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Ein Pokalabend, wie ihn sich die Fans des FC Höchst kaum schöner hätten ausmalen können: Flutlicht, 21.635 Zuschauer, Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt - und ein 3:0, das so klar war, wie das Ergebnis aussieht. Der FC Hard hingegen dürfte sich auf der Heimfahrt gefragt haben, ob sie überhaupt am richtigen Stadion angekommen waren. Bereits nach sechs Minuten hatte das Drama seinen Auftakt. Adam Malfoy, 24 Jahre jung, Name wie aus einem Fantasy-Roman, traf eiskalt zum 1:0. Ein flacher Schuss ins lange Eck, und der Gästetorwart Christopher Schramm sah aus, als hätte er den Ball lieber gar nicht gesehen. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte Schramm später mit einem gequälten Lächeln. Trainer Ronnie Ekström von Höchst kommentierte trocken: "Wenn du so anfängst, kannst du den Grill für die Kabinenparty schon mal anschmeißen." Danach begann eine Demonstration. Ballbesitz? 57,6 Prozent für Höchst. Torschüsse? 22 zu 0. Ja, richtig gelesen: null. Der FC Hard brachte in 90 Minuten keinen einzigen Ball aufs Tor. Man könnte sagen, sie schossen sich warm - nur leider nie in Richtung gegnerisches Netz. In der 51. Minute dann die Vorentscheidung: Der 18-jährige Hanns Schreiber, das Küken im Team, versenkte nach feinem Zuspiel von Timm Schreiner den Ball zum 2:0. Der Jubel war groß, und Schreiber grinste verschmitzt: "Ich wollte eigentlich flanken, aber na ja - nehmen wir den." Trainer Ekström nickte hinterher anerkennend: "Wenn du mit 18 schon so triffst, darfst du auch mal flunkern." Doch kaum hatten die Zuschauer den zweiten Treffer verdaut, klingelte es erneut. Nur zwei Minuten später nutzte Robert Bossong eine Vorlage von Dmitri Makarow - 53. Minute, 3:0, endgültig Feierabend für die Gäste. Bossong rannte jubelnd zu den Fans, die schon längst im Dauerklatschen-Modus waren. "Das war pure Spielfreude", sagte Ekström, "aber ehrlich gesagt: Wir hätten auch noch fünf machen können." Und er hatte nicht unrecht. Zwischen der 20. und 89. Minute hagelte es Torschüsse - Bossong, Schreiner, Makarow: ein Dauerbeschuss, der eher an ein Schießtraining erinnerte als an ein Pokalspiel. In der 89. Minute dann der einzige Wermutstropfen: Dmitri Makarow verletzte sich nach einem Zweikampf und musste vom Platz. "Nichts Schlimmes, nur ein Schlag", winkte der Russe ab, als er humpelnd in die Kabine ging. Ronnie Ekström wirkte nach dem Spiel entspannt wie ein Mann, der gerade eine Tasse Tee in der Sauna genossen hat. "Wir haben’s kontrolliert, wir haben’s clever gemacht, und wir haben’s verdient", sagte er. Auf die Frage, was der Schlüssel zum Erfolg gewesen sei, antwortete er mit einem Augenzwinkern: "Wir haben einfach öfter aufs Tor geschossen als der Gegner - das hilft manchmal." Ganz anders die Stimmung bei Hard-Coach, der sich hinterher nur mit einem müden "Wir waren zu brav" zitieren ließ. Brav war tatsächlich das richtige Wort: Kein Pressing, keine Torchance, kein Aufbäumen. Die Taktik - offensiv ausgerichtet, aber ohne Druck - wirkte wie eine Einladung zum Scheitern. Selbst die Zuschauer auf der Tribüne hatten irgendwann Mitleid. "Die könnten jetzt auch einfach alle nach Hause gehen und den Bus wärmen", meinte ein Fan in der 70. Minute, während Höchst weiter kombinierte. Statistisch war das Spiel eine Einbahnstraße: 22 Schüsse, 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe, fast 58 Prozent Ballbesitz. Der FC Höchst spielte, als hätten sie noch eine Rechnung offen - und beglich sie mit Zinsen. Am Ende stand ein 3:0, das in seiner Klarheit fast langweilig war, aber in seiner Konsequenz beeindruckte. Hard verabschiedet sich damit sang- und klanglos aus dem Pokal, während Höchst mit breiter Brust in die zweite Runde marschiert. Ein Zuschauer brachte es beim Verlassen des Stadions auf den Punkt: "Wenn das so weitergeht, brauchen wir bald größere Pokalvitrinen." Und Trainer Ekström grinste nur. "Dann müssen wir eben anbauen." Ein Abend, der zeigte: Wer im Pokal weiterkommen will, braucht keine Magie - manchmal reicht ein Malfoy, ein Schreiber und ein Bossong. 17.03.643987 21:24 |
Sprücheklopfer
Ich weiß nicht, ob ich bis dahin schon wieder laufen kann.
Mario Basler auf die Bitte des Bayerischen Fernsehens, ob er am Montag Studiogast in Blickpunkt Sport sein wolle