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Es war eine kalte Februarnacht in Hallein, aber 5910 Zuschauer trotzten Wind und Winterjackenpflicht, um den Start in die neue Saison der 3. Liga Österreich (2. Division) zu erleben. Und sie sollten nicht enttäuscht werden: Der FC Hallein besiegte Sollenau mit 1:0 - ein Ergebnis, das knapper klingt, als es sich auf dem Rasen anfühlte. Schon in den ersten Minuten legten die Hausherren los, als hätten sie das Torverhältnis in der ersten halben Stunde erledigen wollen. Miroslav Cabala, gerade einmal 19, prüfte in Minute 1 und 2 den gegnerischen Keeper David Lavoie, als wolle er persönlich die Tornetze auf Winterfestigkeit testen. Links und rechts flogen die Bälle, meist knapp vorbei, aber das Publikum war sofort wach. "Ich hab’ gedacht, wir spielen Eishockey, so oft kam der Puck - äh, Ball - aufs Tor", grinste ein Fan auf der Tribüne. Sollenau hingegen tat sich schwer, in die Partie zu finden. Zwar hatte das Team von Trainer Herbert Krunkel weniger Ballbesitz (43 Prozent), doch die Halleiner machten daraus 18 Torschüsse - mehr als doppelt so viele wie die Gäste. Krunkel kommentierte das nach dem Spiel trocken: "Wir hatten vielleicht weniger den Ball, aber dafür öfter die besseren Ideen, was man mit ihm anfangen kann." Die erste Hälfte endete torlos, aber nicht ereignislos. Sven Lorenz und Halvor Kristensen sorgten mit wieselflinken Angriffen für Dauerbetrieb im Strafraum, während Sollenau vor allem auf die Mitte setzte und mit Ben Haupt den Ballverteiler gab. Haupt selbst sah in der 66. Minute Gelb, nachdem er beim Versuch, den Ball zu erobern, eher den Gegner umgepflügt hatte. "Ich bin ausgerutscht - also, glaube ich", meinte der 22-Jährige später mit einem schiefen Lächeln. Dann kam die 46. Minute - und mit ihr der Moment, den Hallein wohl noch eine Weile feiern wird. Emilio Garcia, Linksverteidiger mit Offensivdrang und offenbar Frühlingsgefühlen im Februar, zog nach einem Pass von Rechtsverteidiger Pedro Pauleta einfach mal ab. Der Ball flog, als hätte er einen eigenen Plan, und schlug unhaltbar im langen Eck ein. Ein 19-jähriger Verteidiger als Torschütze? "Ich wollte eigentlich flanken", gab Garcia nach dem Spiel lachend zu. Trainer Krunkel nickte dazu mit gespieltem Ernst: "Genau so haben wir das trainiert. Jede Flanke ein Tor." Sollenau reagierte, blieb aber brav in seiner ausgeglichenen, fast schon meditativen Taktik. Kein Pressing, kein Risiko - die Statistik zeigte es gnadenlos: 56 Prozent Ballbesitz, aber kaum Gefahr. Als Marc Oliveira in der 80. Minute noch einmal abzog, hielt Halleins Torwart Pal Zele mit einer Flugeinlage, die auch im Zirkus Applaus bekommen hätte. In der Schlussphase wurde es ruppiger. Sollenau holte sich noch zwei weitere Gelbe Karten - Alessio Gimigliano (73.) und Vicente Moutinho (90.) - und krönte damit einen Abend voller kleiner Frustrationen. "Wir hatten das Spiel eigentlich im Griff", sagte Sollenau-Coach (der Name blieb ungenannt, aber sein Gesicht sprach Bände), "nur leider das Tor nicht." Hallein wechselte clever: Vitor Vaz ging in der 69. Minute, Harrison Willoughby kam und brachte frischen Schwung. Kurz darauf ersetzte Joel Carter den unermüdlichen Dirk Petersen, und auch Olgun Balkan durfte noch ein paar Minuten ran. "Unsere Jungen sind heiß", freute sich Krunkel. "Manchmal zu heiß, da muss ich sie fast bremsen." Als der Schlusspfiff ertönte, war das Stadion eine Mischung aus Erleichterung und Stolz. Ein 1:0 zum Auftakt, ein Youngster als Matchwinner - besser hätte der Auftakt kaum laufen können. Die Fans sangen, Garcia wurde von seinen Teamkollegen beinahe erdrückt, und Krunkel verabschiedete sich mit einem Zwinkern in die Kabine: "Jetzt müssen wir nur noch das Toreschießen ein bisschen üben. Aber eins pro Spiel ist ja auch eine Serie." Das Fazit: Hallein zeigte Mut, Tempo und jugendliche Unbekümmertheit. Sollenau hatte den Ball, aber Hallein hatte das Tor. Und am Ende zählt im Fußball bekanntermaßen das, was auf der Anzeigetafel steht - und dort leuchtete: FC Hallein 1, Sollenau 0. Oder, wie ein Fan es beim Hinausgehen zusammenfasste: "Kein Spektakel, aber drei Punkte - das ist Fußball, kein Feuerwerk." Und irgendwie hatte er recht. 09.06.643990 04:12 |
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Rudi Assauer