ball trocken. 1:1, und das Stadion explodierte. "Ich hab einfach nur draufgehalten", lachte Henningsen nach dem Spiel. "Wenn ich zu lange nachdenke, geht er meistens drüber."

Das war’s dann auch mit den Toren, aber nicht mit dem Spektakel. Portmore Town schoss insgesamt 14-mal aufs Tor, während die Villagers sich mit fünf Versuchen begnügten. Doch Ballbesitz ist nicht alles: Falmouth kontrollierte mit 57 Prozent das Spiel, Portmore rannte - und rannte sich oft fest. "Wenn Ballbesitz Tore schießen würde, hätten wir 5:1 gewonnen", knurrte ein genervter Spieler aus der Falmouth-Abwehr, der lieber anonym bleiben wollte.

Auch die Statistiker kamen auf ihre Kosten: Vier Gelbe Karten, eine Gelb-Rote, eine Verletzung und drei Wechsel - das Spiel hatte alles, was ein Reporterherz höher schlagen lässt. Besonders turbulent wurde es ab der 65. Minute, als Portmores junger Linksverteidiger Lorenzo Colombo erst Gelb kassierte, dann in der 76. Minute mit Gelb-Rot vom Platz musste. "Ich hab doch gar nichts gemacht!", rief er noch, während er wutentbrannt die Eckfahne streifte. Trainer Pumpernickel sah das naturgemäß anders: "Er hat’s gemacht."

Die Villagers witterten ihre Chance in Überzahl, doch statt druckvoller Angriffe gab’s gepflegtes Sicherheitsdenken. Laurent Bostwick und Yossi Levinger prüften den jungen Ersatztorhüter Ellis Bossong, der zur Halbzeit für Vincent Morrison gekommen war, gleich doppelt - aber der 18-Jährige parierte mit jugendlicher Unbekümmertheit. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft", gab Bossong später zu. "Hat funktioniert."

Zwischenzeitlich sorgte eine Verletzung von Luís Simao für Schreckmomente bei Portmore. Der erfahrene Mittelfeldmotor blieb nach einem Zweikampf liegen und musste raus. James Lancaster kam - und brachte immerhin frische Beine, wenn auch keine neuen Ideen.

Falmouth-Coach - der in den offiziellen Unterlagen ungenannt bleibt, aber an der Seitenlinie mit der Leidenschaft eines Vulkanführers agierte - rief seine Spieler mehrfach zusammen: "Jungs, das ist kein Schachspiel!" Mit etwas mehr Mut wäre vielleicht mehr drin gewesen. Stattdessen freuten sich die Zuschauer über einen lauen Sommerabend mit reichlich Emotionen, aber wenig Präzision.

Die letzten Minuten gehörten wieder Portmore. Trotz Unterzahl feuerten sie aus allen Lagen: Barre, Wirtz, Fili - einer nach dem anderen prüften sie den Falmouth-Keeper Stefano Belvedere. Doch der blieb cool wie ein Eiswürfel in der Sonne. In der 89. Minute rettete er den Punkt mit einer Glanzparade gegen Wirtz - und ließ sich danach feiern, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen. "Ich hab einfach meinen Job gemacht", murmelte er bescheiden. Man glaubte es ihm nicht.

So blieb es beim 1:1, einem Ergebnis, das wohl beiden Trainern nicht schmeckt, aber keinem wirklich weh tut. Portmore zeigte Offensivdrang, Falmouth die bessere Ballkontrolle - und beide die Fähigkeit, gute Chancen mit stoischer Konsequenz ungenutzt zu lassen.

"Vielleicht sollten wir das nächste Mal ohne Tore spielen", witzelte Pumpernickel bei der Pressekonferenz. "Dann ist wenigstens keiner enttäuscht."

Ein Vorschlag, der im karibischen Fußball durchaus Charme hätte - aber vermutlich keine Zuschauerzahlen von 27.000.

Fazit: Ein Spiel, das man gesehen haben muss, um zu glauben, dass ein 1:1 so unterhaltsam sein kann. Und eines, das beweist: Im Fußball gewinnt manchmal nicht der Bessere, sondern der, der weniger ärgert.

13.06.2026 13:37
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Toni Polster
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