// Startseite
| Sportwoche |
| +++ Sportzeitung für Österreich +++ |
|
|
|
Ein Winterabend, der in Höchst wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird: Vor 25.458 frierenden, aber jubelnden Zuschauern fegte der FC Höchst am 6. Spieltag der 2. Liga Österreich den SV Hallwang mit 4:1 vom Platz - und das trotz weniger Ballbesitz. Trainer Ronnie Ekström grinste später spitzbübisch: "Manchmal reicht’s, wenn man den Ball seltener hat, aber öfter richtig." Treffender kann man dieses Spiel kaum zusammenfassen. Schon in der 9. Minute brach Tiago Morte den Bann. Nach einem feinen Pass von Spielmacher Michael Kopp zimmerte der Portugiese den Ball aus halblinker Position humorlos ins lange Eck. Kopp, mit Stirnband und Spiellaune gleichermaßen ausgestattet, war überhaupt der heimliche Regisseur des Abends. "Ich hab’ einfach gesehen, dass Tiago Platz hatte - und der Rest war Kunst", sagte er später, während er sich demonstrativ die Schnürsenkel löste. Nur sieben Minuten später legte der FC nach: Wieder Kopp als Vorlagengeber, diesmal auf Peter Sommer, der im Strafraum lauerte wie ein Kater am Milchnapf. Sommer drehte sich elegant, schloss trocken ab - 2:0. Hallwangs Keeper Sebastien Schulte schüttelte nur den Kopf. "Ich hab’ den Schuss gehört, bevor ich ihn gesehen hab’", gestand er nachher. Die Gäste aus Hallwang wirkten bemüht, aber harmlos. Zwar gehörte ihnen der größere Teil des Ballbesitzes (53,6 Prozent), doch kam dabei kaum Gefahr zustande. Ganze vier Torschüsse, von denen einer halbwegs gefährlich war - kein Wunder, dass mancher Hallwanger Fan auf der Tribüne mehr mit seinem Punsch beschäftigt war als mit dem Geschehen auf dem Rasen. Nach der Pause versuchte Hallwang, sich aufzubäumen. Trainer (dessen Name man sich lautstark von der Seitenlinie merken konnte) gestikulierte wild, doch Höchst blieb eiskalt. Wieder Sommer, diesmal in der 67. Minute, machte mit seinem zweiten Treffer alles klar. Erneut kam der Pass von - natürlich - Kopp. Der Mann hatte an diesem Abend offenbar eine magnetische Verbindung zu jedem gefährlichen Ball. "Ich hätt’ den dritten auch noch gemacht", grinste Sommer später, "aber Ronnie hat mich rausgenommen. Vielleicht zur Schonung - oder weil er mich nicht mehr ertragen konnte." In der 72. Minute durfte Hallwang dann doch noch jubeln. Innenverteidiger Bernt Kluge, der sich bei einer Ecke in den Strafraum geschlichen hatte, köpfte nach Flanke von Finlay Mills wuchtig ein. Ein Ehrentreffer, der immerhin den Gästeblock kurz zum Leben erweckte. "Wir wollten zeigen, dass wir auch wissen, wo das Tor steht", meinte Kluge trocken. Der letzte Akt gehörte aber wieder den Hausherren. Der eingewechselte Nevio Hartung setzte in der 87. Minute den Schlusspunkt, nach sauberer Vorarbeit von Adriano Ramallo. Ein Treffer wie ein Komma - elegant, präzise, aber endgültig. 4:1, und das Stadion stand Kopf. Statistisch betrachtet war das Spiel fast ein Paradoxon. Höchst mit nur 46 Prozent Ballbesitz, aber 17 Torschüssen - Hallwang mit mehr Ballkontrolle, aber wenig Wirkung. Die Gastgeber liefen, kämpften, pressten bei Bedarf - und wirkten dabei nie wirklich in Gefahr. "Wir waren offensiv eingestellt, aber nicht leichtsinnig", erklärte Trainer Ekström. "Und wenn du vorne solche Jungs hast, kannst du’s dir leisten, den Ball mal herzugeben." Ein kurzer Dialog zwischen den Fans auf der Tribüne fasste das Spiel perfekt zusammen: "Sag mal, warum rennen die Hallwanger so viel?" "Weil sie den Ball suchen." Im Vergleich dazu wirkte Höchst wie eine Mannschaft, die einfach wusste, wann der richtige Moment gekommen war. Ramallo zog die Fäden im Mittelfeld, Tiago Morte tanzte über den linken Flügel, und im Zentrum war Sommer der eiskalte Vollstrecker. Selbst die Abwehr zeigte sich souverän - auch wenn Vicente Gama bei seiner Einwechslung in der 62. Minute eher an einen Türsteher im Club erinnerte als an einen Verteidiger. Am Ende blieb den Gästen nur die Erkenntnis, dass schöner Ballbesitz eben keine Punkte bringt. Hallwangs Coach fasste es nachdenklich, aber ehrlich zusammen: "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore. Das ist wohl das Wichtigere." Für den FC Höchst dagegen war es ein Abend zum Genießen - und vielleicht der Beginn einer kleinen Euphoriewelle. Ekström verabschiedete sich mit einem Augenzwinkern: "Ich sag den Jungs immer: Wenn’s läuft, lauft weiter." Ein Rat, den sie an diesem Abend wörtlich genommen haben. 17.03.643987 23:09 |
Sprücheklopfer
Wäre es kälter gewesen, wär' vielleicht einer von ihnen am Boden festgefroren.
Peter Neururer nach einer 0:3-Niederlage seines 1.FC Köln beim MSV Duisburg über seine Spieler