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34377 Zuschauer im Stadio di Siracusa sahen am Sonntagabend ein Fußballspiel, das so italienisch war wie ein doppelter Espresso um Mitternacht: heiß, stark, aber mit bitterem Nachgeschmack. FC Sicilia und Valenzana trennten sich 2:2 - ein Ergebnis, das beiden Teams schmeichelt und gleichzeitig niemanden so recht glücklich machte. Schon nach Anpfiff roch es nach Offensivfeuerwerk. Valenzana begann mutig, kombinierte flüssig über die Flügel, und in der 14. Minute belohnte sich der junge Tamas Garaba für seinen forschen Auftritt. Nach feinem Zuspiel von William Cawdor drückte der 21-Jährige den Ball kompromisslos ins Netz - 0:1, und die Heimfans rieben sich die Augen. "Ich wollte einfach nicht nach Sizilien kommen, um Pasta zu essen", grinste Garaba später, "ein Tor war das Ziel." Doch Sicilia antwortete, wie es sich für ein stolzes Inselteam gehört - mit Leidenschaft und etwas Chaos. Nur fünf Minuten später knallte Manos Lagonikakis, der Grieche im Dienste der Sizilianer, den Ball aus 20 Metern unter die Latte. Kein Tor, das man plant - eines, das man fühlt. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du über 30 bist, denkst du nicht mehr lange nach", erklärte Lagonikakis augenzwinkernd. Und weil Fußball manchmal das beste Theater ist, dauerte es kaum drei Minuten, bis Sicilia die Partie drehte: Lagonikakis als Vorbereiter, der junge Edoardo Calabro als Vollstrecker - 2:1 (22.). Das Stadion tobte, Trainer Mister Giacomo feuerte seine Spieler an, als wolle er eine Oper dirigieren. "Wir waren in dieser Phase wie ein Vulkanausbruch", sagte er später. "Leider hat der Vesuv nicht bis zum Schlusspfiff gehalten." Nach der Pause übernahm Valenzana wieder das Kommando. Ballbesitz 51 zu 49 Prozent, 16:10 Torschüsse - die Zahlen erzählen, was die Augen sahen: Druck, Tempo, und ein Otto Schöne, der seinen Namen ad absurdum führte. In der 52. Minute rauschte der Linksverteidiger heran, nahm eine Flanke von Bruno Locatelli direkt und traf - unhaltbar, unverschämt schön. 2:2, und plötzlich war Stille im Stadion, als hätte jemand den Ton abgestellt. "Ich schieße sonst nur beim Training so", meinte Schöne lachend. "Vielleicht sollte ich öfter zielen." Sein Trainer Jupp Kaiser nickte zufrieden: "Wir haben Moral gezeigt. Und Otto hat gezeigt, dass Verteidiger auch Künstler sein dürfen." In der Folge wogte das Spiel hin und her - Calabro scheiterte freistehend (85.), während Valenzanas Garaba in der 70. Minute nur Zentimeter am Pfosten vorbeiköpfte. Zwei Gelbe Karten - eine für Otto Schöne (67.), eine für Mirko Ruggiero (71.) - würzten die Partie zusätzlich. Ruggiero beschwerte sich hinterher halb im Scherz: "Ich wollte nur den Ball treffen. Leider war da noch ein Bein im Weg." Die Trainer reagierten taktisch unterschiedlich: Giacomo blieb bei seiner offensiven Ausrichtung, setzte weiter auf lange Bälle und volles Risiko. Kaiser hingegen brachte in der 60. Minute Frische - Spina für Bischoff, Costinha für Sleeper - und stabilisierte das Spiel. Ein Schachzug, der funktionierte. In der Schlussphase gaben beide Teams alles, ohne die Präzision, die es für den Sieg gebraucht hätte. Sicilia rannte, Valenzana konterte, und irgendwo zwischen Leidenschaft und Lethargie verflog die Zeit. Als Schiedsrichter Bellini abpfiff, wirkte es, als könnten beide Seiten nicht genau sagen, ob sie gewonnen oder verloren hatten. "Das war ein Spiel, das man nicht in Statistiken pressen kann", fasste Mister Giacomo zusammen. "Wir haben Feuer gezeigt, aber Valenzana hat das Wasser gefunden." Jupp Kaiser konterte trocken: "Ein Punkt auf Sizilien ist wie ein guter Rotwein - selten, aber man nimmt ihn gern mit." Und so gingen die 34377 Zuschauer nach Hause - einige enttäuscht, viele erschöpft, alle gut unterhalten. Ein 2:2, das mehr Drama bot als die meisten Serien im italienischen Fernsehen. Man darf gespannt sein, ob Sicilia demnächst wieder eruptiv trifft - oder ob Valenzana seinen neu entdeckten Offensivmut konservieren kann. Fazit nach 90 Minuten: vier Tore, zwei Gelbe, sechzehn Valenzana-Schüsse, zehn sizilianische, ein bisschen Wahnsinn - und die Erkenntnis, dass Fußball manchmal einfach das schönste Chaos der Welt ist. 05.03.643987 14:27 |
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