Sportwoche
+++ Sportzeitung für Österreich +++

FC Höchst überrollt Mödling - ein Abend zum Vergessen für die Gäste

Es gibt Spiele, da fragt man sich nach zehn Minuten, ob das Drehbuch schon fertig war, bevor der Ball überhaupt rollte. Das Duell zwischen dem FC Höchst und dem SV Mödling am 8. Spieltag der 2. Liga Österreich war so eines. 24 098 Zuschauer im stimmungsvollen Höchst-Stadion sahen eine Heimmannschaft, die von Beginn an mit offenem Visier spielte - und einen Gast, der sich so tief verschanzte, dass man fast vermuten konnte, Trainer Herbert Sax habe die Parkbusse in der eigenen Hälfte parken lassen.

Am Ende stand ein verdientes 3:0 für den FC Höchst. Und wer sich die Statistik ansah, konnte nur nicken: 24 Torschüsse gegenüber mageren fünf Versuchen der Mödlinger sprachen eine klare Sprache. Der Ballbesitz war mit rund 50 Prozent zwar fast ausgeglichen, doch der Unterschied lag in der Haltung. Höchst spielte, Mödling hoffte.

Die Partie begann, wie man es von einem Team erwartet, das offensiv eingestellt ist und "ANYTIME" auf den Torschuss druckt, wie es in der Taktiktafel heißt. Schon in der 12. Minute prüfte Dawid Szamotulski den Mödlinger Keeper Knut Moeller mit einem satten Schuss - der 18-Jährige hielt noch glänzend. "Da dachte ich mir: Wenn der so weitermacht, bekommen wir heute keinen rein", sagte Moeller später mit einem gequälten Lächeln. Leider hielt die Hoffnung nur bis zur 32. Minute.

Da nämlich schloss Tiago Morte eine mustergültige Kombination über Szamotulski eiskalt ab. 1:0 - und das Stadion bebte. Morte riss die Arme hoch und brüllte etwas, das man frei übersetzen konnte mit "Endlich!" Trainer Ronnie Ekström lachte später: "Tiago hat den Ball diesmal nicht über das Stadiondach gejagt - das war schon mal Fortschritt."

Mödling, bislang auf Konter lauernd, versuchte nun, ein wenig mutiger zu werden. Fabian Rausch hatte in Minute 43 tatsächlich eine gute Chance, doch sein Schuss landete in den sichereren Händen von Alexandre Marchand, der einen ruhigen Abend verbrachte. Kurz darauf machte Adriano Ramallo den Deckel auf die erste Hälfte: In der 44. Minute zog er nach Vorarbeit von Nevio Hartung ab und traf präzise ins rechte Eck. 2:0 - und Mödling taumelte in die Kabine wie ein Boxer nach dem zweiten Niederschlag.

"Wir wollten eigentlich defensiv stabil stehen", murmelte Trainer Sax nach dem Spiel, "aber Höchst hat uns einfach keine Luft gelassen." Das war höflich formuliert. Seine Mannschaft blieb auch in Halbzeit zwei in der Defensive, während Ekström früh durchwechselte. In der 61. Minute kamen gleich drei frische Spieler: Jakob Feldmann, der junge Hanns Schreiber - und Robert Bossong, der dann zum Publikumsliebling des Abends werden sollte.

Nur vier Minuten nach seiner Einwechslung lief Bossong in Minute 65 in einen weiten Pass, nahm den Ball technisch sauber mit und vollstreckte abgebrüht zum 3:0. Das Publikum tobte, Ekström grinste breit. "Robert trainiert mit so viel Energie, dass er manchmal die Hütchen umgrätscht", erzählte der Trainer. "Dass er heute trifft, war nur gerecht."

Danach plätscherte das Spiel dahin - zumindest aus Sicht der Höchster. Für Mödling war es eher ein Überlebenskampf. Lars Kirsch schoss in der 75. Minute noch einmal auf Marchands Tor, aber mehr als ein höfliches Aufwärmen des Torwarts war es nicht.

Die wenigen Offensivaktionen der Gäste wirkten so verzweifelt, dass selbst die Ordner auf den Tribünen Mitgefühl zeigten. "Ich glaub, die wollten nur noch nach Hause", meinte ein Zuschauer augenzwinkernd.

Statistisch war das Spiel ein Musterbeispiel für Effizienz und Dominanz. 24:5 Torschüsse, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe, drei Tore, null Gegentreffer - Höchst spielte, wie man es von einem Aufstiegsaspiranten erwarten darf. Und das, obwohl Coach Ekström nach eigener Aussage "nicht mehr als Standard-Einsatz" angeordnet hatte.

"Wir haben einfach Spaß am Ball gehabt", sagte Ramallo nach dem Abpfiff. "Wenn du merkst, dass jeder Pass sitzt und du vorne drei Kollegen hast, die alles reinwerfen, dann läuft’s einfach."

Herbert Sax hingegen blickte ernst in die Kameras: "Wir müssen lernen, dass Mauern allein kein Spielkonzept ist."

Ein Satz, der als Zusammenfassung eines rabenschwarzen Abends für den SV Mödling taugt.

Am Ende blieb den Zuschauern ein Höchst-Team, das Lust auf mehr machte, und ein Gegner, der wohl froh war, als Schiedsrichter Koller endlich abpfiff. Ekström verabschiedete sich mit einem verschmitzten "Wir hätten auch vier machen können". Vielleicht beim nächsten Mal - aber für diesen Abend hatte der FC Höchst alles richtig gemacht.

Und Mödling? Die haben immerhin gezeigt, dass man mit viel Geduld und langen Bällen auch 90 Minuten überstehen kann - nur eben ohne Tor.

10.04.643987 04:21
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Wir lassen uns nicht nervös machen, und das geben wir auch nicht zu!
Olaf Thon
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager