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Wenn man die 5043 Zuschauer im altehrwürdigen Halleiner Stadion fragte, was sie am 7. Spieltag der 4. Liga Österreich gesehen haben, wäre die Antwort wohl: "Viel jugendlichen Übermut, ein paar wacklige Momente - und drei Punkte, die bleiben, wo sie hingehören." Der FC Hallein gewann am späten Samstagabend mit 2:1 (1:0) gegen Perg Union und zeigte dabei, dass Mut und Tempo manchmal mehr zählen als Routine und graue Schläfen. Schon der Auftakt hatte Pfeffer. Kaum war der Anpfiff von Schiedsrichter Berger verklungen (und die erste Bratwurst halb gegessen), da zündete Halleins Mittelfeldtalent Niclas Schöne in der achten Minute den Turbo. Nach feinem Zuspiel von Linksverteidiger Niklas Herzog zog der 18-Jährige von der Strafraumkante trocken ab - 1:0. "Ich hab gar nicht groß nachgedacht", grinste Schöne später. "Der Ball lag da, und ich dachte: Warum nicht?" Trainer Herbert Krunkel kommentierte das Tor mit einem schiefen Lächeln: "Er soll öfter mal nicht nachdenken - das scheint ihm gutzutun." Bis dahin hatte Hallein ohnehin das Kommando: 51 Prozent Ballbesitz, 15 Torschüsse insgesamt - gegen ganze vier der Gäste. Die jungen Wilden spielten, als hätten sie Koffein intravenös. Besonders Noah Gebhardt und Walter Beyer auf den Flügeln wirbelten, dass Pergs Außenverteidiger Yanik Urban und Timo Voss wohl noch Albträume haben dürften. Doch Halleins Offensivdrang hatte einen Preis. In der 14. Minute verletzte sich der flinke Norweger Halvor Kristensen am Knöchel - das Publikum hielt kurz den Atem an. Beyer kam für ihn, und der 18-Jährige sollte später noch eine tragende Rolle spielen. "Ich war nicht mal richtig warmgelaufen", lachte Beyer nach dem Spiel. "Aber Herbert meinte: ’Rein da, Junge, das ist jetzt dein Abend.’ Da sag ich natürlich nicht Nein." Perg Union brauchte fast eine halbe Stunde, um sich zu sortieren. Ein erster Schuss von Paul Hoppe in der 24. Minute war mehr Weckruf als Gefahr. Kurz vor der Pause sah Max Müller Gelb, nachdem er Gebhardt rustikal vom Ball trennte - "Das war kein Foul, das war ein Statement", knurrte Müller in der Mixed Zone. Nach der Pause kam Perg besser in Schwung, während Hallein kurz den Faden verlor. In der 58. Minute traf Justin Schulte nach feinem Pass von Detlev Muster zum Ausgleich. Die Halleiner Defensive sah in dieser Szene aus, als wäre sie noch in der Kabine. "Wir standen da wie Touristen am Mozartplatz - schön verteilt, aber ohne Plan", spottete Trainer Krunkel später. Doch die Antwort der Gastgeber kam prompt und jugendlich unbekümmert. In der 77. Minute setzte sich Walter Beyer rechts durch, flankte halbhoch in den Strafraum, und Gebhardt schob den Ball überlegt zum 2:1 ins Netz. Jubel, Bierduschen, pure Erleichterung. "Ich hab Walter nur schreien hören: ’Lauf, Noah, lauf!’ - und dann lief ich halt", erzählte der 18-jährige Siegtorschütze mit einem Grinsen, das breiter war als das Tor selbst. Danach wurde es ruppiger. Halleins Stürmer Fabio Lorusso holte sich Gelb (71.), kurz vor Schluss auch Willoughby (90.), während bei Perg Urban noch einmal den Karton sah (88.). Trotzdem blieb das Spiel sportlich - kein Meckern, kein Rudel, kein VAR-Drama. Statistisch war Hallein leicht überlegen: 51 Prozent Ballbesitz, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, und vor allem eine bemerkenswerte Schussquote. Perg Union dagegen präsentierte sich solide, aber ohne Durchschlagskraft. Vier Torschüsse in 90 Minuten - das ist wenig, wenn man Punkte mitnehmen will. Nach Abpfiff standen die Gäste enttäuscht, aber gefasst in der Mitte. "Wir haben zu spät gemerkt, dass Hallein kein Schülerteam ist", gab Union-Kapitän Detlev Muster zu. Trainer Krunkel dagegen grinste in die Kameras: "Ich bin stolz auf meine Jungs. Wenn sie jetzt noch lernen, dass man nach einer Führung nicht immer gleich Zirkus spielen muss, dann wird das was." Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit Applaus und einem vielstimmigen "Weiter so, Burschen!" - Hallein bleibt damit im oberen Tabellendrittel und darf weiter vom Aufstieg träumen. Und wer weiß: Wenn der jugendliche Leichtsinn nicht in Übermut umschlägt, könnte dieser Abend mehr gewesen sein als nur ein Dreier - vielleicht der Moment, in dem aus Talenten echte Spieler wurden. Oder, wie es der sichtlich zufriedene Niclas Schöne beim Rausgehen formulierte: "So ein Sieg fühlt sich an wie der erste Führerschein - man weiß, man kann’s, aber man sollte trotzdem auf der Straße bleiben." 08.04.643987 16:27 |
Sprücheklopfer
Wir sind insgesamt so gefestigt, dass jeder die Meinung des Trainers akzeptiert.
Dieter Eilts