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Was für ein Abend im Stade Münsingen! 16.000 Zuschauer, klamme Finger, aber warme Herzen: Der FC Münsingen hat am 25. Spieltag der 3. Liga Schweiz (1. Div) den Racing Club GE nach frühem Rückstand mit 3:1 (0:1) besiegt - ein Spiel, das in zwei Hälften zerfiel wie ein schlecht gebackenes Baguette: außen hart, innen weich. Kaum hatten die Fans Platz genommen, da zappelte der Ball schon im Netz - allerdings im falschen. Andrew Sinclair, der flinke Flügelmann der Genfer, nutzte in der 5. Minute eine Unaufmerksamkeit in der Münsinger Abwehr. Nach Vorarbeit des 18-jährigen Frank Michaud schlenzte er den Ball ins rechte Eck. "Ich hab einfach draufgehalten, bevor der Verteidiger wach war", grinste Sinclair später. Wach war da vor allem das Heimpublikum - und zwar vor Schreck. Münsingen brauchte lange, um den Rückstand zu verdauen. Zwar hatten sie mit 58 Prozent Ballbesitz und 20 Torschüssen deutlich mehr vom Spiel, doch der Ball wollte einfach nicht rein. "Wir hätten in der ersten Halbzeit auch auf zwei Tore spielen können, der Ball wäre trotzdem irgendwo im Seitenaus gelandet", schimpfte Trainer Schmid (der Name bleibt in Münsingen offenbar ein Staatsgeheimnis) zur Pause halb ironisch, halb verzweifelt. Racing Club GE verteidigte clever, ja fast genießerisch. Trainer Truthan Trainer - nomen est omen - ließ seine Elf zunächst offensiv anlaufen, dann aber tief fallen wie ein schlecht getimter Rückpass. Torhüter Taci Recber glänzte mehrfach, etwa als er einen Schuss von Branislav Stefanovic in der 35. Minute aus dem Winkel kratzte. "Ich dachte, der Ball sei schon drin", sagte der Münsinger Stürmer später, "aber der Keeper hat wohl Spiderman-Videos geschaut." Nach dem Seitenwechsel änderte sich die Szenerie schlagartig. Vielleicht war’s der Pausentee, vielleicht das Donnerwetter des Trainers - jedenfalls brauchte Münsingen nur eine Minute, um den Ausgleich zu erzielen. Claudios Brill traf in der 46. Minute nach energischem Solo, vorbereitet von - natürlich - Stefanovic. "Ich hab ihm nur zugerufen: ’Lauf, Claudios!’ - und er lief", erzählte der Vorlagengeber später mit einem Augenzwinkern. Von da an spielte nur noch Münsingen. Die Gäste wirkten plötzlich so erschöpft wie ihr Pressingplan, der ohnehin nie so richtig existiert hatte. In der 68. Minute folgte das 2:1 - und das ausgerechnet durch Innenverteidiger Nicolas Horn, der nach einer Ecke im Strafraum lauerte wie ein Katzensprung im Winter. Wieder war Stefanovic beteiligt. "Ich wollte eigentlich köpfen, aber dann stand Nico da - und der Ball war weg", lachte der Serbe. Racing Club GE verlor danach nicht nur die Ordnung, sondern auch die Nerven. Der junge Matthew Staunton sah in der 69. Minute Gelb, nachdem er Brill rustikal stoppte - "Ich wollte nur den Ball treffen, aber der hat sich versteckt", verteidigte sich der Engländer kleinlaut. Das 3:1 in der 75. Minute war dann endgültig der Deckel auf dem Spiel. Der 18-jährige Maurice Walther, zuvor schon auffällig mit vier Torschüssen, traf nach feinem Doppelpass mit Louis Boutin. "Ich hab gar nicht gezielt", meinte Walther hinterher verschmitzt, "mein rechter Fuß hat einfach entschieden, dass heute sein Tag ist." Racing Club GE versuchte danach, irgendwie zurückzufinden. Trainer Truthan Trainer wechselte in der 80. Minute gleich dreimal - sogar der Torhüter wurde getauscht. Doch Olivier Benoist, 18 Jahre jung, musste kaum eingreifen. Münsingen hatte das Spiel im Griff, die Pässe liefen, die Zuschauer sangen, und irgendwo auf der Tribüne rief ein Fan: "Jetzt spielt ihr endlich Fußball!" Am Ende stand ein verdienter 3:1-Sieg für Münsingen, der sich auch in den Statistiken widerspiegelt: 20 Torschüsse gegenüber 10, mehr Ballbesitz, bessere Zweikampfquote. "Wir haben nach dem Rückstand Charakter gezeigt", lobte Trainer Schmid seine Mannschaft. "Und wir haben gelernt, dass man auch mit einem Innenverteidiger Tore schießen kann." Racing-Trainer Trainer war da weniger begeistert: "Wir haben zu früh aufgehört zu glauben. Und dann hilft dir auch kein schöner Name mehr." Ein Spiel, das man so schnell nicht vergisst - nicht wegen des Glanzes, sondern wegen der Wandlung. Münsingen begann im Winterschlaf und endete im Frühlingsrausch. Und irgendwo in der Kabine summte man nach Abpfiff leise: "So spielt der FC Münsingen." Oder, wie Reporterlegende Kuno Kicker es auf den Punkt brachte: "Wenn du nach 0:1 noch 3:1 gewinnst, darfst du auch mal lächeln - selbst in der 3. Liga." 04.11.643987 11:45 |
Sprücheklopfer
Gerade diesen Nike-Spot sehe ich sehr negativ. Es beginnt jetzt die Reisezeit. Stellen Sie sich nur vor, die Kinder beginnen jetzt auf den Flughäfen mit Bällen herumzudribbeln.
Berti Vogts