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Es war ein kalter Januarabend in Hainburg, aber die 24.153 Zuschauer im Stadion bekamen genug zu sehen, um sich warmzuhalten - zumindest emotional. Am Ende jubelte der FC Höchst über einen 2:1-Auswärtssieg, der weniger aus spielerischer Dominanz als aus Konsequenz und Cleverness geboren wurde. FK Hainburg hingegen stand nach 90 Minuten da wie jemand, der den Haustürschlüssel verloren hat - obwohl er ganz sicher war, ihn eingesteckt zu haben. Dabei fing alles so vielversprechend an. Nach einer druckvollen Anfangsphase des Heimteams, das mit 54 Prozent Ballbesitz die Kontrolle suchte, war es Lars Merkel, der in der 20. Minute den Ball ins Netz drosch. Nach schönem Zuspiel von Iban Valentin traf der flinke Linksaußen flach ins lange Eck. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Merkel später. "Wenn ich da noch nachdenke, fliegt der Ball wahrscheinlich über die Donau." Hainburgs Trainer Andreas Swoboida sprang an der Seitenlinie wie ein Mann, der gerade einen Lottoschein geprüft hat und glaubt, gewonnen zu haben. Doch die Freude hielt keine Viertelstunde. In der 36. Minute schlug der FC Höchst zurück: Adam Malfoy, der schon zuvor mehrfach gefährlich vor dem Tor auftauchte, verwertete eine Vorlage von Timm Schreiner zum Ausgleich. Ein Tor, das die Hainburger Defensive aussehen ließ, als hätte sie sich gerade auf eine Kaffeepause geeinigt. "Wir wussten, dass Hainburg gerne das Spiel macht", erklärte Höchst-Coach Ronnie Ekström nach der Partie trocken. "Also haben wir sie machen lassen - und dann das Tor geschossen." Mit dem 1:1 ging es in die Pause, und viele rechneten mit einem offenen Schlagabtausch. Doch kaum hatte Schiedsrichter Mayer die zweite Halbzeit angepfiffen, fiel der nächste Schlag: Timm Schreiner selbst drückte in der 46. Minute den Ball über die Linie. Höchst führte - und ließ sich diese Führung nicht mehr nehmen. Von da an entwickelte sich ein Spiel zwischen Hainburger Verzweiflung und Höchster Disziplin. Die Gastgeber schossen zwar elfmal aufs Tor, doch Torhüter Alexandre Marchand war an diesem Abend ein lebendes "Nein". Selbst als Walter Bock in der 76. Minute einen satten Schuss aus 20 Metern losließ, fischte Marchand den Ball mit einem Flug, der wohl in jedem Kunstturnkader Eindruck gemacht hätte. Swoboida wechselte, rief, gestikulierte - und fluchte. In der 79. Minute musste er auch noch Benjamin Thuringer verletzungsbedingt vom Platz nehmen. "Das war der Moment, wo ich dachte: Heute ist nicht unser Tag", sagte der Coach später mit einem schiefen Lächeln. Und es kam noch schlimmer. Gerard Bettencourt, ohnehin schon mit Gelb vorbelastet, sah in der 87. Minute Gelb-Rot. Das Publikum quittierte es mit einem kollektiven Stöhnen, irgendwo zwischen Tragödie und Slapstick. "Ich wollte nur den Ball spielen", verteidigte sich Bettencourt. "Aber der Ball wollte offenbar nicht." FC Höchst brachte die Partie souverän zu Ende. Ekström sah die letzten Minuten mit verschränkten Armen und jenem Gesichtsausdruck, den Trainer haben, wenn sie wissen: Heute kann nichts mehr schiefgehen. Statistisch gesehen war Hainburg sogar leicht überlegen - mehr Ballbesitz, fast gleich viele Torschüsse, aber eben ein Tor weniger. Das Spiel illustriert, was Fußball so gnadenlos macht: Schönheit zählt nichts ohne Effizienz. "Wir haben gut gespielt, aber leider das Falsche gewonnen - nämlich die Statistik", meinte Swoboida mit Galgenhumor. Sein Gegenüber Ekström grinste: "Statistik ist was für Buchhalter. Wir nehmen die Punkte." So bleibt FK Hainburg nach fünf Spieltagen weiter im Tabellenmittelfeld, während FC Höchst mit diesem Sieg nach oben schielt. Fans der Gastgeber traten den Heimweg an mit einem Gefühl, das irgendwo zwischen Ärger und Resignation lag. Einer fasste es im Fanblock treffend zusammen: "Wenn wir verlieren, dann wenigstens mit Stil. Aber heute war’s eher mit Pech." Ein bitterer Abend also für Hainburg, ein cleverer für Höchst - und ein erinnerungswürdiges Spiel für alle, die wissen, dass Fußball manchmal einfach nicht gerecht ist. Oder, um es mit Lars Merkel zu sagen: "Wir hatten alles im Griff - bis die anderen Tore geschossen haben." 06.03.643987 09:21 |
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Ich kann nicht sagen, dass ich es nicht gesagt habe, weil ich es gesagt habe.
Mehmet Scholl