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Das kleine Stadio Communale in Ascona bebte am Freitagabend - und das nicht nur wegen der 4772 Zuschauer, die den 1. Spieltag der 4. Liga Schweiz (2. Div) bei lauen 20 Grad genießen wollten. Der FC Ascona besiegte den FC Wettingen verdient mit 3:0 (0:0) und zeigte dabei zwei Gesichter: erst kontrolliert und geduldig, dann wild entschlossen und torhungrig. Die erste Halbzeit war ein Musterbeispiel für gepflegtes "Fast-hätte-er-schon-gepasst"-Fußballspiel. 17:3 Torschüsse sprechen zwar eine deutliche Sprache, aber eben nur statistisch. Immer wieder zischten Bälle knapp am Kasten des tapferen Claude Carter vorbei, dem Wettinger Torhüter, der in der Pause wohl mehr Mücken als Bälle fangen musste. "Da fehlte uns einfach die Kaltschnäuzigkeit", knurrte Asconas Routinier Pascal Schäfer später. "Rainer Zufall hat uns in der Halbzeit gesagt, wir sollen einfach weiter so spielen. Ich dachte erst, er macht Witze." Doch der Trainer mit dem bezeichnenden Nachnamen hatte offenbar das richtige Gespür. Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, explodierte das Spiel. In der 50. Minute bediente Rechtsaußen Pascal Henning mustergültig Uwe Wurst, der den Ball humorlos ins Netz drosch - 1:0! Das Publikum jubelte, als hätte Ascona gerade die Champions League gewonnen. Eine Minute später klingelte es erneut: Maurice Hofmann steckte durch auf Schäfer, der diesmal keine Kompromisse kannte. 2:0! Zwei Tore in 60 Sekunden - Wettingens Abwehr stand da wie ein schlecht sortiertes Kartenspiel. "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen sich nicht vom Applaus blenden lassen", erklärte Trainer Zufall nach dem Spiel mit einem Grinsen. "Aber eigentlich war’s mir egal - die sollen ruhig mal genießen, wenn’s läuft." Wettingen versuchte, den Schalter umzulegen, blieb aber offensiv harmlos. Drei Torschüsse in 90 Minuten sind eine statistische Liebeserklärung an die Bedeutungslosigkeit. Curt Beaulieu versuchte es immerhin zweimal, einmal sogar gefährlich (54.), doch Asconas Keeper Marco Ackermann fischte den Ball mit einer lässigen Handbewegung aus der Luft. "Ich hatte Angst, dass ich einschlafe", witzelte der Torwart später, "da hab ich mir den Ball einfach mal geschnappt, um wach zu bleiben." In der 76. Minute machte dann der jüngste Mann auf dem Platz alles klar: Mike Kluge, gerade mal 18, verwertete eine Vorlage von Uwe Wurst zum 3:0-Endstand. Ein Treffer wie aus dem Lehrbuch - technisch sauber, nervenstark, eiskalt. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Kluge nach dem Spiel schüchtern. "Uwe meinte nur: ’Mach ihn rein, Kleiner’ - und das hab ich dann halt gemacht." Danach verlegte sich Ascona aufs Verwalten, was bei dieser Offensivlaune fast schon eine Herausforderung war. Der Ball lief weiter flüssig, die Pässe wurden kurz und präzise gespielt - ganz im Sinne der taktischen Marschrichtung, die Coach Zufall in der zweiten Halbzeit auf "Offensiv mit aktivem Pressing" gestellt hatte. Wettingen hingegen blieb erstaunlich zahm, kein Pressing, kein Aufbäumen, nur ein paar harmlose Vorstöße. In der Schlussphase sahen die Zuschauer noch ein paar gelbe Karten: Asconas Innenverteidiger Walter Frei und Tim Miller holten sich jeweils eine ab, offenbar um den Schiedsrichter nicht völlig arbeitslos zu machen. Auch Wettingens Marcel Adam wollte nicht ohne Farbe nach Hause fahren und kassierte in der 84. Minute Gelb für ein rustikales Einsteigen. Nach dem Schlusspfiff feierten die Asconeser ihre Helden minutenlang. "Das war ein Statement", meinte Kapitän Schäfer und legte den Arm um den jungen Kluge. "Wenn wir so weitermachen, müssen die anderen Teams warm anziehen." Auf die Frage, ob er an den Aufstieg denke, antwortete Trainer Zufall gewohnt trocken: "Ich denke erstmal an ein kühles Getränk." Fazit: Der FC Ascona startet mit einem überzeugenden 3:0 in die Saison, mit viel Spielfreude, einer Portion Humor und einem Publikum, das nach dem Schlusspfiff vermutlich noch lange am Lago Maggiore über die "magischen drei Minuten" diskutierte. Und Wettingen? Nun ja, die haben immerhin bewiesen, dass man auch ohne Pressing und Tore 90 Minuten übersteht - wenn auch ohne Punkte. Vielleicht war’s einfach nicht ihr Abend. Oder, wie Uwe Wurst es formulierte, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte: "Manchmal läuft’s halt wie geschmiert - und manchmal steht man nur im falschen Film." 11.08.644000 15:47 |
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Der Deutsche hat nie Angst.
Berti Vogts